Wanzleben l Seit im Februar 2020 bekannt wurde, dass die Discounter-Kette Netto-Marken-Discount einen neuen Markt in Wanzleben baut, gehen die Meinungen über das Vorhaben auseinander. Das Problem ist nämlich, dass das der alte Netto-Markt mit der Eröffnung des Neubaus geschlossen wird. Vor allem die ältere Generation der Wanzleber Bürger sieht das als Problem, denn die Einkaufswege verlängern sich für viele deutlich. Einwohner anderer Ortsteile und Pendler sehen das Thema entspannter. „Ob ich nun auf meinem Arbeitsweg über die Lindenpromenade fahre oder den neuen Standort ansteuere, ist mir relativ egal“, sagt Thomas Kunze. Er pendelt jeden Tag von Magdeburg nach Oschersleben und holt sich im Wanzleber Netto meistens eine Kleinigkeit zum Frühstück.

Kritik vom Bürgermeister

Wanzlebens Ortsbürgermeister Tino Bauer bedauerte ebenfalls bereits im Februar die Schließung. „Der Netto hat an diesem Standort einen regionalen Versorgungsauftrag, wo die Leute hingegangen sind“, sagte Bauer der Volksstimme. Wenn der Markt schließe, gebe es für die Bürger im umliegenden Wohngebiet unmittelbar vor Ort keine Einkaufsmöglichkeit mehr. Er vermutet, dass der vorhandene Markt in der Lindenpromenade nicht mehr zeitgemäß sei.

Mehr Platz im neuen Supermarkt

Der neue Standort, dieser entsteht jetzt in der Straße Vor dem Hohen Tor, sei dringend nötig. „Da die bisherige Netto-Filiale in Wanzleben nicht erweitert werden kann, wird eine neue Filiale in Wanzleben gebaut“, erklärt Christina Stylianou, Leiterin Unternehmenskommunikation von Netto Marken-Discount. Nachfragen, was sich konkret mit dem neuen Markt ändert und ob die Filiale energieeffizient gebaut wird, bleiben unbeantwortet. Allgemein gibt man sich in der Firmenzentrale in Maxhütte-Haidhof wortkarg. Der anvisierte Fertigstellungstermin für November diesen Jahres hänge nun von dem Baufortschritt im Objekt ab, heißt es weiter. In welcher Phase dieser sich befindet, und auch die Frage nach der Investitionssumme bleibt unbeantwortet. Zu letzterem heißt es lediglich: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine Investitionssummen kommunizieren.“ Fest steht lediglich, dass alle Mitarbeiter des bisherigen Standorts für den neuen übernommen würden.

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Das Vorhaben hat aber auch noch ein weiteres Problem. Binnen zehn Tagen ist es gleich zu drei Einbrüchen am Objekt gekommen. Zuerst schlugen unbekannte Täter im Zeitraum zwischen dem 12. und 13. September zu. Dabei hatte sie versucht, in den neuen Supermarkt einzudringen. Das Vorhaben misslang jedoch, so die Polizei. In einer Polizeimeldung heißt es dazu, dass die Türen dem Einbruch standgehalten hatten.

Drei Einbrüche in zehn Tagen

Jedoch seien diese so stark beschädigt worden, dass sie ausgetauscht werden müssten. Ohne eine genaue Schadenssumme zu nennen, bezeichnete die Polizei diese als enorm hoch.

In der Nacht vom 17. auf den 18. September suchten erneut Einbrecher das Gelände des neuen Supermarktes heim. Dabei wurde die Holzverkleidung einer Eingangstür abgerissen, so dass die Täter in das Objekt eindringen konnten. Was gestohlen wurde, konnte nicht sofort festgestellt werden.

Der aktuellste Fall ereignete sich am vergangenen Wochenende. Erneut waren unbekannte Täter in das Gebäude eingestiegen und hatten dieses Mal durchaus fette Beute gemacht. Laut Polizeisprecher Matthias Lütkemüller wurden unter anderem 150 Meter Kupferkabel sowie eine Kabeltrommel mit einem Kabel von 30 Metern Länge gestohlen. „Die Kriminalpolizei prüft nun eventuelle Zusammenhänge zwischen den Einbrüchen“, erklärt Lütkemüller dazu. Gleichzeitig würden polizeibekannte Personen überprüft. Zu den jüngsten Einbrüchen hält sich Netto ebenso bedeckt. Da man keine Nachahmer animieren wolle, werde man zu den Sachverhalten keine Angaben machen. Unterdessen sucht die Polizei weiterhin nach Zeugen zu den beiden Taten, diese können sich unter der Telefonnummer 039 04/47 80 melden.

Was aus dem alten Standort an der Lindenpromenade wird, ist weiterhin nicht klar. Zwar gibt es Gerüchte über Neuansiedlungen, offizielle Aussagen dazu aber nicht. Letztendlich bleibt nur zu hoffen, dass den alten Markt nicht das gleiche Schicksal ereilt, wie den ehemaligen Rewe-Markt, der vorher auf dem Gelände Vor dem Hohen Tor stand: Dieser Bau stand 14 Jahre lang leer.