Wanzleben l „Unsere Kinder kommen mit der Hitze besser zurecht als wir“, sagt Marion Liehr, Leiterin der kommunalen Kindertagesstätte „Sarrezwerge“ in Wanzleben. In der größten Kita der Stadt an der Alten Promenade brütet am Mittwoch wie andernorts in der Einheitsgemeinde auch die unerbittliche Hitze. Das Thermometer klettert auf rekordverdächtige 38 Grad.

Um ihren Schützlingen die Hitze erträglich zu machen, haben Marion Liehr und ihre Kollegen bereits am Vormittag im Garten der Kita einen Sprinkler in Gang gesetzt. Ausgelassen toben die Kleinen bei schon 31 Grad Lufttemperatur unter dem kühlenden Wasserstrahl. Die entstandenen Pfützen werden zum Matschen genutzt. Die Pfützen füllen die Kinder zusätzlich mit Wasser, das sie mit kleinen Eimern heran schleppen, ständig auf.

Auf ins Spaßbad

Die Hortkinder und die Kita-Steppkes ab vier Jahren machen sich zudem an jedem Nachmittag ins nahe Spaßbad auf, um sich in den Fluten der Wanzleber Badeanstalt abzukühlen. Für die ganz Kleinen steht eben dem Sprinkler auch ein Wasserbassin im Garten zur Erfrischung bereit. Auch achten die Erzieherinnen genau darauf, dass die Kinder bei der Hitze viel trinken. „Es stehen ständig Getränkespender bereit, an denen sich die Kinder bedienen können“, verdeutlicht Marion Liehr. In den Spendern befindet sich „Pfefferminztee made by Sarrezwerge“. Denn die Pfefferminzpflanzen haben die Kinder auf ihren Hochbeeten selbst gezogen, geerntet und dann daraus unter Anleitung den Tee zubereitet. Zusätzliche Abkühlung von innen finden die Mädchen und Jungen beim Genuss von Eis und Melonen.

Wegen der Wärme gibt es bei den „Sarrezwergen“ kein hitzefrei. Schließlich habe die Kita nach den Worten von Marion Liehr einen Betreuungsauftrag zu erfüllen. Die Eltern wissen ihre Kleinen auch bei der Hitze daher dort in guten Händen. In der Tagesstätte werden 90 Hortkinder sowie 180 Krippen- und Kindergartenkinder betreut.

Verkürzter Unterricht

„Bei uns gibt es schon seit drei Wochen verkürzten Unterricht“, sagt Steffen Armgart, Leiter der Ganztags- und Gemeinschaftsschule Wanzleben. Das heiße, eine Unterrichtsstunde dauerte 30 Minuten statt einer Dreiviertelstunde. Zudem haben am Mittwoch an der Sekundarschule Projekttage begonnen, die den Kindern und Jugendlichen bei der Hitze einige Abwechslung im Schulalltag böten. Einige Klassen sind nach Weimar gereist, um in der Stadt der Dichter und Komponisten ihre Projekte zu absolvieren. Andere Schüler beschäftigen sich mit Sport, Biologie oder dem Thema „Feuer und Wasser“. Kurz vor Mittag sei für die Kinder ohnehin Schluss mit der Schule, sagt Armgart.

Der Schulleiter beschäftigt sich zudem mit dem Umzug seiner mehr als 400 Schützlinge nach den Sommerferien in die Grundschule Klein Wanzleben. Dort nimmt Armgart am Mittwoch die Bauarbeiten in Augenschein, die den Umzug vorbereiten, und die der Landkreis Börde finanziert. Die Sekundarschüler ziehen in die Grundschule des Zuckerdorfes, weil ihre eigene Schule energetisch saniert wird. Die Klein Wanzleber Grundschüler haben ihr Ausweichquartier bereits in der Grundschule „Ernst Sonntag“ in Seehausen gefunden. Nach zwei Jahren, wenn die Bauarbeiten in der Ganztags- und Gemeinschaftsschule Wanzleben beendet sind, ziehen alle wieder zurück. Am Freitagnachmittag kommen die Absolventen der Wanzleber Sekundarschule im Kulturhaus zusammen, um aus den Händen der Lehrer feierlich ihre Abgangszeugnisse in Empfang zu nehmen. Am gleichen Ort kommt die Schule dann am Montag zu ihrer jährlichen Auszeichnungsveranstaltung zusammen, bei der besonders aktive Schüler von der Lehrerschaft geehrt werden.

Auch im Wanzleber Börde-Gymnasium gib es wegen der Hitze einen verkürzten Unterricht für die 740 Schüler. Wie Schulleiterin Dr. Susanne Pichottky sagt, dauern die Unterrichtsblöcke nur noch 60 anstatt der sonst üblichen 90 Minuten. Der Schultag endet für die Gymnasiasten bereits um 12.20 Uhr. Schüler und Eltern würden aktuell über die veränderten Unterrichtszeiten auf der Homepage des Gymnasiums und ihrer App informiert werden, damit sie sich beim Organisieren des Nachhauseweges darauf einstellen können.

Umzug steht bevor

Die Verantwortlichen des Wanzleber Spaßbades reagieren am Mittwoch prompt auf die Hitzewelle und öffnen die Badeanstalt wegen des großen Andrangs der Gäste bereits um 11 Uhr als anstatt sonst üblich um 12.30 Uhr. „Wir verändern die Öffnungszeiten nicht, sondern passen sie und bei Bedarf den Temperaturen an“, verdeutlicht Wanzlebens Bauamtsleiter Olaf Küpper, der in der Stadtverwaltung für die Freibäder zuständig ist.