Wernigerode l „Danke, dass die Kinder nun endlich einen sicheren Schulweg erhalten“, schreibt eine Mutter im Internetnetzwerk Facebook. Lange hatten Eltern, Schüler und Lehrer für eine Ampel an der Halberstädter Chaussee in Wernigerode gekämpft. Ihr Wunsch wurde nun erhört.

Gut ein Drittel der Stadtfeld-Grundschüler wohnt jenseits der vielbefahrenen Landstraße in den Wohngebieten Schleifweg, Burgbreite, Bodengarten und Horstberg. Auf ihrem Schulweg müssen sie die Straße passieren. „Kinder können die Geschwindigkeit herannahender Autos noch nicht einschätzen“, so die Sorge der Eltern, die sich unter anderem mit einer Unterschriftensammlung für eine Ampel an der Kreuzung eingesetzt hatten. Angela Gorr (CDU) nahm sich als Chefin des Kulturausschusses des Problems an und lud mehrfach zu Arbeitstreffen, bei denen sie alle Entscheidungsträger an einen Tisch brachte. Im Wernigeröder Rathaus beschäftigte man sich ebenfalls mit dem Thema. Noch im vergangenen Jahr wurde dem Anliegen eine Absage erteilt. „Eine Ampel steht nicht zur Debatte“, hieß es von der Kreisverwaltung (wir berichteten).

Dann Ende Juni dieses Jahres die gute Nachricht. „Es war schon eine Überraschung, als es auf einmal hieß, wir bekommen die Ampel doch“, sagt Wolfgang Berge, Leiter der Stadtfeld-Grundschule.

Lichtanlage beantragt

Wie kam es zu dem plötzlichen Sinneswandel? Das städtische Schulamt hatte sich mit der Arbeitsgruppe „Sicherer Schulweg“ für die Ampel stark gemacht. Eigentlich sei an dieser Stelle ein Kreisverkehr vorgesehen gewesen, teilt Rathaussprecherin Winnie Zagrodnik auf Nachfrage mit. Die Vorplanungen würden vorliegen, die Umsetzung sei aber mittelfristig noch nicht absehbar, so Zagrodnik. „Aufgrund der Bebauung Schleifweg und Horstberg stieg in den vergangenen Jahren die Zahl der Schüler, die die Straße auf ihren Schulweg kreuzen.“ Deshalb habe die Stadtverwaltung die Ampel beantragt.

Das bestätigt Stefan Hörold, Chef der Landesstraßenbaubehörde, Niederlassung West. Um Unfälle zu vermeiden, habe man sich gemeinsam mit der Stadt, der Polizei und der Kreisverwaltung schließlich für die Ampel entschieden, heißt es aus der Behörde. Die Anlage sei als Bedarfsampel gebaut. „Das heißt, der Fußgänger betätigt einen Schalter, wenn er die Straße queren möchte“, so Hörold. Dann schaltet die Ampel für die Autos auf Rot. Steht kein Passant am Straßenrand, haben die Autos freie Fahrt. Im Zuge des Ampelbaus seien die Anbindung des Schleifwegs verbessert und die Gossen erneuert worden. Die Kosten belaufen sich auf 20 000 Euro. Laut Hörold soll die Ampel am Freitag – also pünktlich vor Ende der Herbstferien – gegen 10 Uhr eingeweiht werden.

2006 hieß es, Kreuzung sei sicher

Vorgeschichte: Bis 2006 hat es an gleicher Stelle eine Ampel gegeben. Nach einem technischen Defekt blieb die Lichtanlage abgeschaltet. Eine Verkehrsmessung hatte ergeben, dass die Kreuzung Halberstädter Chaussee/Minslebener Straße ausreichend sicher sei, hieß es damals vom Kreisstraßenverkehrsamt. Autofahrer wie Fußgänger seien nach dem Ampel-Aus vorsichtiger gewesen. Die Anlage wurde trotz Protests zahlreicher Eltern und Anwohner abgebaut und durch eine Verkehrsinsel ersetzt. Mit traurigem Resultat: Kurz nach Weihnachten 2007 starb ein Fußgänger an eben jener Kreuzung. Der 80-Jährige wollte die Straße überqueren und wurde von einem Auto erfasst. Die 27-jährige Fahrerin hatte den dunkel gekleideten Mann zu spät gesehen.