Wernigerode l Günter Grohs ist zufrieden. „Es ist noch schöner geworden, als ich es mir vorgestellt hatte“, sagte der Wernigeröder Glaskünstler. Am Sonntag sind die drei neuen Chorfenster der Johanniskirche, die Grohs gestaltet hat, offiziell eingeweiht worden. Pfarrerin Heide Liebold begrüßte beim Festgottesdienst zahlreiche Gäste. Diese nutzten im Anschluss die Gelegenheit, die neuen Glasfenster in Augenschein zu nehmen.

Kriegswunde geheilt

Die historischen Kirchenfenster der Johanniskirche waren beim Bombenangriff auf die Wernigeröder Neustadt im Februar 1944 zerstört worden. Mit der Erneuerung des Maßwerks ist auch die Nachkriegsverglasung ausgetauscht worden. „Damit ist eine der letzten Wunden des Krieges in unserer Stadt geheilt“, sagte Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos).

Seit Anfang 2014 hat sich die Johannisgemeinde um die Erneuerung der Kirchenfenster bemüht. „Für uns war es damals ein Traum. Dass er so bald wahr werden würde, haben wir nicht für möglich gehalten“, sagte Helmut Burckhardt, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates von St. Johannis. Günter Grohs hatte bei einem Wettbewerb den Zuschlag erhalten. „Die Gemeinde hat die Gestaltungsfrage richtig und clever gelöst“, bescheinigte Andrea Wenzel, Baureferentin des Kirchenkreises Halberstadt. Von einem „Muster demokratischer Willensbildung in der Gemeinde“ sprach Armin Willingmann, Rektor der Hochschule Harz, der als Vorsitzender der Jury fungiert hat. Das Votum für Günter Grohs, der bereits Fenster für mehr als 180 Kirchen und Klöster gestaltet hat, sei richtig gewesen, so Willingmann. „Die Gemeinde hat sich für einen Meister der Glaskunst in Deutschland und in Sachsen-Anhalt entschieden.“

Dass es so schnell ging, lag vor allem daran, dass die Finanzierung rasch auf sichere Füße gestellt werden konnte. Größere Summen gaben die Gerhard Bürger Stiftung, die Wernigeröder Stadtwerkestiftung, die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt sowie die Ostdeutsche Sparkassenstiftung. Für die Fenster gespendet haben außerdem zahlreiche Gemeindemitglieder, Wernigeröder und Auswärtige, um den Eigenanteil der Gemeinde aufzubringen. Diese hatte zum Beispiel Teile der alten Verglasung gegen Spenden abgegeben.

Während der Bauarbeiten war die Johanniskirche monatelang in Dämmerlicht gehüllt, die Fenster mit Brettern verschlossen. Für den Einbau zeichneten die Glaswerkstätten F. Schneemelcher aus Quedlingburg verantwortlich. Nun fällt durch die neuen Fenster erstmals wieder natürliches Licht in den Kirchenraum. „Ich bin gespannt, wie die Fenster auf Sie wirken“, sagte Heide Liebold in ihrer Predigt.

Begeisterung für Farbe

Bei den Gottesdienstbesuchern stießen die neue Fenster auf eine positive Resonanz. „Das Werk ist gelungen, weil das Ensemble durch die Farbe einen wunderbaren gemeinsamen Goldton bekommt“, urteilt Helga Neumann, Professorin für Kunstgeschichte. Ein Auge für Details bewies Angelika Zädow, Superintendentin des Kirchenkreises Halberstadt. „Besonders schön finde ich, wie sich die Farbgebung in den großen Altarkerzen widerspiegelt“, sagte sie. Angetan zeigte sich auch Ludwig Hoffmann. „Ich bin ein Fan von Günter Grohs“, bekannte der ehemalige Wernigeröder Oberbürgermeister. Sein Nachfolger Peter Gaffert fasste seinen Eindruck so zusammen: „Man hat das Gefühl, als würde der Altar organisch in die Fenster übergehen.“ Das sieht der Künstler selbst ähnlich. „Es ist eine sehr schöne Zwiesprache zwischen dem Altar und den Fenstern entstanden“, sagte Günter Grohs.

Abgeschlossen ist das Werk aber noch nicht. „Der Gesamteindruck wird erst eintreten, wenn die übrigen Fenster an ihrem Platz sind“, gab Heinrich Seiler, Gemeindekirchenrat sowie Jurymitglied, zu bedenken. Dies soll bis Ende August geschehen. Als nächstes werden die Fenster auf der Südseite der Kirche eingebaut, danach folgt die Nordseite, kündigte Günter Grohs an.