Dreharbeiten

Aufregung im hohen Norden um Panzer aus Benneckenstein

In puncto historischer Militärtechnik sind Mario Tänzer und sein Team vom Ostdeutschen Fahrzeug- und Technikmuseum in Benneckenstein vorne dabei. Mehrfach waren ihre Fahrzeuge in Filmen und im Fernsehen zu sehen. Nun sorgten sie hoch im Norden für Aufsehen.

Von Katrin Schröder 16.07.2021, 07:15
Posieren vor der Panzerhaubitze aus Benneckenstein (von links): Steffi Stoecker (Regie), Peter Heinrich Brix (Adsche), Nikola Kastner (Wendy), Sabine Urig (Polizistin Daggy), Sven Walser (Kuno) und Valentin Holch (Produzent Polyphon). Die Dreharbeiten für die NDR-Serie ?Neues aus Büttenwarder? sind am Montag zu Ende gegangen.
Posieren vor der Panzerhaubitze aus Benneckenstein (von links): Steffi Stoecker (Regie), Peter Heinrich Brix (Adsche), Nikola Kastner (Wendy), Sabine Urig (Polizistin Daggy), Sven Walser (Kuno) und Valentin Holch (Produzent Polyphon). Die Dreharbeiten für die NDR-Serie ?Neues aus Büttenwarder? sind am Montag zu Ende gegangen. Foto: NDR/Nicolas Maack

Benneckenstein/Grande - Adsche Tönnsen ist verzweifelt: Der Bauer soll vom Hof vertrieben werden, weil der einem Truppenübungsplatz weichen soll. Hilfe aus der Familie ist nicht zu erwarten, doch die Bürgermeisterwahl steht vor der Tür, was Tönnsen nutzen will. Ob es ihm gelingt, erfahren die Zuschauer der NDR-Serie „Neues aus Büttenwarder“ am Jahresende. Im Weihnachtsprogramm sollen die vier neuen Folgen ausgestrahlt werden, die soeben in Granderheide und Grönwohld gedreht wurden. Daran beteiligt waren unter anderem Mario Tänzer und sein Team vom Ostdeutschen Fahrzeug- und Technikmuseum in Benneckenstein: Ihre Panzerhaubitze vom Typ 2S1 spielt eine Hauptrolle in dem Seriendauerbrenner, der vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) produziert wird.

Anfragen für Einsätze bei Film und Fernsehen landen immer wieder auf dem Tisch von Mario Tänzer – ungefähr alle zwei Monate melde sich jemand, schätzt er. In seinem Fuhrpark befinden sich Fahrzeuge, die mittlerweile rar sind. „Wegen dieser seltenen Objekte haben wir uns einen Namen in der Branche gemacht“, so der Benneckensteiner, der selbst Protagonist der DMAX-Serie „Roter Stahl – der Panzer-Clan“ gewesen ist. Zudem kümmerten er und seine Mitarbeiter sich selbst um den Transport und den Einsatz vor Ort.

Die Corona-Pandemie habe aber auch in diesem Bereich gebremst. In diesem Jahr seien es die ersten Dreharbeiten, sagt Mario Tänzer. Durch Kontakte, die durch die Beteiligung an der RTL-Serie „Alarm für Cobra 11“ entstanden, wurden die Bande in den hohen Norden geknüpft. „In den vergangenen drei Jahren ist das bestimmt die größte Produktion, an der wir mitgewirkt haben“, sagt Mario Tänzer. Auf mindestens sieben Einsätze für Film und Fernsehen hätten seine Fahrzeuge es in dieser Zeit gebracht – unter anderem für das Magazin Stern-TV, für Musikvideos und einen Werbefilm für das Online-Spiel „World of Tanks“. Ein Panzer aus Tänzers Fuhrpark ist gar in dem Hollywood-Actionthriller „Without Remorse“ (deutsch: „Tom Clancys Gnadenlos“) zu sehen.

Falsch abgebogen und Stau verursacht

Für die neuen „Büttenwarder“-Folgen setzte sich Tänzer am Mittwoch vergangener Woche ebenfalls selbst ins Führerhaus, um die Panzerhaubitze über die A7 in den Drehort in Schleswig-Holstein zu bringen. Dort sorgte er mit seiner ungewöhnlichen Ladung für Aufsehen: „An einer Kreuzung bin ich falsch abgebogen“, berichtet Tänzer. Weil er mit seinem großen Gefährt nicht gleich die Kurve kriegte, staute sich kurzzeitig der Verkehr in der Nähe von Grande, einer Gemeinde im Kreis Stormarn.

Das rief die örtliche Tageszeitung auf den Plan: Guido Behsen, Reporterchef beim Stormarner Tageblatt, wohnt selbst in Grande. Seine Nachbarin, die selbst im Stau stand, schoss ein Foto vom Panzer auf der Kreuzung. Behsen schrieb über den für die Anwohner rätselhaften Schwertransport. Ein weiterer Nachbar meldete sich daraufhin: Er habe den Panzer am Set der Fernsehserie gesichtet. Das „Panzer-Rätsel“ war damit gelöst, hieß es.

Mario Tänzer hatte da schon längst mitbekommen, dass seine Ankunft Wellen geschlagen hatte, die bis in die Harzer Heimat zu spüren waren. „Ich war gerade zehn Minuten vor Ort, als mir ein Bekannter ein Foto von der Kreuzung schickte und fragte: Warst Du das?“

Rieseninteresse im Dorf bei Hamburg

Für ihn waren die Dreharbeiten „interessant“. Besonders beeindruckt habe ihn, dass während des Fernsehdrehs mitten im Dorf stets Ruhe herrschen müsse: Dann werde die sonst vielbefahrene Straße einfach gesperrt. „Ich glaube, das wäre bei uns fast nicht möglich“, sagt der Harzer.

Das Interesse beruhte auf Gegenseitigkeit. „Ständig kamen Leute und wollten Fotos und Selfies mit dem Fahrzeug schießen“, so Tänzer. Weil er aber zu Hause im Museum gebraucht wurde, reiste Tänzer am gleichen Tag wieder ab. An seiner Stelle übernahm Mitarbeiter Steffen Thiele für drei Tage die Betreuung vor Ort, inklusive Zwölf-Stunden-Drehtage bis in die Nacht. Dafür wurde er unter anderem mit exklusiven Einblicken und einem Selfie mit Hauptdarsteller Peter Heinrich Brix belohnt.

Das Stormarner Tageblatt rätselte, was der Panzer auf der Kreuzung zu suchen hatte. Mario Tänzer vom Ostdeutschen Fahrzeugmuseum Benneckenstein hat das Fahrzeug zu Dreharbeiten für die Serie "Neues aus Büttenwarder" gebracht.
Das Stormarner Tageblatt rätselte, was der Panzer auf der Kreuzung zu suchen hatte. Mario Tänzer vom Ostdeutschen Fahrzeugmuseum Benneckenstein hat das Fahrzeug zu Dreharbeiten für die Serie "Neues aus Büttenwarder" gebracht.
Screenshot: Stormarner Tageblatt vom 10. Juli
Steffen Thiele lernte Hauptdarsteller Peter Heinrich Brix bei den Dreharbeiten kennen.
Steffen Thiele lernte Hauptdarsteller Peter Heinrich Brix bei den Dreharbeiten kennen.
Foto: Mario Tänzer