Wernigerode l Für die Schierker Kindertagesstätte gibt es vorerst keinen Zuschuss vom Land. Dabei wird er dringend benötigt, um die Sanierung des Kindergartens fortsetzen zu können. Seit 2013 wird gebaut, längst sollten hier wieder Kinder spielen. Doch die Arbeiten sind ins Stocken geraten – weil das Geld alle ist. Gut eine Million Euro war für die umfassende Modernisierung des über 300 Jahre alten Gebäudes eingeplant. Zwei Drittel der Summe stammen aus Fördertöpfen von Land und Bund.

Erst während der Sanierung stellten die Bauleute fest, dass der Kindergarten vom Hausschwamm zerfressen ist, dass das Haus einst ohne Fundament erbaut wurde, dass das Mauerwerk marode ist. Eine weitere Million ist notwendig, um die Sanierung abzuschließen. Laut Verwaltung sei der katastrophale Zustand des Gebäudes und die damit verbundene Kostenexplosion nicht vorherzusehen gewesen – eine Aussage die im vergangenen Sommer für teils heftige Kritik aus den Reihen der Stadträte gesorgt hatte. Um die Mehrkosten aufzufangen, beantragte die Stadt nochmals 660 000 Euro aus dem Fördertopf „Stadtumbau Ost“. Seither warteten die Stadträte und vor allem die Schierker auf Nachrichten aus Magdeburg.

„Der Antrag konnte nicht berücksichtigt werden“, informiert Andreas Tempelhof, Pressereferent des Landesverkehrsministeriums, auf Volksstimme-Nachfrage. Für das Programmjahr 2017 habe die Stadt aber erneut eine Förderung – diesmal über 460 000 Euro – für die Sanierung der Kita „Brockenkinder“ beantragt, so Tempelhof.

Stadträte werden noch informiert

Eine Neuigkeit, die nicht wirklich neu ist. Denn die Stadt hat den zweiten Fördermittel-Antrag bereits am 29. November 2016 eingereicht – jedoch bisher ohne die Stadträte zu informieren. Eine Anfrage der Volksstimme am 21. Dezember wurde von Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) mit „Es gibt noch nichts Neues. Das ist bitter“, beantwortet.

Warum die Geheimniskrämerei? Für 2016 sei Geld für die Feuerstein-Arena, den Abriss des Hotels „Heinrich Heine“ und für die Kita beantragt worden. „Bewilligt wurden Mitte Dezember 2016 jedoch nur die Mittel für die Arena und den Abriss ‚Heinrich Heine‘“, bestätigt Gaffert nun gegenüber der Volksstimme. Die Stadträte wolle er im nächsten Schierke-Ausschuss am 8. Februar darüber informieren. Das sei vorher nicht möglich gewesen, weil „seitdem keine Ausschusssitzung stattfand“, so Gaffert. Der zweite Förderantrag sei Ende November „vorsorglich“ gestellt worden, weil zu dem Zeitpunkt noch keine Entscheidung seitens des Landes vorlag. „Auch dazu werden wir am 8. Februar berichten“, so der Oberbürgermeister.

Entscheidung fällt Ende 2017

Der Antrag werde gegenwärtig von der Bewilligungsbehörde bearbeitet, heißt es von Andreas Tempelhof aus dem Verkehrsministerium. Eine Entscheidung könne erst dann getroffen werden, wenn die Gesamtfördersumme für die Städtebauförderung feststehe. „Erfahrungsgemäß kann damit im vierten Quartal 2017 gerechnet werden.“

Ein Baustopp für 2017 ist ohnehin absehbar. Zwar hatte die Verwaltung 300 000 Euro – Geld, das vom Abriss des Heine-Hotels übrig war – für die Fortsetzung der Arbeiten in diesem Jahr eingeplant. Aber das ist schon wieder hinfällig. Wie in der Januar-Sitzung des Finanzausschusses bekannt wurde, muss die Stadt ihren Investitionsplan auf Aufforderung der Kommunalaufsicht erheblich kürzen. Sämtliche geplanten Bauprojekte stehen auf dem Prüfstand – auch die Sanierung der Kita Schierke. „Der neue Entwurf wird im Finanzausschuss am 9. Februar beraten“, informiert Gaffert. In dem überarbeiteten Papier sind die 300 000 Euro für 2017 nicht mehr enthalten.

Ein Verkauf oder gar der Abriss des Kindergartens stehen indes wohl noch nicht zur Debatte. Vor allem weil das bereits verbaute Fördergeld zweckgebunden ist. Würde das Gebäude nicht mehr für die Betreuung von Kindergartenkindern genutzt werden, müsste die Stadt 660 000 Euro zurück zahlen. „Mit Blick auf die Entwicklung Schierkes ist es wichtig, die Kita zu sanieren“, hatte Gaffert Ende Dezember gegenüber der Volksstimme bekräftigt. „Wenn wir in Zukunft alle alten Gebäude abreißen, geht die Seele des Ortes verloren. Es liegt in unserer Verantwortung, die Kita zu erhalten.“ Deshalb werde sich die Stadt weiter um Fördergeld bemühen. Es gebe jedoch keinen Plan B, falls diese Bemühungen fehl schlagen.

Die Kinder werden seit Anfang 2015 in einem Ausweichquartier im Nachbardorf Elend betreut. Derzeit sind es 19 an der Zahl.