Wernigerode l In Wernigerode wird es 2020 keinen Weihnachtsmarkt geben. Das hat Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) am Montag, 2. November, in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz verkündet. Die Entscheidung sei am Morgen nach einer Beratung mit der Wernigerode Tourismus GmbH (WTG) gefallen.

„Die Absage tut uns allen sehr weh“, so Gaffert. Schließlich habe der Weihnachtsmarkt eine hohe wirtschaftliche und touristischen Bedeutung für die Stadt. „Aber aufgrund des Infektionsgeschehens und der aktuell geltenden Rechtslage sind wir dazu gezwungen. Wir sehen uns nicht in der Lage, den Weihnachtsmarkt verantwortungsvoll durchzuführen.“

Nach Walpurgis, dem Rathausfest und dem Schokoladenfestival fällt mit dem Weihnachtsmarkt nun auch die letzte große Veranstaltung des Jahres coronabedingt ins Wasser. Mit der Absage folgt Wernigerode auf Goslar. Die niedersächsische Nachbarstadt hatte ihren Adventsmarkt bereits in der vergangenen Woche gecancelt.

Risiko mit Touristen zu groß

„Wir haben bis zuletzt gekämpft und versucht, an die Pandiemielage angepasste Konzepte zu finden“, hieß es von WTG-Chef Andreas Meling. Der Weihnachtsmarkt sollte in diesem Jahr erstmals unter Federführung der Tourismus GmbH laufen. Im Februar hatte der Stadtrat dem städtischen Tochterunternehmen die Organisation des Marktes übertragen. Man sei nun aber zu dem Schluss gekommen, dass ein Weihnachtsmarkt mit Hunderttausenden Gästen aktuell nicht zu vertreten sei, so Meling weiter.

Dabei sah es bis vor kurzem noch gut aus für den weihnachtlichen Budenzauber in Wernigerode. Die Verträge an die Händler waren verschickt. Die WTG hatte das geforderte Hygienekonzept in den vergangenen Wochen mit dem Gesundheitsamt abgestimmt.

Um das Infektionsrisiko zu minimieren, sollte der Weihnachtsmarkt deutlich entzerrt werden. Die etwa 60 Buden sollten in größeren Abständen auf die ganze Altstadt verteilt werden. Auf die traditionelle Eröffnung mit OB Gaffert und auf ein Live-Programm wollte man verzichten, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Abstandsmarkierungen, Infopunkte, Hygienestationen mit Desinfektionsmittel und zusätzliche Toiletten waren vorgesehen. Ein extra engagierter Sicherheitsdienst sollte die Einhaltung der Corona-Regeln überwachen.

Lockdown legt Tourismus still

Aber bekanntermaßen sind die Infektionszahlen zuletzt deutlich angestiegen – auch in Wernigerode. Mit dem in der vergangenen Woche deutschlandweit angeordneten Lockdown sei die bunte Stadt touristisch und gastronomisch für mindestens vier Wochen „quasi stillgelegt“, so Meling.

So bitter die Absage für viele Wernigeröder und für die Händler sein mag – die Stadt spart eine Menge Geld. Denn der coronakonforme Budenzauber hätte die WTG 190.000 Euro gekostet. Nur 90.000 Euro wären über die Standgebühren wieder reingekommen, vorausgesetzt alle Händler hätten am Ende auch wirklich ihre Bude aufgestellt. Es hätten also 100.000 Euro gefehlt. Und die sollten aus der Stadtkasse fließen. Wernigerodes Stadtrat sollte am Donnerstag über den Betriebskostenzuschuss für die WTG befinden. Die Abstimmung ist nun – mit der generellen Absage des Weihnachtsmarktes – hinfällig.

Wernigerode werde in der Adventszeit dennoch in weihnachtlichem Glanz erstrahlen, kündigte Andreas Meling an. „Wir werden die Stadt beleuchten – und zwar noch mehr als sonst.“ So sollen mit Unterstützung der Stadtwerke einige Großbäume auf dem Nicolaiplatz und an der Sylvestrikirche illuminiert werden. Auf Initiative der Kaufmannsgilde soll neben der Breiten Straße nun auch die Burgstraße mit Herrnhuter Sternen geschmückt werden. Laut Meling sind trotz Corona der lebendige Adventskalender mit vielen digitalen Angeboten sowie der Krippenweg des Ökomenischen Arbeitskreises geplant. Dazu einige kleinere Aktionen. Diese seien allerdings vom Infektionsgeschehen abhängig. Zudem will sich die Stadt laut OB Gaffert für einige verkaufsoffene Sonntage stark machen. Er habe dazu Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) kontaktiert.