Blankenburg l Vor einem Monat konnte man es sich kaum vorstellen, wie das Leben verändert werden kann, wenn eine Epidemie wie Corona alles bestimmt. Für uns waren bis zum Februar 2020 derartige Massenerkrankungen eigentlich nichts Aufregendes mehr. Wir gingen bisher davon aus, dass es für derartige Krankheiten einen Impfstoff gibt und deshalb die Gefahr bald gebannt sein würde.

Während etwa Pocken und Masern in vergangenen Jahrhunderten gefürchtet waren, sind sie heute in Deutschland durch konsequente Impfungen praktisch ausgerottet. Auch die Grippe lässt sich dadurch seit mehreren Jahren gut im Zaume halten. Wir verfügen heute über ein hohes medizinisches Wissen und technische Möglichkeiten auf allen Gebieten. Unterdessen mussten die Menschen im Mittelalter und der frühen Neuzeit mit wesentlich einfacheren Gegebenheiten auskommen.

Parallelen zu heute

Alte Chroniken berichten seit dem Mittelalter von Epidemien. Interessant ist dabei die Erwähnung, dass im Jahre 1404 in Magdeburg und den angrenzenden Orten eine ansteckende Krankheit auftrat. Sie fing mit Schnupfen an. Später kamen Husten und schließlich hohes Fieber dazu. Die Erkrankten waren nicht in der Lage, den Schleim abzuhusten und erstickten regelrecht. Besonders betroffen waren ältere Menschen. Ein Name wird für diese Krankheit leider nicht erwähnt. Die Parallelen zu Corona sind jedoch verblüffend.

Am meisten findet allerdings die Pest Erwähnung in den alten Schriften. Als im Jahr 1347 diese bis dahin unbekannte Seuche erstmals nach Europa kam, standen dem Kontinent etwa 400 Jahre bevor, wie sie schlimmer kaum sein konnten. Der Klimawandel, die damit verbundenen Dürreperioden, Missernten und die daraus folgenden Kriege um Ernterträge und Vieh gehörten zum normalen Alltag im 14. Jahrhundert. Hinzu kam jetzt eine Epidemie, die bei jedem Auftreten einen großen Teil der Bevölkerung dahinraffte.

Dabei gab es keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern, zwischen Armen und Reichen oder Alten und Jungen. In vielen Gegenden hatte der Sensenmann eine reiche Ernte. War die Seuche überstanden, galt es, das Leben in der Ortschaft neu zu ordnen, denn viele Arbeitskräfte standen plötzlich nicht mehr zur Verfügung. Manchmal waren ganze Berufszweige ausgelöscht. Als in Halberstadt von 1681 bis 1682 die letzte Pestwelle wütete, traf es das medizinische und das Pflegepersonal hart. Auch die Totengräber waren stark dezimiert worden.

Anfangs stand man dieser Seuche praktisch hilflos gegenüber. Zunehmend erkannte man aber Zusammenhänge und konnte klare Verhaltensregeln aufstellen. Die Pestwelle von 1681 kam für Halberstadt und seine Umgebung nicht überraschend. 1679 breitete sich der schwarze Tod von Ungarn über Österreich nach Sachsen aus. 1680 war die Seuche in Dresden angekommen.

Isolation vor 340 Jahren

Für das Fürstentum Halberstadt, was etwa dem Landkreis Harz und Teilen des Börde- und des Salzlandkreises entspricht, wurden erste Vorsichtsmaßnahmen festgelegt. Dabei ist interessant, dass auch Absprachen mit dem benachbarten Herzogtum Braunschweig, zu dem auch Blankenburg gehörte, getroffen wurden.

Den Halberstädter Kaufleuten wurde es untersagt, an der Leipziger Messe teilzunehmen. Feste und überregionale Märkte wurden abgesagt. Schulen wurden geschlossen und Gottesdienste konnten nur sehr eingeschränkt stattfinden. In den Städten wurden die Stadttore geschlossen. Nur ein oder zwei Tore blieben für den Personen- und Warenverkehr geöffnet. Schreiber notierten genau, wer wann die Stadt betreten hatte, um, wenn erforderlich, die Infektionskette verfolgen zu können.

In die Stadt kamen nur die Personen, die einen aktuellen Gesundheitspass vorlegen und genau ihren Aufenthalt während der letzten 40 Tage belegen konnten. Waren, die aus nicht eindeutig seuchenfreien Gebieten kamen, wurden 8 bis 14 Tage „gelüftet“. Soldaten patrouillierten an den Grenzen und auf den Verbindungsstraßen zwischen den Städten des Fürstentums. Man hatte schon bald erkannt, dass die Seuchen sich vorwiegend in den dicht besiedelten Städten ausbreiteten. Allerdings wurden manchmal auch ganze Dörfer entvölkert.