Wernigerode l Die Gerüchteküche in Wernigerode brodelt. Viele Fans, Freunde und Bekannte machen sich Sorgen: Wie geht es Brocken-Benno? Im Internet war kürzlich sogar zu lesen, dass der wohl berühmteste Harz-Wanderer gestorben sei. „Alles Quatsch“, entgegnet der Rekordbesteiger des Brockens.

„Fakt ist, dass vor einigen Wochen im Harzklinikum Wernigerode bei mir Darmkrebs festgestellt und der Tumor sofort entfernt wurde.“ Die Operation sei im Februar erfolgt, erläutert Benno Schmidt, wie der 87-Jährige mit bürgerlichem Namen heißt. Dafür sei er Chefarzt Dr. Uwe Grahmann und Oberarzt Dr. Michael König aus der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie „sehr dankbar“. Ebenso lobt der Wernigeröder die Schwestern der Station A3 des Krankenhauses an der Ilsenburger Straße sowie Dr. Wolfgang März von der Abteilung für Onkologie „für die weitere Betreuung“.

Mit Chemo-Behandlung sei es ihm inzwischen möglich, von zu Hause täglich anderthalb bis zwei Stunden in der näheren Umgebung zu wandern. „Die Strecke über die Silbertanne, Agnesberg und Christianental ist sehr reizvoll. Manchmal drehe ich mit meiner Frau Helga auch eine Runde durch das Zwölfmorgental, über die Harburg und den Armeleuteberg“, berichtet Brocken-Benno über seine neuen Ziele direkt vor der Haustür.

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8888. Aufstieg schon heimlich gemeistert

Für die Touren auf seinen Lieblingsberg sei er allerdings noch nicht fit genug. Gerät damit der für seinen 88. Geburtstag am 22. Mai geplante 8888. Aufstieg zum Brocken in Gefahr? „Nein, den habe ich schon am 11. Januar geschafft, aber bisher geheim gehalten“, sagt Benno. „Das war so nicht geplant, aber das Wetter Ende 2019 und der Winter waren einfach mild und haben zum Wandern eingeladen.“

Die geplante große Harzklub-Tour auf den höchsten Berg Norddeutschlands zu seinem Geburtstag mit vielen Wanderkaisern samt Feier im Goethesaal des Brockenhotels musste wegen der Corona-Krise ohnehin abgesagt werden. „Die Erfahrung von meinen runden Geburtstagen oder Wanderjubiläen wie meinem 6666. Aufstieg hat gezeigt, dass wir mit mehreren Hundert Gästen hätten rechnen müssen“, erläutert Benno Schmidt. Das sei mit den Kontaktbeschränkungen nicht vereinbar. „Schade, aber unvermeidlich“, kommentiert der Wander-Star.

Fest steht für ihn aber: „Nach Wochen und Monaten des Verzichts will ich unbedingt wieder hoch.“ Deshalb werde er sich am 22. Mai nur im Kreis seiner Familie von Schierke aus auf den Weg zum höchsten Harzgipfel machen. „Vielleicht treffe ich noch ein paar meiner besten Weggefährten – aber natürlich unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes.“ Die Geburtstagsfeier wolle der Harz-Botschafter und Träger des Verdienstordens des Landes Sachsen-Anhalt im engsten Freundeskreis nachholen, „sobald das nach der Corona-Krise wieder möglich ist“.

Zum 90. Geburtstag die 9090. Mal auf Brocken?

Dabei hat der „einzige Achttausender im Harz“ schon ein neues Ziel ins Auge gefasst: „Zu meinem 90. Geburtstag in zwei Jahren will ich die 9000. oder 9090. Brockenwanderung schaffen.“ Ihm sei klar, dass er nun etwas kürzer treten müsse und nicht mehr jeden Tag zum Gipfel in 1141 Metern Höhe stiefeln könne. „Aber ich bin Optimist – und deshalb zuversichtlich, dass ich mit der Chemotherapie die schwere Krankheit überwinde und bald wieder fit bin.“

Die erzwungene Freizeit in den eigenen vier Wänden nutze er, um „mal wieder in Brocken-Literatur zu blättern“ – von „Brockengesichter“, erschienen Ende 2019, bis zu seinem eigenen Buch, das er im September 2018 veröffentlichte. Es werde weiter nachgefragt, Bestellungen aus allen Teilen Deutschlands lägen vor. „Ich merke tagtäglich, dass das Interesse weiter da ist. Solange ich die Menschen für unsere wunderschöne Region und das Wandern begeistern kann, will ich weitermachen“, gibt sich Brocken-Benno zuversichtlich.