Baugebiet

Eigenheime statt Pferde-Idylle: Darum sorgen Baupläne für Zündstoff in Silstedt

Ein neues Baugebiet in Silstedt – diese Pläne sorgen nicht nur im Wernigeröder Ortsteil für Diskussionen. Der Ortsbürgermeister will nun die Wogen glätten.

Von Sandra Reulecke
Rücken die ersten Häuslebauer in der Börstedter Straße in Silstedt an, müssen zwei Pferdekoppeln weichen. Wie schnell es dazu kommen kann, entscheidet das Votum des Wernigeröder Stadtrates  in der Sitzung am 15. Juli.
Rücken die ersten Häuslebauer in der Börstedter Straße in Silstedt an, müssen zwei Pferdekoppeln weichen. Wie schnell es dazu kommen kann, entscheidet das Votum des Wernigeröder Stadtrates in der Sitzung am 15. Juli. Foto: Sandra Reulecke

Silstedt - Es besteht Redebedarf. Das ist in den Gesichtern vieler, die sich auf dem Museumshof „Ernst Koch“ in Silstedt versammelt haben, abzulesen. Mit versteinerten Mienen und verschränkten Armen warten sie auf den Beginn des Informationsgesprächs zu den Bauplänen für die Börstedter Straße im Ortsteil. Sie sind Anwohner, Pächter der Kleingärten an der Straße, Bauinteressenten. Und sie haben jede Menge Fragen.

Silstedts Ortsbürgermeister Karl-Heinz Mänz (CDU) hat dazu eingeladen, diese gemeinsam mit Stadtratsmitgliedern sowie Bauplanern zu beantworten und so die Wogen zu glätten. Konkret geht es darum, dass am Ostrand rund 35 Wohngrundstücke für Einfamilien- und Doppelhäuser auf knapp 30 000 Quadratmetern sowie eine neue Verbindungsstraße zur Harzstraße entstehen sollen. Die Stadt Wernigerode will für die Planung das beschleunigte Verfahren anwenden, die Stadtwerke fungieren als Partner bei der Erschließung des Gebiets.

Doch dieses ist umstritten. Auf der einen Seite sind diejenigen, die sich um das Ortsbild, die Gartenanlage und Umweltaspekte sorgen. Auf der anderen Seite stehen die Befürworter des Baugebiets und nicht zuletzt Interessenten, die in Silstedt bauen wollen. 150 Nachfragen seien bereits eingegangen, so Mänz.

Schule und Kita im Dorf ausgebaut

Eine potenzielle Häuslebauerin ist Sophie Post. „Ich komme aus Silstedt. Seit dreieinhalb Jahren wohnen wir wieder hier mit unserem Kind, zur Miete“, berichtet sie. Gern hätte die junge Familie Wohneigentum. Bestrebungen, ein Haus zu sanieren, seien bislang gescheitert. Es bleibe nur, neu zu bauen. „Leider habe ich in dieser Diskussion das Gefühl, dass junge Familien nicht gewollt sind.“

Dem widerspricht Karl-Heinz Mänz vehement. Er erinnert daran, dass Schule und Kindergarten jüngst vergrößert worden, um für Familien Infrastruktur zu schaffen. Deshalb seien die Baupläne im Silstedter Ortschaftsrat auch auf breite Zustimmung gestoßen.

Nicht aber im Bauausschuss des Stadtrates. Dieser hatte ein – knappes – ablehnendes Votum gegeben. Eine Begründung dafür: die Auswirkungen auf die Umwelt. Unter anderem seien zwei Biotope – eine Ligusterhecke und eine Feuchtwiese – von den Plänen betroffen. Für diesen Aspekt gibt Stadtwerke-Mitarbeiter René Francke in der Gesprächsrunde am Mittwochabend Entwarnung. „Wir werden einen Umweltausgleich schaffen und das mehr, als wir müssten.“

Weitere Bedenken an den Bauplänen äußern vor allem die Pächter der Gärten in der Börstedter Straße. Ihre Befürchtung: Die – teilweise ungenutzten – Parzellen müssen für die Eigenheime weichen. „Vor Jahren war das mal eine Idee, aber das ist lange vom Tisch“, betont Ortsbürgermeister Mänz. Zumal das Areal nicht im städtischen Besitz sei, sondern in kirchlichem.

Sorge um Natur und Erscheinungsbild

Doch kaum entrollt Michael Zagrodnik, der als Vertreter der Stadt- und Verkehrsplanung am Treffen teilnimmt, den Bebauungsplan, kommt Protest von Anwesenden. „Da ist schon ein Garten weg“, heißt es mehrfach. Zagrodnik versucht zu beschwichtigen: „Mit der Aufstellung des Bauplans besteht keine Baupflicht, es wird so nur die Möglichkeit eingeräumt, dass hier irgendwann, wenn der Garten nicht mehr genutzt wird, die Möglichkeit besteht, die Fläche zu bebauen.“

Garten-Besitzer Manfred Schönyan wirft einen anderen Aspekt ein, der aus seiner Sicht gegen das Baugebiet spricht: „Es liegt uns am Herzen, dieses Stück Natur nicht kaputtzumachen. Wir müssen es für unsere Kinder und Nachkommen schützen.“ Ähnliches gibt Elmer Kircher zu bedenken. Andere der Anwesenden äußern die Befürchtung, dass sich das Baugebiet negativ auf das Ortsbild ausüben werde. Doch auch hier können die Planer beruhigen. Unter anderem werde es großzügige Grünstreifen und Bauvorschriften geben, die das verhindern sollen.

Dass sich das Ortsbild verändere, sei jedoch nicht von der Hand zu weisen. So müssen für die künftigen Häuslebauer Wiesen und zwei Pferdekoppeln – gern genutztes Ziel für Spaziergänger – weichen. Der Besitzer habe aber bereits einen neuen Standort für seine Tiere gefunden, berichtet Ortsbürgermeister Mänz.

Aus seiner Sicht handele es sich bei vielen Einwänden lediglich um das Resultat aus Missverständnissen und fehlender Kommunikation. Er hoffe, dass dies dank des Informationsabends der Vergangenheit angehören werde und der Stadtrat am Donnerstag, 15. Juli, zugunsten des Billigungs- und Auslegungsbeschlusses für die Baupläne stimmen werde. Kommentar