Derenburg l Fassungslos steht Ingo Fritzsche am Mittwoch in seinem Geschäft „Snail Express“ in Derenburg. Einbrecher sind in der Nacht in die Zoohandlung an der Halberstädter Straße eingedrungen. Die Bilanz des Raubzugs: Aus einem Terrarium stahlen die Unbekannten einen Albino-Python, erbeuteten dazu fünf giftige Hornvipern und 20 junge Vogelspinnen.

„Das müssen Experten gewesen sein, die gezielt nach den begehrtesten Tieren gesucht haben – und sich offenbar im Laden auskannten“, mutmaßt Fritzsche. Laut Polizei hebelten die Täter die Eingangstür gewaltsam auf. Zuvor hatten sie den Bewegungsmelder unschädlich gemacht. Diesen hatte der Ex-Wernigeröder, der seit Dienstag in Derenburg wohnt, erst kurz zuvor repariert.

Denn dessen Stromversorgung sei am Montag bei einem weiteren Einbruchsversuch gekappt worden. „Da wollten die Täter mit einem Gullideckel ein Fenster im hinteren Bereich einschlagen, scheiterten aber am Sicherheitsglas“, berichtet Fritzsche. Danach habe er eine Aufzeichnungsanlage für seinen Laden bestellt. „Die soll aber erst Ende der Woche geliefert werden – leider zu spät.“

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Mehr als 1000 Euro Schaden

Der etwa zwei Jahre alte und gut einen halben Meter lange Python habe sich in einem Terrarium im Verkaufsraum befunden. „Er hat einen Verkaufspreis von rund 400 Euro“, erläutert der Reptilienexperte. Die Giftschlangen lagen in einem abgeschlossenen Raum jeweils einzeln in speziellen Transportkisten in einer Vi- trine. Insgesamt sollen die zwei bis drei Jahre alten Hornvipern – jede misst rund 60 Zentimeter – circa 875 Euro wert sein, teilt ein Sprecher des Polizeireviers Harz mit. Die Beamten haben am Tatort Spuren gesichert und ermitteln wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall.

Was die Täter mit ihrer Beute anstellen wollen, sei ihm schleiferhaft, sagt Fritzsche. „Sie können sie nicht einmal online verkaufen – Ebay, alle Kleinanzeigen-Portale im Internet und Online-Zoogeschäfte haben den Handel mit Giftschlangen und geschützten Tieren eingestellt.“

Hornvipern lauern laut dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig auf Beutetiere wie kleine Vögel, Echsen, Nagetiere und Insekten, die sie mit einem blitzschnellen Angriff überwältigen. „Ihre Zähne beinhalten nämlich ein starkes gewebezerstörendes Gift, das auch für den Menschen gefährlich werden kann“, heißt es auf der Internetseite der Bonner Einrichtung des Leibniz-Instituts für Biodiversität der Tiere.

Vipern verfallen in Winterstarre

Dass die gestohlenen Schlangen im Falle einer Freilassung zum Risiko für Menschen werden könnten, hält der Zoohändler Fritzsche für unwahrscheinlich. „Sie stammen aus Nordafrika, werden bei niedrigen Temperaturen träge und verfallen in Winterstarre.“ Der Python dagegen lebe normalerweise in den Tropen Zentralafrikas und habe bei Frost „keine Überlebenschance“.

Nach dem Verlust der Tiere will Ingo Fritzsche dennoch nicht aufgeben: „Wir werden noch mehr in Sicherheitstechnik investieren.“ Und das, obwohl wegen der Corona-Krise die Umsätze seiner Zoofachhandlung um mehr als 80 Prozent einbrachen. „Doch wir haben weiter geöffnet“, verspricht der Schlangenfreund.

Die Polizei bittet um Hinweise zum Einbruch und zum Verbleibt der Tiere unter Telefon (0 39 41) 67 42 93.