Grube Einheit

Erbe des Harzer Bergbaus wird in Hüttenrode aufpoliert

2014 wurde das Besucherbergwerk Drei Kronen & Ehrt, vormals Grube Einheit, geschlossen. Um die historischen Maschinen kümmert sich nun der Bergverein Hüttenrode.

Von Katrin Schröder
Der Elektrolader, der in der Grube Einheit in Elbingerode eingesetzt wurde, soll ab August restauriert werden. Heute steht er im Montaneum in Hüttenrode.
Der Elektrolader, der in der Grube Einheit in Elbingerode eingesetzt wurde, soll ab August restauriert werden. Heute steht er im Montaneum in Hüttenrode. Foto: Katrin Schröder

Elbingerode/Hüttenrode - Die EL-9 ist Oldtimer und Zukunftsmodell zugleich. „Wir nehmen die Mobilitätswende vorweg“, sagt Andreas Pawel und tätschelt die Grubenlok im Lokschuppen des Hüttenröder Montaneums. Die grün gestrichene Zugmaschine hat einst ihren Dienst in der Grube Einheit in Elbingerode verrichtet und diente nach der Wende als Anschauungsobjekt im Besucherbergwerk Drei Kronen & Ehrt. Nach dessen Schließung hat der Bergverein zu Hüttenrode mit dem Vorsitzenden Pawel zahlreiche Großgeräte übernommen, die die Mitglieder nun laufend restaurieren.

Der gebürtige Blankenburger ist froh, dass er und seine Mitstreiter die Maschinen retten konnten. „Das ist das Erbe von Drei Kronen & Ehrt. Wenn das nicht geschehen wäre, dann wäre das alles im Hochofen gelandet“, sagt Pawel. Als Bergmann war er in vielen Gruben in der DDR unterwegs. „Wie ein bunter Hund bin ich als Sprengmeister überall herumgekommen.“

Später war er der letzte Geschäftsführer des Besucherbergwerks Drei Kronen & Ehrt im Auftrag des Fördervereins. Danach übernahm die Arbeitsförderungsgesellschaft (AFG) Harz das Ruder, 2014 kündigte die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltugsgesellschaft (LMBV) die Pachtverträge und ordnete die Schließung zum 1. November 2015 an. Das hätte man nur durch einen frühzeitigen Kauf der Grube verhindern können, sagt der 59-Jährige rückblickend. „Das war ein Geburtsfehler.“

Die meisten Vorführgeräte aller Harz-Bergwerke

Was blieb, waren die Maschinen, mit deren Hilfe das Erz aus den Harzer Bergen gewonnen wurde. Diese hatten bei den Besuchern großen Eindruck gemacht. „,Drei Kronen & Ehrt’ hat die meisten Vorführgeräte aller Bergwerke im Harz“, hieß es damals in einem Volksstimme-Bericht. „Die Frage war: Was machen wir mit dem Fundus?“ , berichtet Andreas Pawel. Der Bergverein wollte nicht zulassen, dass die Geräte verloren gehen. Daher übernahm er den größten Teil, einiges erhielt das Besucherbergwerk Büchenberg.

Im Montaneum in Hüttenrode, an der früheren Grube Braunesumpf, sind rund 80 Großgeräte zu sehen, 80 Prozent stammen aus der Grube Einheit. Stück für werden sie nun wieder hergestellt. „Jedes Jahr überholen wir zwei bis drei Geräte“, sagt Pawel – aus eigener Kraft, ohne Fördergeld. Die Grubenbahn zum Beispiel sei fahrbereit, erklärt der Berghauptmann. „Beim Tag der offenen Tür freuen sich die Kinder darüber.“ Die Gleisanlage, auf der die Bahn dann fährt, ist selbst gebaut – „auch mit Material von Drei Kronen & Ehrt“, so Pawel. Die Gleise wurden mit Schienenbiegern eigenhändig in Form gebracht.

Neben den Bahnen gibt es zahlreiche Geräte mit unterschiedlichen Funktionen. Löcher bohren, sprengen, Abraum abtransportieren: „Wir sind in der Lage, die gesamte technologische Kette des Bergbaus darzustellen“, sagt Pawel stolz. Die Exponate spiegeln die technische Entwicklung im Bergbau wider: 15 Jahre vor der Schließung sei die Grube Einheit modernisiert worden.

Pumpen als Lebensversicherung für Bergleute

Wichtig für die Sicherheit der Belegschaft war etwa die vier Tonnen schwere Wasserpumpe samt Elektromotor, die im Außengelände des Montaneums zu sehen ist. Sie beförderte Wasser aus der Grube. „Der größte Feind des Bergmanns ist das Wasser. Die Pumpen waren unsere Lebensversicherung“, sagt Pawel. Wasser gab es durch die Nähe der Bode stets zu viel. Gefürchtet waren die Momente, in denen Bergleute auf eine Wasserader trafen. Auch in der Schneeschmelze liefen sie an der Belastungsgrenze.

Neben dem Schachtgebäude von Braunesumpf steht ein Überkopflader neben einem Druckluftbehälter, verbunden sind sie durch einen Schlauch. Die mit einem Druckluftmotor betriebene Maschine erleichterte den Bergleuten ihre Arbeit enorm. „Damit war die schwere Arbeit des Schaufelns passé“, so Andreas Pawel. 48 bis 50 Tonnen Mann-Schicht-Leistung brachten sie. „Das war international ein beachtlicher Wert“, so Pawel. 2022 sollen die Geräte entrostet und neu gestrichen werden.

Instandsetzungspläne für die nächsten Jahre

Vorher soll aber ab August der Elektrolader ULE-2 an die Reihe kommen. Das mit Elektroenergie betriebene Gefährt, Baujahr 1988, war technisch auf der Höhe der Zeit. „Das entsprach damals internationalen Standards“, so Pawel.

Für 2023 steht die Instandsetzung der Hunte- oder Granby-Wagen im Plan. Die seinerzeit hochmodernen Maschinen, die sich noch im Fahren entleeren, wurden 1990 geliefert, als die Grube bereits geschlossen war. „Die waren nie im Einsatz“, so der Bergvereinschef. Die Restaurierung der Geräte ist aufwendig. „Darin steckt jede Menge Herzblut und Sachverstand“, sagt Pawel. Beides tritt im Bergverein in gebündelter Form auf: Viele der rund 40 Mitglieder sind Bergleute, Ingenieure, Schlosser und Tischler. Alle sind begeistert von der Technik und ziehen mit: „Wir sind jeden Tag hier.“

Andreas Pawel vom Bergverein zu Hüttenrode zeigt die Grubenbahn, die aus dem Besucherbergwerk Drei Kronen & Ehrt gerettet wurde.
Andreas Pawel vom Bergverein zu Hüttenrode zeigt die Grubenbahn, die aus dem Besucherbergwerk Drei Kronen & Ehrt gerettet wurde.
Foto: Katrin Schröder