Wernigerode l Für das Wernigeröder Familienzentrum im Stadtfeld müssen neue Räume gesucht werden. Die Eigentümerinnen des Ärztehauses in der Ernst-Pörner-Straße 6 haben ihr Angebot zurückgezogen, das Erdgeschoss an die Stadt und den Internationalen Bund (IB) als Träger zu vermieten. Darüber informierte Annette Klaue in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses. Damit sei ein Ausbau der Räume, in denen eine Begegnungsstätte enstehen sollte und in der Hilfs- und Beratungsangebote gebündelt werden sollen, nicht mehr möglich, erläuterte die stellvertetende Sozialamtsleiterin.

Langwieriger Prozess

„Wir haben fast ein Jahr gebraucht, um einen Beschluss für das Familienzentrum zu fassen“, sagte Sozialdezernent Andreas Heinrich im Ausschuss. Der Stadtrat hatte erst Anfang November für das Zentrum gestimmt. Der Internationale Bund als Träger der Begegnungsstätte sei zudem in Vorleistung gegangen, habe bereits für Fluchtwege aus dem Gebäude und vieles mehr gesorgt. Das Argument der beiden Eigentümerinnen – zwei Ärztinnen, ihr Haus nicht mehr vermieten zu wollen, seien die Öffnungszeiten. „Sie wünschen sich jetzt, dass das Ärztehaus nicht außerhalb der üblichen Zeiten – also nach 18 Uhr oder an Wochenenden – genutzt werden soll. Heinrich vermutet, die beiden Ärztinnen hätten einen neuen Mieter gefunden.

Fremdenfeindlichkeit als Grund?

Da das Familienzentrum unter anderem dazu dienen sollte, ankommenden Flüchtingen die Integration in Wernigerode zu erleichtern, sehen Mitglieder des Sozialausschusses andere Beweggründe für den Rückzieher. „Den Vermietern war das Nutzungskonzept klar, sie wollen sich jetzt herausreden“, sagte der Ausschussvorsitzende Kevin Müller (SPD). Er vermutet, die Flüchtlingsthematik habe den Ausschlag gegeben.

Schnell einen Plan B zu finden, hält Müller für schwierig. „Unsere Partner und die beteiligten Vereine haben sich eng an das Konzept im Ärztehaus gebunden.“ Der Sozialausschuss und der Stadtrat müssten Veränderungen am Konzept in Betracht ziehen.

Als Ausweichmöglichkeit könnte die Begegnungsstätte in unmittelbar nebeneinander liegenden Wohnungen im Stadtfeld untergebracht werden, sagte Annette Klaue. Doch dort ließen sich nicht alle Angebote umsetzen. Wie Sozialdezernent Andreas Heinrich sagte, sei etwa das Jugendhaus Center als Alternative denkbar.

Alternative Mietwohnung

Der Internationale Bund wird nun auf Wohnungssuche in der Stadt gehen. Schon am Donnerstag ist eine erste Besichtigung geplant, sagt IB-Chefin Nicole Schulze. Zwei normale Wohnungen würden für den Zweck ausreichen. Den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit der Ärztehaus-Eigentümerinnen möchte sie nicht teilen. „Die haben einfach einen zweiten Interessenten.“

Auf Volksstimme-Anfrage, auch im Bezug auf den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit, haben die beiden Eigentümerinnen bislang nicht geantwortet.