Minsleben l Wo liegt „Mendevie“? Nicht in der Provençe, sondern im Harzvorland. Das französische Kunstwort steht für „Minsleben“. Ausgedacht haben es sich Musiker, die im Gutspark des Wernigeröder Ortsteils ein Festival organisieren. Am Sonnabend, 10. Juni, sollen dann Bands aus dem Harz und ganz Deutschland auf der Bühne stehen.

Am Anfang stand die Begeisterung für den Veranstaltungsort. „Ich habe mich spontan in den Park verliebt“, sagt Uli Kleemann. Der 40-Jährige ist im vergangenen Jahr nach Minsleben gezogen. Zu seinem runden Geburtstag 2016 wollte der Musiker deshalb mit einem Kumpel gemeinsam ein Fest im Freien feiern. „Die Idee war, ein paar Kollegen in den Park einzuladen“, so Kleemann. Das Vorhaben scheiterte, weil zu kurzfristig angesetzt – doch die Idee blieb. „Wir wollen dieses versteckte Kleinod beleben“, sagt Uli Kleemann.

Mit seinem Bandkollegen David Köstlin, der früher als Gemeindearbeiter den Guts-park betreute, der Quedlinburger Gitarristin Dörthe Krause sowie weiteren Mitstreitern setzt Kleemann den Plan in die Tat um. Neun Musiker aus dem Harz und ganz Deutschland haben einen Verein gegründet, der wie das Festival „Mendevie“ heißt – abgeleitet wird von den französischen Bezeichnungen für Minze – menthe – und Leben – vie, so Kleemann, der den Vorsitz übernommen hat.

Klein, aber fein

Unter dem Motto „Barfuß im Kopf“ wollen die Organisatoren ein kleines, aber feines Musikereignis auf die Beine stellen. „Es wird ein Mix aus Fest und Festival“, sagt David Köstlin. Dazu haben sie eine Reihe Kollegen eingeladen, in Minsleben aufzutreten, die eins gemeinsam haben: Sie fallen nicht durch übertriebene Lautstärke auf. Musikalisch bewegt sich „Mendevie“ im Spektrum von Instrumentalklängen über Singer-Songwriter-Musik und Folk hin zu Indie und Postrock.

Dazu zählen zum Beispiel Felix Meyer und Erik Manouz – das Duo spielt „deutschsprachige Musik mit wunderschönen und tiefen Texten“, so Kleemann. Ferner sind Kultgitarrist Martin C. Herberg, die Band „Strom und Wasser“, deren Feld nach Selbstauskunft „Ska-Punk-Polka-Randfiguren-Walzer-Rock mit stark kabarettistischer Schlagseite“ ist und die experimentelle Jazzrockformation Kliet Zänkert Group. „Madame Pathos“, die Band, in der Kleemann und Köstlin spielen, sowie „OAK“, die Post-Blues-Rock-Combo von Dörthe Krause, treten ebenfalls auf – aber nur am Anfang und mit verkürztem Set. „Wir werden auf dem Platz sicher gebraucht“, sagt Uli Kleemann.

Das organisatorische Grundgerüst steht. Der Denkmalschutz hat grünes Licht für die Veranstaltung gegeben. Es gibt eine Bühne, die die Vereinsmitglieder und ihre Helfer selbst aufbauen, sowie genügend Platz, um sich auch mal vom Trubel zurückzuziehen. Gäste von außerhalb können auf einem Feld nebenan ihre Zelte aufschlagen.

Die Stadtverwaltung unterstützt die Veranstaltung, ebenso Freunde, Bekannte und Sponsoren. Von letzteren könnten die Organisatoren noch einige mehr gebrauchen – zumal der Eintritt frei bleiben soll. Einen Teil der Kosten will das „Mendevie“-Team zwar durch Spendensammlungen vor Ort auf dem Festivalgelände wieder einspielen. Ebenso ist geplant, mit selbst gestalteten T-Shirts und anderen Merchandisingprodukten etwas zu verdienen. „Doch es wird finanziell sehr eng und schwer zu kalkulieren“, so Uli Kleemann. Über Geld und Sachspenden freuen sich die Musiker deshalb jederzeit – zum Beispiel, um Plakate, Flugblätter, aber auch einen Toilettenwagen und eventuell einen Shuttlebus vom Wernigeröder Bahnhof zu bezahlen.

Erwachsen und entspannt

Sorgen wegen möglicher Schäden im Gutspark haben die Veranstalter nicht. „Wir erwarten ein erwachsenes und entspanntes Publikum“, so David Köstlin. Zudem sollen am Eingang Schilder informieren, dass das Gelände unter Denkmalschutz steht. Die Fortsetzung ist übrigens beschlossene Sache und soll am 8. September 2018 über die Bühne gehen. „Das ist zufällig mein Geburtstag“, sagt Uli Kleemann – ebenso zufällig, wie der 10. Juni David Köstlins Geburtstag ist.

 

Informationen im Internet: www.mendevie.bplaced.net