Wernigerode l „Solange unser Haus so aussieht, können wir nicht damit abschließen“, sagt Dana Ben Fredj. Sie und ihr Mann Mongi haben beim Großbrand in der Grünen Straße in Wernigerode fast alles verloren – ihr Restaurant, ihre Wohnung, ihr Hab und Gut. „Das Schlimmste ist das Warten – wir können nichts unternehmen, bis wir die Abrissgenehmigung haben“, berichtet der 36-Jährige. Das Paar, das vor einem Jahr wegen des Restaurants aus Frankfurt an der Oder in den Harz zog, wünsche sich nur eines: „Schnell wieder eröffnen, um die schreckliche Nacht vor vier Wochen verarbeiten zu können.“

Die gute Nachricht für Familie Ben Fredj: Die Genehmigung für den Abriss des denkmalgeschützten Hauses ist bereits mit der Post unterwegs, teilt Katarina Wendland mit. Bei „solch tragischen Schicksalsschlägen werden Bearbeitungszeiten auf das rechtlich mögliche Minimum reduziert“, informiert die Dezernentin für Ordnungsverwaltung des Harzkreises weiter.

Dieses Tempo sei dringend nötig, mahnt Dana Ben Fredj. „Im Haus stinkt es bestialisch nach Rauch, bei Wind fallen Ziegel vom Dach.“ Sie und ihr Mann wollen endlich mit dem Aufräumen in der komplett zerstörten Restaurant-Küche und ihrer alten Wohnung beginnen. Die 38-Jährige hofft, dass ihre Familie die Gaststätte noch in diesem Jahr wieder eröffnen kann. „Wir hatten uns gut eingelebt, das Geschäft lief prima.“ Es gebe bereits Anfragen für Reservierungen nach dem Wiederaufbau.

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Neun Hotel-Zimmer unbewohnbar

Darauf setzt auch Uwe Fischer, der als Inhaber des Parkhotels die Räume an die deutsch-tunesischen Gastronomen verpachtet. „Nach dem Brand fehlen uns neun von 21 Zimmern, wir können gerade so überleben“, sagt der Hotelier.

Der 70-Jährige ist wie die Familie beeindruckt von der Welle der Hilfsbereitschaft, die seine Schützlinge nach der Katastrophe erfahren: „Familie Linke hat unsere beiden Söhne direkt nach dem Brand je zwei Paar Schuhe aussuchen lassen, uns Deo und Kleidung geschenkt“, berichtet Dana Ben Fredj. Die Familien Gläser und Lange, Stammgäste im Restaurant, hätten sofort mit Geld geholfen, ebenso die Nachbarin Evelin Wienecke.

Inzwischen haben die Ben Fredjs eine Übergangswohnung gefunden – auch dank Hilfe der Stadtverwaltung. Deren Sprecher Tobias Kascha kündigt weitere Unterstützung an: Die Kindertagesstätte Benjamin Blümchen hat für die Brandopfer einen Kuchenbasar veranstaltet. Das eingenommene Geld werde bald überreicht. Auch in der Diesterweg-Grundschule spendeten Lehrer, Schüler und Eltern.

Feuerwehr rettet Portemonnaie

Noch seien die Erinnerungen an die Brandnacht frisch: „Die Gäste standen mit uns in Unterwäsche bei minus 11 Grad auf dem Hof“, sagt Dana Ben Fredj. Die Feuerwehrleute um Einsatzleiter Torsten Breiting und das Technische Hilfswerk hätten aus dem verrauchten Gebäude Haustiere, ihr Portemonnaie und ihre Brille gerettet. Ralf Schult von der Stadt besorgte in der Kinderklinik Medikamente für den Sohn.

Nur für die Katze, die die Familie alarmierte, kam jede Hilfe zu spät. „Nun kriegen wir einen neuen Kater geschenkt“, sagt die 36-jährige Mutter von zwei Kindern. Sie dankt den Notfallseelsorgern Thorsten Wiesner und Bettina Gomes. „Sie waren die ganze Zeit für uns da.“