Elbingerode l Heinrich Schneider hat keinen Platz mehr. Der Grund: Der Elbingeröder, den alle nur Heinz nennen, pflegt ein ungewöhnliches Hobby. Er baut Modelle von Gruben und Bergwerksgerät. In seiner Garage und seinem Keller stehen fein aufgereiht die Grubenwagen aller Bauarten, die Hunte genannt werden, mit der batterieangetrieben E-Lokomotive auf einem Sims an der Kellerwand. Bergleute ziehen im feinen Bergmannshabit auf, Grubenlampen aller Art leuchten, weitere Bergbaumaschinen erweitern die Modellsammlung.

Im Gemeinschaftskeller seines Hauses steht eine Vitrine, in der er seine Sammlung von nachgebauten Bergwerksgeräten, Ausrüstungen und untertägigem Inventar zeigt. Selbst die Schienennägel fehlen nicht. Alles hat Schneider in langwieriger Kleinarbeit gestaltet, meist im Maßstab 1:50. Einfallsreich musste er bei der Materialbeschaffung sein. Profilierte Gardinenleisten dienten als Schienen für die Grubenbahn und handelsüblicher Montageschaum zur Gestaltung der unterirdischen felsigen Grubengebäude. Alle Holz- und Blecharbeiten hat er selbst ausgeführt und manche lebensnahe Szene aus dem Arbeitsleben nachempfunden. Zum Beispiel steht ein Bergmann vor einem Hunt, dem ein Rad abgelaufen ist, raucht ein Pfeifchen und wartet auf den Reparaturschlosser.

Berufsleben unter Tage

Zu dieser Berufsgruppe zählte Heinz Schneider einst selbst. 1945 war er im Alter von vier Jahren aus dem Sudetenland nach Elbingerode gekommen und hatte hier seine Heimat gefunden. Nach der Maschinenschlosserlehre im ehemaligen Blankenburger Reichsbahn-Ausbesserungswerk fing er 1961 in der Grube Einheit an. Zuerst war er in der Reparaturwerkstatt beschäftigt, dann als Untertage-Schlosser für Reparaturen an Wagen, Bohrwagen und Lader zuständig. Bis zur Rente war er dort tätig und kennt sich daher bestens in der Arbeitswelt der Bergleute aus. In seiner Freizeit war er aktives Mitglied der Elbingeröder Feuerwehr.

Bilder

In der Garage steht sein größtes Modell: Die Nachbildung eines Schrappers in einem Abbau. Dafür benutzte er Bauschaum, in den er, damit der Abbau schön felsig ausschaut, Schottersteine gedrückt hat. Dann wurde alles farbig gestaltet. Die Antriebstechnik, die Seile und der Schrapperkasten selbst sind detailgetreu nachgebildet. Der Clou ist eine eingebaute Frühstücksbude, in denen zwei Kumpel Mittagschlaf halten. Für den Figurenbau nahm er sich erzgebirgische Holzfiguren zum Vorbild.

Derzeit hat Schneider sein Hobby notgedrungen auf Eis gelegt. „Ich habe kaum noch Möglichkeiten, meine Modelle aufzustellen“, sagt er. Öffentlich ausgestellt hat er sie bisher nur für die früheren Kumpel bei einer untertägigen Barbarafeier im nunmehr geschlossenen Besucherbergwerk „Drei Kronen und Ehrt“. Im Gespräch ist eine Sonderschau beim Tag der offenen Tür der Elbingeröder Heimatstube.