Wernigerode l Das heiße Wetter hat den Landwirten bekanntlich die Laune verdorben. Dafür sorgten hohe Ernteverluste. Dagegen haben der Imkerverein Wernigerode und seinen 100 Mitglieder keinen Grund zur Klage.

„Es ist zu heiß und zu trocken. Doch Bienen haben dagegen Strategien entwickelt. Außerdem gibt es für sie in Wernigerode viele Teiche. Sie holen sich ihr Wasser sogar aus Springbrunnen und Swimmingpools“, berichtet Hobbyimker Jörg Richter. Er ist seit rund fünf Jahren Mitglied im Verein, seit zwei Jahren Züchter sowie für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Richter räumt jedoch ein, dass Bienen auf dem Land nicht so gute Möglichkeiten hätten, um an Wasser zu gelangen. Doch es könnte auch für ihre Artgenossen in der Stadt schlecht aussehen, wenn Hitze und Trockenheit weitere vier Wochen andauerten.

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Klimaanlage im Bienenstock

„Aber diese Insekten zehren an allen Reserven. Zum Beispiel nutzen sie in der Frühe den Morgentau. Und wenn es zu heiß ist, wird ein Luftstrom zur Abkühlung gebildet.“ Hierzu fächern diese Insekten in ihrer Behausung mit den Flügel, was eine Abkühlung bewirkt. „Das ist einfach phänomenal. Man kann das mit einer Klimaanlage vergleichen“, so der Fachmann.

Wie Richter erläutert, ist die Natur ihem gewöhnlichen Zyklus dank der Wärme drei Wochen voraus. „Deshalb wird auch drei Wochen früher als sonst der Honig geerntet.“ Lecker seien unter anderem Robinien- sowie Sommerblütenhonig oder im Spätsommer der Lindenhonig.

„Der Blütennektar hat einen Wassergehalt von 80 Prozent. Um die Haltbarkeit des Honigs zu garantieren, muss dieser stets bei unter 20 Prozent liegen“, sagt Jörg Richter. Dafür sorgten die Insekten unter anderem durch Verarbeitung und Umlagerung in ihrem Bienenstock.

180.000 Bienen im Bürgerpark

Die Imkerei Richter hat ihre Bienen im Wernigeröder Bürgerpark untergebracht. „Wir fördern hier die Bestäubung und tun etwas für den biologischen Kreislauf.“ Insgesamt besitzt die Imkerei zehn Völker. Zu einem Volk gehören rund 60.000 Bienen, die eine Königin umsorgen. Im Durchschnitt produziert in Deutschland ein Volk etwa 30 Kilogramm Honig pro Ernte – die noch in diesem Monat geerntet werden sollen.

Im August gibt es eine Behandlung gegen Milben. „Hierbei werden organische Säuren eingesetzt, die verdunsten, aber Milben abtöten.“ Das sei eine Lebensversicherung für die Bienen, weil sie dann keine Parasiten mehr hätten. Diese Milben kamen 1980 aus Asien nach Deutschland.

„Mein Urgroßvater hatte schon eine Imkerei. Außerdem kann ich mit meinem Hobby etwas für die hiesige Natur tun“, sagt Jörg Richter. Er ist im öffentlichen Dienst tätig. Das Hobby sei ein Ausgleich zu seiner Büroarbeit. „Und ich habe durch die Imkerei meinen Heuschnupfen verloren. Durch den eigenen Honig ist die Pollenallergie weg.“

Der Imkerverein Wernigerode feiert übrigens 2019 sein 100-jähriges Bestehen. Die Vorbereitungen für dieses stolze Jubiläum laufen bereits. Beispielsweise finden im Juli 2019 im Kloster Drübeck Fachreferate für Experten und Naturvorträge für jedermann statt. Dann steht auch eine „Imkerei zum Anfassen“ mit einer Honigschleuder zur Verfügung.