Wernigerode l Macht die Natur euch Untertan: Der in tiefsten realsozialistischen Zeiten propagierte Slogan, ist nicht erst seit gestern passé. Angesichts zahlreicher Hochwasser in der jüngsten Vergangenheit sind sich Fachleute längst darin einig, dass Bäche und Flüsse Raum benötigen, um sich bei Hochwasser außerhalb von Ortschaften ausbreiten zu können. Innerorts sind es vor allem Engstellen, die beseitigt werden müssen, um die Fluten möglichst rasch und ohne Schaden abfließen zu lassen - so auch in Wernigerode.

Die Holtemme-Brücke im Verlauf der Wernigeröder Kruskastraße hat sich beim jüngsten Hochwasser im Sommer 2017 als Nadelöhr erwiesen. Um es zu weiten, gibt es aus Sicht von Bauplanern nur einen Weg: Die Brücke muss weg, weil sie viel zu tief liegt. Der Ersatzbau soll aus baulichen Gründen ein Kompromiss sein. Statt einer Straßenbrücke ist ein kombinierter Übergang für Passanten und Radfahrer geplant. Nur so, erklärt Christian Hoffmann, Bauleiter im städtischen Tiefbauamt, lasse sich die notwendige Querschnittsaufweitung für die Holtemme erreichen.

Tiefbauamt will 2019 planen

Die Verantwortlichen im Tiefbauamt machen bei der Realisierung Dampf. Nach Hoffmanns Worten haben sie für 2019 die notwendigen Kosten für die Planungen des Ersatzbaus im Haushalt angemeldet. Das Ziel ist klar: In spätestens einem Jahr soll feststehen, wie die neue Querung zwischen Kruskastraße und der Straße Am Auerhahn im Detail aussehen soll. „Wenn wir diesen Plan halten, könnten wir im Jahr 2020 mit der Realisierung beginnen“, skizziert Hoffmann den angestrebten Zeitplan.

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Wenn die angemeldeten Planungskosten im Etat 2019 bleiben. Aktuell müssen die Verantwortlichen im Rathaus auf Druck der CDU-Fraktion rund 2,8 Millionen Euro einsparen. „Wir sehen bei uns kein Sparpotenzial“, erinnert Tiefbauer Hoffmann. Das aber dürfte – mit Blick auf den tanzenden Rotstift – nur ein Wunsch sein.

Hochwasser im Harz

Wernigerode (ru) l Land unter in Wernigerode und Umgebung. Der Dauerregen hat die Harzbäche Holtemme und Ilse in reißende Flüsse verwandelt. Sie sind über die Ufer getreten.

  • Die Holtemme führt Hochwasser, hier an der Hochschule Harz in Wernigerode. Foto: Regina Urbat

    Die Holtemme führt Hochwasser, hier an der Hochschule Harz in Wernigerode. Foto: Regina Urbat

  • Die Steinerne Renne ist über die Ufer gelaufen, Land unter auf der Bielsteinchaussee bei Wernigerode. Foto: Regina Urbat

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  • Land unter auf der Bielsteinchaussee, an Anwohner zieht eine Furche. Foto: Regina Urbat

    Land unter auf der Bielsteinchaussee, an Anwohner zieht eine Furche. Foto: Regina Urbat

  • Die Steinerne Renne ist randvoll, die Bahnbrücke der HSB an der Bielsteinchaussee droht überspült zu werden. Foto: Regina Urbat

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  • Der Durchlass im Triangel an der Zufahrt zum Hasseröder Burghotel schafft die Wassermassen nicht, der Sturzbach läuft über. Foto: Regina Urbat

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  • Frauen und Männer der Langelner Feuerwehr ziehen in Veckenstedt die Reste eine zerstörten Behelfsbrücke aus den Fluten. Foto: Michael Lumme

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  • Land unter im Camp auf dem Reiterhof an der Grovesmühle in Veckenstedt. Die Kinder wurden in Sicherheit gebracht. Foto: Jörg Niemann

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  • Hochwasser in der Kruskastraße in Wernigerode. Anwohner helfen beim Stapeln der Sandsäcke. Foto: Uta Müller

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  • Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Mitarbeiter des Bauhofs Wernigerode und Anwohner informieren sich über die Lage. Foto: Uta Müller

    Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Mitarbeiter des Bauhofs Wernigerode und Anwohner inf...

  • Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Das Wasser der Holtemme sprudelt unter der Brücke hervor. Foto: Uta Müller

    Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Das Wasser der Holtemme sprudelt unter der Brüc...

  • Die Holtemme kurz vor dem Übertreten des Ufers im Stadtfelde in Wernigerode. Foto: Ivonne Sielaff

    Die Holtemme kurz vor dem Übertreten des Ufers im Stadtfelde in Wernigerode. Foto: Ivonne Si...

  • Unterhaltungsverband Holtemme an der Schwachstelle im Einsatz: Sturzbach in Oberhasserode. Foto: Ulrich Eichler

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  • Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

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  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für mehr Zulauf, Unbilden für Urlauber, aber bis 13 Uhr zu keinerlei  Problemen. Foto: Burkhard Falkner

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  • Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für mehr Zulauf, Unbilden für Urlauber, aber bis 13 Uhr zu keinerlei  Problemen. Foto: Burkhard Falkner

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  • Die Bundeswehr fliegt am Donnerstag in Silstedt Bigbags an den aufgeweichten Holtemme-Deich. Foto: Matthias Bein

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  • Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

    Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

  • Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

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  • Anwohner stehen  in der historischen Altstadt von Wernigerode vor einer Sandsackmauer. Foto: Matthias Bein

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  • Schaulustige  in der Altstadt von Wernigerode und warten vor einem aufgeschütteten Erdwall auf das Hochwasser. Foto: Matthias Bein

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  • Die Situation am Zillierbach in Wernigerode, hier an der Promade, ist immer noch angespannt. Foto: Regina Urbat

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  • Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel klafft ein riesiges Loch. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel...

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  • Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode  ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

  • Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode  ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

  • Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

    Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

  • Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

    Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

  • Kristenbesprechung in Silstedt, mit dabei Kameraden aus Bitterfeld. Foto: Tim Bruns

    Kristenbesprechung in Silstedt, mit dabei Kameraden aus Bitterfeld. Foto: Tim Bruns

  • Kameraden der Blankenburger Feuerwehr beim zweiten Einsatz im Haus Am Stadtpark. Foto: Jens Müller

    Kameraden der Blankenburger Feuerwehr beim zweiten Einsatz im Haus Am Stadtpark. Foto: Jens M...

  • Aufräumen in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Aufräumen in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Schneller zum Einsatzort gings in der Radladerschaufel. Foto: Jens Müller

    Schneller zum Einsatzort gings in der Radladerschaufel. Foto: Jens Müller

  • Foto: Jens Müller

    Foto: Jens Müller

  • Mit einem Wall aus Sandsäcken wurde der Forellenteich durch die Marienhöfer Straße in die Ilse abgeleitet. Foto: Denis Loeffke

    Mit einem Wall aus Sandsäcken wurde der Forellenteich durch die Marienhöfer Straße...

  • Nach dem Hochwasser in Wernigerode:  An der Holtemme im Bereich Insel in Hasserode. Foto: Regina Urbat

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  • Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

    Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

  • Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

    Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

  • Sandsäcke bestimmen im Harz das Straßenbild. Foto: Matthias Bein

    Sandsäcke bestimmen im Harz das Straßenbild. Foto: Matthias Bein

Bleibt es bei den Planungen, wird in der Kruskastraße ein klassischer Kompromiss Formen annehmen. Da die Brücke den Hochwasserpegel einer rechnerisch alle 100 Jahre erwarteten Flut schadlos passieren lassen soll (HQ 100), muss sie deutlich angehoben werden. Um welchen Wert genau, vermag Hoffmann wegen der fehlenden Planungen jetzt noch nicht zu sagen.

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Neue Brücke 1,60 Meter höher

Christoph Ertl, zuständiger Flussbereichsleiter im Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW), geht davon aus, dass die Unterkante der neuen Brücke rund 1,60 Meter höher als die bisherige liegen muss. „Wir brauchen den Durchflussraum für ein HQ-100-Hochwasser und zusätzlich einen Freibord, um Treibgut passieren zu lassen“, erklärt der Fachmann. Jenen Freibord setzen Fachleute bei rund 50 Zentimetern an, damit Treibgut nicht sofort an den Brückenkörper anschlägt.

Im Sommer 2017 stand der Scheitel-Pegel der Holtemme bereits oberhalb von besagter Brücken-Unterkante. Und: Bis heute ist nach Ertls Worten nicht klar, um was für ein Hochwasser es sich damals gehandelt hat. „In Mahndorf bei Halberstadt wurde es als HQ-100, also als 100-jährliches Hochwasser, eingeschätzt. Das könnte man in etwa auf Wernigerode übertragen“, so der LHW-Flussbereichsleiter.

„Würden wir unter dieser Maßgabe eine Straßenbrücke bauen, bräuchten wir eine sehr lange Rampe, um den Verkehr hinauf und darüber zu führen“, erklärt Tiefbau-Experte Hoffmann. Das würde letztlich dazu führen, dass den Anwohnern in beiden Straßen besagte Rampe direkt vor ihre Häuser gesetzt würde. „Und das wird niemand ernsthaft wollen.“ Außerdem ist das Wohngebiet mit Kruska-, Goethe- und Kesselmühlenstraße über die Ilsenburger Straße (B 244) und die Friedrichstraße direkt erreichbar.