Wernigerode l „Sie sind noch da, die kleinen Gangster.“ Wie Bianka Lau auf der Facebook-Seite der Volksstimme kommentiert, halten Waschbären weiterhin viele Wernigeröder auf Trab. Bei ihr klauen die pelzigen Räuber „gern Schuhe“. Auch andere Leser haben ihre Probleme mit den eingewanderten Plagegeistern: „Laufend habe ich Löcher im Dach“, berichtet etwa Bernd Grimm. Andere lassen sich dagegen von den Kulleraugen und dem flauschigem Fell der marderartigen Tiere betören. „Auch wenn sie eingeschleppt wurden und hier als Schädlinge gelten, finde ich sie putzig“, schreibt Nadine Knape. „Leider hab‘ ich sie nur überfahren am Straßenrand gesehen.“

Wie fest die Waschbären in Wernigerode Fuß gefasst haben, zeigt ein Blick auf die Zahl der erlegten Tiere im Stadtwald: Binnen 16 Jahren hat sich die Strecke mehr als versechsfacht (siehe Grafik). Um den Bestand der Räuber mit der Zorro-Maske – seit 2016 auf der Liste der invasiven Arten in der Europäischen Union – einzudämmen, setzen Jäger vor allem auf den Fang mit Lebendfallen.

Stadt-Waschbären anpassungsfähiger

Wie gewitzt und hartnäckig die Kleinbären sind, beschreibt Tine Letz auf Facebook: „Ein Kumpel hat einen eingefangen und im Wald ausgesetzt. Eine Woche später war er zurück.“ Tatsächlich belegen Studien, dass Waschbären, die in der Stadt leben, noch intelligenter und anpassungsfähiger sind als ihre Artgenossenin der Feldflur, bestätigt Frank Lüddecke. Wie der Chef der Jägerschaft Wernigerode erläutert, finden die Überlebenskünstler immer neue Tricks, um in Gärten und Mülltonnen Nahrung zu ergaunern.

Bilder

Auf ihrem Siegeszug im Harz, an dem der Mensch nicht ganz unschuldig ist, sind die Waschbären kaum aufzuhalten. Aus ein paar Tieren, die in den 1920er Jahren in Pelztierfarmen angesiedelt wurden und von dort entwischten, hat sich inzwischen eine flächendeckende Population entwickelt. Mangels natürlicher Feinde und dank eines großen Nahrungsangebotes konnten sich die Tiere nahezu ungehindert ausbreiten.