Berechnung CO2-Emmission

Als Berechnungsgrundlage für den CO2-Ausstoß geht die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen von folgendem aus:

Bei Mittel- und Fernflüge über 400 Kilometer 0,369 Kilogramm CO2 pro Kilometer und Flugreisenden,

Bei Bahnreisen 0,041 Kilogramm CO2 pro Kilometer und Bahnreisendem.

Wernigerode l Sie kommen aus Hongkong, aus Bolivien, Malaysia – und aus vielen anderen Regionen rund um den Erdenball – die Teilnehmer des Johannes-Brahms-Chorfestivals. Allein auf der Hinreise nach Wernigerode haben die Teilnehmer von 2019 mehr als zwölf Millionen Flugkilometer zurückgelegt. Dazu kommen mehr als 100.000 Bahn-kilometer. Das entspreche rechnerisch einem Kohlendioxid-Ausstoß von 4671 Tonnen. Zum Vergleich: Die durchschnittliche CO2-Bilanz eines Deutschen liegt bei acht Tonnen im Jahr.

Diese Rechnung hat Sabine Wetzel (Bündnis 90/ Die Grünen) in der Dezember-Sitzung des Stadtrats aufgemacht. Die Klimaschädlichkeit des Festivals sei sehr hoch. Diese Belastung müsse kompensiert werden, fordert die bündnisgrüne Fraktionschefin. „Die Folgekosten für die nachfolgenden Generationen dürfen nicht einfach weiter vererbt werden.“

Deshalb soll Wernigerode CO2-Kompensationszahlungen nachweisen. Die Stadt soll eine „ehrliche“ Kostenaufstellung akzeptieren und dafür sorgen, dass gezahlt wird, so Wetzel. Schließlich schmücke sich die Stadt mit einem Nachhaltigkeitspreis. „Als Ausrichter sollten wir längst damit befasst sein.“ Gerettet werden könne das Weltklima damit nicht. „Aber wir können einen kleinen Beitrag leisten.“

Chorparade auf dem Marktplatz

Wernigerode (um) I Mit einer Chorparade, die auf dem Wernigeröder Marktplatz endete, ist das elfte Internationale Johannes-Brahms-Chorfetival gestartet. Auf dem überfüllten Marktplatz sammelten sich alle Chöre in ihren vielseitigen bunten. 45 Chöre aus 17 Ländern bevölkern derzeit die Bühnen in Wernigerode und Umgebung.

  • Der Pqwasan na Taoshan Chor aus HsinChu in Chinese Taipei bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Der Pqwasan na Taoshan Chor aus HsinChu in Chinese Taipei bei der Chorparade auf dem Marktplatz i...

  • Die Chorteilnehmer aus Schweden singen bei der Ankunft der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Die Chorteilnehmer aus Schweden singen bei der Ankunft der Chorparade auf dem Marktplatz in Werni...

  • Die Teilnehmer aus Lettland bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Die Teilnehmer aus Lettland bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta M...

  • Eröffnungsveranstaltung des 11. Interationalen Johannes-Brahms-Chorfestivals und Wettbewerb in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Eröffnungsveranstaltung des 11. Interationalen Johannes-Brahms-Chorfestivals und Wettbewerb ...

  • Das Vokalensemble Harmonya aus Kfa Saba in Israel bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Das Vokalensemble Harmonya aus Kfa Saba in Israel bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernig...

  • Die Wettbewerbsjury setzt sich in diesem Jahr aus fünf Experten aus fünf Nationen zusammen, unter ihnen der Chorleiter und Komponist André van der Merwe aus Südafrika (links), die in San Sebastian geborene Sängerin Eva Ugalde Álvarez (rechts), Romans Vanags aus Lettland (2.v.l.) und Sabine Haenebalcke aus Belgien (3.v.l.). Foto: Uta Müller

    Die Wettbewerbsjury setzt sich in diesem Jahr aus fünf Experten aus fünf Nationen zusam...

  • Die Teilnehmer aus Finnland bei der Chorparade auf dem Marktplatz in wernigerode. Foto: Uta Müller

    Die Teilnehmer aus Finnland bei der Chorparade auf dem Marktplatz in wernigerode. Foto: Uta M...

  • Die Chorteilnehmer bei der Eröffnungsveranstaltung desc11. Interationalen Johannes-Brahms-Chorfestivals bei der Chorparade auf dem Marktplatz. Foto: Uta Müller

    Die Chorteilnehmer bei der Eröffnungsveranstaltung desc11. Interationalen Johannes-Brahms-Ch...

  • Das Vokalensemble der Familie Kraft aus Stühlingen in Deutschland bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Das Vokalensemble der Familie Kraft aus Stühlingen in Deutschland bei der Chorparade auf dem...

  • Peter Habermann, Leiter des Rundfunk-Jugendchors Wernigerode, dirigiert den Chor vom Gnesins Music College Moskau aus Russland vor dem Rathaus in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Peter Habermann, Leiter des Rundfunk-Jugendchors Wernigerode, dirigiert den Chor vom Gnesins Musi...

  • Auf dem überfüllten Marktplatz sammelten sich alle Chöre in ihren vielseitigen bunten Chorkleidungen und wurden von Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) empfangen. Foto: Uta Müller

    Auf dem überfüllten Marktplatz sammelten sich alle Chöre in ihren vielseitigen bun...

  • Der Kinderchor der Jiaxing Elemtery School aus Chinese Taipei bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Der Kinderchor der Jiaxing Elemtery School aus Chinese Taipei bei der Chorparade auf dem Marktpla...

  • Der Chor aus Schweden ist mit Maskottchen in den Harz gereist. Foto: Uta Müller

    Der Chor aus Schweden ist mit Maskottchen in den Harz gereist. Foto: Uta Müller

  • Der Puzangalan Kinderchor aus Chinese Taipei bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Der Puzangalan Kinderchor aus Chinese Taipei bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode...

  • Die Teilnehmer vom Puzangalan Kinderchor aus Chinese Taipei bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Die Teilnehmer vom Puzangalan Kinderchor aus Chinese Taipei bei der Chorparade auf dem Marktplatz...

  • Der Kolding Bykor aus Dänemark bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Der Kolding Bykor aus Dänemark bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: U...

  • Der Chor von der Universität in Hong Kong bei der Chorparade auf dem Marktplatz. Foto: Uta Müller

    Der Chor von der Universität in Hong Kong bei der Chorparade auf dem Marktplatz. Foto: Uta M...

  • Der Dele Kinderchor aus China bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

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  • Teilnehmer aus aller Welt bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Teilnehmer aus aller Welt bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Mü...

  • Teilnehmer aus aller Welt bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Teilnehmer aus aller Welt bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Mü...

  • Die Chorteilenhemer aus Bolivien bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Die Chorteilenhemer aus Bolivien bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta ...

  • Die Chorteilenhemer aus Bolivien bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Die Chorteilenhemer aus Bolivien bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta ...

  • Die Sängerinnen aus Malaysia freuen sich bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerode dabei zu sein. Foto: Uta Müller

    Die Sängerinnen aus Malaysia freuen sich bei der Chorparade auf dem Marktplatz in Wernigerod...

  • Der Puzanglan Kinderchor aius Chinese Taipei eröffnet das 11. Interationales Johannes-Brahms-Chorfestival und Wettbewerb auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Der Puzanglan Kinderchor aius Chinese Taipei eröffnet das 11. Interationales Johannes-Brahms...

  • Der Puzanglan Kinderchor aius Chinese Taipei eröffnet das 11. Interationales Johannes-Brahms-Chorfestival und Wettbewerb auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Der Puzanglan Kinderchor aius Chinese Taipei eröffnet das 11. Interationales Johannes-Brahms...

  • Der Puzanglan Kinderchor aius Chinese Taipei eröffnet das 11. Interationales Johannes-Brahms-Chorfestival und Wettbewerb auf dem Marktplatz in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Der Puzanglan Kinderchor aius Chinese Taipei eröffnet das 11. Interationales Johannes-Brahms...

  • Nach der Chorparade auf dem Marktplatz stiegen Luftballons über dem Rathaus in den Himmel. Foto: Uta Müller

    Nach der Chorparade auf dem Marktplatz stiegen Luftballons über dem Rathaus in den Himmel. F...

  • Die Fahnenträger versammeln sich nach der Chorparade auf dem Marktplatz vor dem Rathaus in Wernigerode. Foto. Uta Müller

    Die Fahnenträger versammeln sich nach der Chorparade auf dem Marktplatz vor dem Rathaus in W...

Festival kostet knapp 80.000 Euro

Ihr Vorstoß kam nicht von ungefähr. Schließlich stand die Entscheidung für die finanzielle Beteiligung der Stadt am nächsten Chorfestival 2021 kurz bevor. Wernigerode richtet den internationalen Gesangswettstreit zusammen mit dem Verein Interkultur aus. Die Gesamtkosten für die Stadt von 77.500 Euro werden über Fördergeld, Spenden und Sponsoring gedeckt. Aus der Stadtkasse sollen 14.500 Euro fließen.

Mögliche CO2-Kompensationszahlungen würden noch draufkommen – und das in nicht unempfindlicher Höhe, wie Christian Linde (CDU) schnell mal überschlug. Das Votum des Stadtrats vorausgesetzt würden bis zu 90.000 Euro zusammen kommen, die die Veranstalter und Chöre aufbringen müssten.

Wetzels Idee stieß erst einmal nicht generell auf Ablehnung. So fand Matthias Bosse (SPD) den Vorschlag „sehr sympathisch“. „Wir stehen dem nicht negativ gegenüber.“ Ihm fehlten allerdings die Hintergründe und er empfahl eine eingehendere Diskussion in den Fachausschüssen.

Positive Stimmen von SPD und Linken

Thomas Schatz (Die Linke) fand die Anregung „nachdenkenswert“. Es gehe bei Brahms nicht mehr nur um das „ästhetische Empfinden des Gesangs. Die Klimakosten gehören dazu. Wir müssen darüber nachdenken, welche Auswirkungen unsere Aktivitäten auf das Klima haben – so schön sie auch sind.“ Auch Siegfried Siegel (SPD) sperrte sich nicht gegen die Idee. „Es gibt keine Gründe, das zu verweigern. Es geht lediglich um die Darstellung der Emissionskosten. Wie wir damit umgehen, das wird sich zeigen.“

Selbst Sozialdezernent Rüdiger Dorff zeigte Sympathie für Wetzels Vorschlag. Er tat sich allerdings mit der Umsetzung schwer. „Das ist ein internationaler Wettbewerb“, so Dorff. „Wir können nicht zum Veranstalter Interkultur sagen: Ihr dürft nur mitmachen, wenn alle Ausgleichzahlungen leisten.“ Wie würden die Chöre und der Förderverein Interkultur reagieren? Damit werde „ein eigentlich schönes Ereignis“ nicht gerade verbessert. Dennoch schlug Dorff einen Kompromiss vor. „Die Stadt nimmt Kontakt zum Veranstalter und zu den Teilnehmern auf mit dem Ziel, eine höchstmögliche Ausgleichszahlung zu erreichen.“ Wenn Interkultur dann vor der Entscheidung stehe, abzuspringen, werde es eben keine Zahlung geben. Aber der Veranstalter sei „ein Kind der Zeit und wird das irgendwo mit uns thematisieren“.

Ein Kompromiss, mit dem die Initiatorin Sabine Wetzel leben könnte. Heftiger Gegenwind kam allerdings von der CDU. Hagen Bergfeld sieht finanziell ein „unberechenbares Risiko“ für die Stadt. Den Chören falle es schon schwer, die Reisekosten zu leisten. „Das ist Wahnsinn“, entfuhr es Fraktionskollege Matthias Winkelmann. Der Wettbewerb sei ein Aushängeschild für die Stadt. Es gehe um Völkerverständigung. „Das können wir doch nicht alles zum Teufel jagen. Dann sitzen wir irgendwann wieder wie die Neandertaler und klopfen auf Stein.“ Angela Gorr (CDU) warnte vor einem „Stochern im Nebel“. „Wir kennen die Komplexität und die Summen nicht.“ Sie riet, das Thema im Zusammenhang mit der Ökobilanz der Stadt zu diskutieren.

Angst vor Wegbleiben der Chöre

André Boks (SPD) störte sich vor allem an der Kurzfristigkeit des Grünenvorschlags. Ein solches Kernanliegen hätte man im Vorfeld ausführlich diskutieren können und nicht kurz vor der Beschlussfassung.

Cary Barner (CDU) bat „innig“ darum, das „wunderbare Festival“ nicht durch Klimaschutz zu zerreden. Das Thema sei wichtig. Aber sie befürchte, dass Interkultur die Teilnehmergebühren für die Chöre noch höher ansetzt, als sie schon sind. „Und dann kommt keiner mehr.“

Auch Verwaltungschef Peter Gaffert (parteilos) sieht den Wettbewerb in Gefahr. „Es wäre bitter, wenn das Festival dadurch nicht stattfinden könnte.“ Er wolle das Thema nicht wegdrücken. „Aber wir können es so spontan und ohne unsere Partner nicht lösen.“ Dass man sich damit beschäftigen müsse, sei „unstrittig“, so der OB. „Es geht nur mit Interkultur zusammen. Wir müssen schauen, wie wir da mittelfristig zu einer Lösung kommen.“ Denn Beschluss über die Finanzierung des Wettbewerbes wolle er allerdings nicht vom Ansinnen der Grünen abhängig machen.

Klimaschutz-Passus knapp abgelehnt

Sabine Wetzels Vorschlag fiel letztlich relativ knapp mit 14 Ja- zu 18 Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen durch. Gleichzeitig gaben die Stadträte grünes Licht für den städtischen Anteil von 14.500 Euro an den Gesamtkosten des Festivals. Das heißt, die Weichen für das Brahms-Chor-Festival 2021 sind gestellt. Allerdings ohne ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen.