Wernigerode l „Wo gibt es dieses Buch, ich möchte es sehr gern kaufen.“ Und: „Die einfachsten Rezepte schmecken doch am besten.“ Schon vor seiner Veröffentlichung sorgt ein Kochbuch für Furore. „Gutes Essen in schlechten Zeiten“ hat die Neugier von vielen Volksstimme-Lesern geweckt. Groß ist das Interesse auch beim Tag der Archive, an dem Brigitte Böttcher im Zentrum Harzkultur ihre bisherige Arbeit vorgestellt hat.

Die Gliederung des Druckwerkes steht. „Bis Ende März will ich das Manuskript abgeschlossen haben“, sagt Brigitte Böttcher. Kern des Kochbuches ist ein über 30 Jahre alter Text mit dem Titel „Notrezepte“, auf den die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Landesheimatbundes gestoßen war. Auf schwer leserlichen Seiten ist beschrieben, wie die Menschen in der östlichen Harzregion in Notzeiten nach den zwei Weltkriegen gelebt haben. Ebenso enthalten sind Rezepte, die vom Einfallsreichtum der Harzer zeugten, mit einfachsten Zutaten Schmackhaftes auf den Tisch zu bringen. Die Arbeit von Dr. Irene Ziehe wurde nie gedruckt, verschwand für Jahre zwischen anderen Akten.

Das soll sich nun ändern. Ergänzt werden soll der Text mit weiteren Kochrezepten. Brigitte Böttcher hatte deshalb die Volksstimme-Leser um Mithilfe gebeten. Mit riesiger Resonanz. Mehr als 80 Einzelstücke wurden im Zentrum Harzkultur abgegeben. Die ältesten Rezeptsammlungen stammten vom Ende des 19. Jahrhunderts, die neueren aus DDR-Zeiten. Darunter ein Buch mit mütterlicher Anweisungen zur Haushaltsführung für die bürgerliche Tochter oder das aufschlussreiche Büchlein, in dem ein Gespannführer 1937 seine Arbeitsstunden und schmalen Entgelte festhielt, zählt Brigitte Böttcher auf. „Man kann auch Kurioses lesen von Unternehmen – von Dr. Oetker, über Essighersteller und Zuckerfabrikanten bis zu Herstellern von Einkochzubehör – die ihre Werbung mit Rezepten und Ratschlägen an den Mann und eher noch an die Frau brachten.“ Wochenlang hatte Brigitte Böttcher zu tun, um das Material zu durchforsten. „Ich habe die Rezepte herausgesucht, die die jeweilige Zeit am besten repräsentieren und diese um einige erklärende Texte ergänzt.“

Rezepte werden in Wernigerode nachgekocht

Geplant ist, das Buch mit ansprechenden Fotos zu bebildern. Deshalb sollen die Rezepte in der Schulküche der Thomas-Müntzer-Schule nachgekocht, die Gerichte danach mit der Kamera festgehalten werden. Die Veröffentlichung des Kochbuches ist für August/September geplant. Gefördert wird das Projekt vom Land SachsenAnhalt, der Harzsparkasse und der Wernigeröder Stadtverwaltung.

„Ich bin ganz glücklich, dass wir das machen können“, sagt Kathrin Pöge-Alder vom Landesheimatbund. Ziel des Zentrums Harzkultur sei es, die regionalen Harzer Traditionen lebendig zu halten und weiter bekannt zu machen. „Kultur ist nichts Starres, sondern immer in Bewegung“, so die Referentin für Alltagskultur und regionale Musikkultur, die hinzufügt: „Historisches und Gegenwart kommen zusammen und entwickeln sich weiter – wie bei unserem Kochbuch.“