Schierke l Die Idylle ist trügerisch: Rund um Schierke haben sich die Wälder in den vergangenen Tagen wieder in eine märchenhafte Winterlandschaft verwandelt. Das lockt Spaziergänger, Rodler und Wintersportfreunde an. Zwar sind nach Angaben von Nationalpark-Revierförster Olaf Eggert knapp drei Wochen nach Orkan „Friederike“ rund um Schierke die allermeisten Wanderwege und Loipen beräumt und wieder frei zugänglich. Aber: „Es gibt darüber hinaus immer wieder Leute, die direkt in die Waldgebiete vorstoßen und dort wandern oder sich umschauen wollen“, berichtet der für den Bereich Schierke zuständige Revierförster. Eggert hat für derart Unbelehrbare nur ein Kopfschütteln übrig. „Wer das macht, ist schlicht lebensmüde.“

Tödlicher Unfall

Abgesehen davon, dass das Verlassen der Wege im Nationalpark ohnehin unerwünscht sei, sollten auch alle übrigen Waldflächen außerhalb der freigegebenen Wege – egal, ob im Nationalpark oder in anderen Forstbereichen – gegenwärtig nur von Forstleuten betreten werden. Und auch denen raten Forstexperte Eggert und Christian Lüschow von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau zu maximaler Vorsicht. Der Unfall von 2015, der für einen 57 Jahre alten Waldarbeiter nach Aufräumarbeiten im Bereich Benneckenstein tödlich endete, sei gleichsam tragisches wie mahnendes Beispiel, so Lüschow.

Der 54 Jahre alte Präventionsbeauftragte der Berufsgenossenschaft rät angesichts der immensen Schäden vor allem Privatwaldbesitzer dringend davon ab, in Eigenregie und ohne die richtige Technik Aufräumarbeiten zu starten. „Um es klar zu sagen: Motormanuell, also allein mit Kettensäge, sollte jetzt niemand arbeiten. Eine Winde ist absolutes Mindestmaß, besser noch sollten schwere Technik wie Harvester-Erntemaschinen oder Bagger zum Einsatz kommen“, lautet sein Rat.

Aufräumen nach dem Sturm

Wernigerode (um) Orkantief "Friederike" hat sich im Harz ausgetobt. Nun werden die Verwüstungen aufgeräumt. Aktuelle Informationen unter www.volksstimme.de/friederike18

  • Auf der Kreisstrasse zwischen Heimburg und Elbingerode räumen Mitarbeiter der Strassenmeisterei Bäume von der Fahrbahn.
Starke Schäden verursacht das Sturmtief Friederike im gesamten Harzgebirge. Foto: Matthias Bein

    Auf der Kreisstrasse zwischen Heimburg und Elbingerode räumen Mitarbeiter der Strassenmeiste...

  • Auf der Kreisstrasse zwischen Heimburg und Elbingerode räumen Mitarbeiter der Strassenmeisterei Bäume von der Fahrbahn.
Starke Schäden verursacht das Sturmtief Friederike im gesamten Harzgebirge. Foto: Matthias Bein

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  • Auf der Kreisstrasse zwischen Heimburg und Elbingerod räumen Mitarbeiter der Strassenmeisterei Bäume von der Fahrbahn.
Starke Schäden verursacht das Sturmtief Friederike im gesamten Harzgebirge. Foto: Matthias Bein

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  • Auf der Kreisstrasse zwischen Heimburg und Elbingerode räumen Mitarbeiter der Strassenmeisterei Bäume von der Fahrbahn.
Starke Schäden verursacht das Sturmtief Friederike im gesamten Harzgebirge. Foto: Matthias Bein

    Auf der Kreisstrasse zwischen Heimburg und Elbingerode räumen Mitarbeiter der Strassenmeiste...

  • Auf der Kreisstrasse zwischen Heimburg und Elbingerode räumen Mitarbeiter der Strassenmeisterei Bäume von der Fahrbahn.
Starke Schäden verursacht das Sturmtief Friederike im gesamten Harzgebirge. Foto: Matthias Bein

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  • Aufräumen nach dem Sturm: Umgestürzte Bäume entlang der Brockenstraße. Foto: Brockenwirt

    Aufräumen nach dem Sturm: Umgestürzte Bäume entlang der Brockenstraße. Foto: ...

  • Mitarbeiter der Harzer Schmalspurbahn bei Räumarbeiten auf den Gleisen, hier bei bei Drei Annen Hohne. Sonnabendfrüh wird entscheiden, ob die HSB-Züge von Wernigerode wierder bis zum Brocken verkehren. Foto: Dirk Bahnsen/HSB

    Mitarbeiter der Harzer Schmalspurbahn bei Räumarbeiten auf den Gleisen, hier bei bei Drei An...

  • Aufräumen nach dem Sturm: Dachdecker haben Hochkonjunktur. Foto: Regina Urbat

    Aufräumen nach dem Sturm: Dachdecker haben Hochkonjunktur. Foto: Regina Urbat

  • Im Harzwald hat das Orkantief

    Im Harzwald hat das Orkantief "Firederike" große Schäden angrichtet. Foto: Regina Urbat

  • Nach dem Orkantief

    Nach dem Orkantief "Friederike" laufen die Aufräumarbeiten in den Harzer Wäldern auf Ho...

  • Blick vom Harzresort in Schierke auf den Barenberg, den Orkantief

    Blick vom Harzresort in Schierke auf den Barenberg, den Orkantief "Friederike" hart getroffen hat...

Sturmtief Friederike wütet im Harz

Wernigerode (um) l Das Sturmtief "Friederike" hat am frühen Nachmittag Wernigerode erreicht. Zahlreiche umgestürzte Bäume hielten die Rettungskräfte im Harz in Atem.

  • Friederike wütet in und um Wernigerode: Ein Großbaum ist auf die Westerntorkreuzung gestürzt und hat den Stadtverkehr lahm gelegt. Kameraden der freiwilligen Feuerwehr schneiden die Straße (B 244) frei. Foto: Regina Urbat

    Friederike wütet in und um Wernigerode: Ein Großbaum ist auf die Westerntorkreuzung ges...

  • Ein umgestürzter Baum an der Westerntorkreuzung in Wernigerode. Foto: Dietrich Rahnert

    Ein umgestürzter Baum an der Westerntorkreuzung in Wernigerode. Foto: Dietrich Rahnert

  • Friederike wütet in und um Wernigerode: Ein Großbaum ist auf die Westerntorkreuzung gestürzt und hat den Stadtverkehr lahm gelegt. Kameraden der freiwilligen Feuerwehr schneiden die Straße (B 244) frei. Foto: Regina Urbat

    Friederike wütet in und um Wernigerode: Ein Großbaum ist auf die Westerntorkreuzung ges...

  • Friederike wütet in und um Wernigerode: Ein Großbaum ist auf die Westerntorkreuzung gestürzt und hat den Stadtverkehr lahm gelegt. Kameraden der freiwilligen Feuerwehr schneiden die Straße (B 244) frei. Foto: Regina Urbat

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  • Ein Großbaum ist auf die Westerntorkreuzung gestürzt und hat den Stadtverkehr lahm gelegt. Kameraden der freiwilligen Feuerwehr schneiden die Straße (B 244) frei. Foto: Regina Urbat

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  • Vor der Francke-Grundschule kracht ein Baum auf das Autodach, verletzt wird niemand. Foto: Regina Urbat

    Vor der Francke-Grundschule kracht ein Baum auf das Autodach, verletzt wird niemand. Foto: Regina...

  • Friederike wütet in und um Wernigerode: In der Ringstraße wird ein Teil des Dachs abgedeckt, die Straße zeitweise vorsichtshalber gesperrt. Foto: Regina Urbat

    Friederike wütet in und um Wernigerode: In der Ringstraße wird ein Teil des Dachs abged...

  • Friederike wütet in und um Wernigerode: Glück für Fahrgäste- an der Bushaltestelle Floßplatz in Hasserode entwurzelt es einen riesigen Nadelbaum, der auf die Wiese stürzt. Foto: Regina Urbat

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  • Fünf Bäume stürzen auf die Verbindungsstraße nach Schierke (L 100), Kameraden der Wachbereitschaften sind im Einsatz. Für Stunden ist die Straße dicht, weil weitere Bäume umstürzen. Foto: Regina Urbat

    Fünf Bäume stürzen auf die Verbindungsstraße nach Schierke (L 100), Kameraden...

  • Sturmtief Friederike wütet im Harz: Feuerwehrleute räumen im Oberharz umgeknickte Bäume von der Straße. Foto: Regina Urbat

    Sturmtief Friederike wütet im Harz: Feuerwehrleute räumen im Oberharz umgeknickte B...

  •  Fünf Bäume stürzen auf die Verbindungsstraße nach Schierke (L 100), Kameraden der Wachbereitschaften sind im Einsatz. Für Stunden ist die Straße dicht, weil weitere Bäume umstürzen. Foto: Regina Urbat

    Fünf Bäume stürzen auf die Verbindungsstraße nach Schierke (L 100), Kamerade...

  • Der Orkan

    Der Orkan "Friederike" hat für zahlreiche umgestürzte Bäume auf den Straßen i...

  • Sturm Friederike: Die Feuerwehren aus dem Nordharz im Einsatz. Foto: Michael Lumme

    Sturm Friederike: Die Feuerwehren aus dem Nordharz im Einsatz. Foto: Michael Lumme

  • Sturm Friederike: Die Feuerwehren aus dem Nordharz im Einsatz. Foto: Michael Lumme

    Sturm Friederike: Die Feuerwehren aus dem Nordharz im Einsatz. Foto: Michael Lumme

  • Sturm Friederike: Die Feuerwehren aus dem Nordharz im Einsatz. Foto: Michael Lumme

    Sturm Friederike: Die Feuerwehren aus dem Nordharz im Einsatz. Foto: Michael Lumme

Nicht genügend Maschinen

Technik, denen die aktuellen Witterungsbedingungen mit Schnee, Frost und oft aufgeweichten Böden freilich Grenzen setzen. Zudem sei die Verfügbarkeit derartiger Maschinen angesichts der massiven Schäden in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt aktuell begrenzt. „Daher sollte niemand in Hektik oder Aktionismus verfallen – Sicherheit muss absolute Priorität haben“, betont Lüschow.

Tödlich gefährlich werde der Windbruch – Forstleute sprechen vom Baum-Mikado – weil die tonnenschweren Bäume quer übereinander zu Fall gekommen sind. Dabei stehen die oft zwischen zwei und fünf Tonnen schweren Stämme fast immer unter Spannung oder sind zwischen anderen Bäumen eingeklemmt. Das soll auch dem erfahrenen Waldarbeiter zum Verhängnis geworden sein. Ein Stamm rutschte und begrub ihn unter sich. Deshalb hat der Direktor des Landesforstbetriebs Bernd Dost sofort reagiert und seine Mitarbeiter zum Arbeiten mit entsprechender Technik verpflichtet.

Riskante Aufräumarbeiten

Gleichwohl bleiben die Aufräumarbeiten riskant. Ein Stamm, der plötzlich hochpeitscht. Ein Wurzelteller, der unerwartet kippt. Hinzu kommt, dass viele angekippte oder angebrochene Bäume mit ihren Kronen in anderen Bäumen festhängen. „Wenn nun die Kronen der Nadelbäume mit Schnee belastet werden, reicht mitunter der leiseste Windhauch, um sie endgültig kippen zu lassen“, warnen Lüschow und Eggert.

„Selbst Profis unterschätzen das – Sturmholz ist noch mal eine ganz besondere Herausforderung“, erinnert Lüschow. Eine, die leider oft von tragischen Momenten begleitet werde. „Nach dem schweren Sturm ,Lothar‘, der Weihnachten 1999 über Süddeutschland und die Schweiz hinweg gezogen ist, haben wir allein in Baden-Württemberg 27 Tote unter Waldbesitzern und Waldeigentümern zu beklagen gehabt“, erinnert der Fachmann. Und: Die Tatsache, dass Hobby-Brennholzsammler jetzt schon anklingeln, zeige wie fatal falsch die Situation eingeschätzt werde. Erst wenn die tonnenschweren Stämme weggeräumt seien, sei die Zeit für die Kronen gekommen.