Schierke l Schierke ist steinreich – zumindest, was das Vorkommen an Findlingen angeht. Die Fülle an Granitbrocken im Erdreich hat schon etlichen Bauherren Sorgenfalten auf die Stirn getrieben. Aktuell können Thomas Rader und Torsten Rau ein Lied davon singen. An der Alten Dorfstraße errichten die beiden Niedersachsen für 2,3 Millionen Euro einen Komplex mit italienischem Restaurant und neun Ferienwohnungen.

Baustart war im September. Bei der Vorbereitung des Baugrundes stießen die Arbeiter auf Granit – wie auch erwartet. Hunderte Tonnen Findlinge wurden ausgegraben. Ein Brocken bereitete besonders Kopfzerbrechen. „Er ließ sich nicht bewegen“, so Thomas Rader. Auch mit schwerer Technik nicht. Aber er wusste sich zu helfen. „Findlinge zerkleinern“ habe er in der Internet-Suchmaschine Google eingegeben. Dabei entdeckte er einen besonderen Zement, der sehr stark quillt. Rader bestellte den Zement im Internet und versuchte es einfach. „Wir haben ihn in ein 60 Zentimeter tiefes Bohrloch gefüllt und gewartet. Am nächsten Tag lagen zwei Steine da.“ 50 Bohrlöcher später konnte der riesige Brocken entsorgt werden.

Nicht das einzige Problem, das auf die Bauleute wartete. „Wir haben Teile des alten Hotels gefunden“, so Thomas Rader. Auf Gelände befand sich einst das Handwerker-Erholungsheim. Das später unter dem Namen „Harzland“ bekannte Hotel stand seit 1996 leer. Im März 2005 brannte es ab. Die Ruine wurde 2009 abgerissen. „Zum Glück waren die Fundstücke nicht kontaminiert.“ Die Entsorgung sei aber teurer gewesen als gedacht.

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Verzögerungen durch Findlinge

Trotz aller Widrigkeiten geht es auf der Baustelle an der Alten Dorfstraße voran. Der Hang vor den Bergwald-Lodges, die Ferienhäuser wurden 2016 eröffnet, ist abgetragen. „Wir haben 3,50 Meter hohe L-Steine als Stützwand gesetzt.“ Durch die Probleme mit den Findlingen haben sich die Arbeiten verzögert. „Wir gehen aber immer noch davon aus, im Dezember die Bodenplatte zu gießen.“ Wann im Restaurant und in den Ferienwohnungen die ersten Gäste begrüßt werden können, da will Thomas Rader noch keine Prognose abgeben. „Wir wollen im Herbst 2019 anfangen. Aber das muss man sehen.“

Sicher ist der Investor hingegen, dass die geplante Osteria/Weinbar, das „Montevino“, der neue Magnet in Schierke wird. „Die Leute sollen nicht nur zum Essen kommen, sondern sich hier treffen. Das wollen wir fördern.“

Neben Pizza und Pasta, auch außer Haus, sollen typische italienische Kleinigkeiten gereicht werden – am liebsten von italienisch stämmigem Personal, so Thomas Rader. „Wir sind natürlich um Authentizität bemüht.“

Viel Platz für Gastronomen

Vor Konkurrenz fürchtet sich das Investoren-Duo aus Niedersachsen nicht. Ganz im Gegenteil. „Wir freuen uns, wenn sich weitere Gastronomen ansiedeln“, sagt Rader. Mit den Fürstenhof-Investoren und dem Arborea-Projekt würden neue Hotels in den Startlöchern stehen. „Es ist also viel Platz für andere Gastronomen im Ort.“ Die Gäste würden kulinarische Abwechslung suchen, so Raders Eindruck. „Und Schierke muss versuchen, die Besucher im Ort zu halten und nicht dazu zu zwingen, in andere Orte zu fahren, um zu essen.“

Die Neugier auf dem neuen Ferienkomplex mit Restaurant ist jedenfalls riesig. Das hat Rader längst bemerkt. Deshalb haben die Investoren reagiert und eine Website eingerichtet. Unter montevino.pizza ist im Internet ein bebildertes Bautagebuch zu finden – mit Fotos, Entwürfen und Drohnenfilmen. „Interessierte können dort die Bauarbeiten verfolgen.“