Wernigerode l Der Winter naht. Damit rücken erneut Schierkes Feuerstein-Arena und eine Frage in den Fokus. Wie kann künftig verhindert werden, dass Schneemassen nicht mehr unkontrolliert vom Dach der Freizeitstätte rutschen?

Wie jetzt feststeht, wird es keinen Schneefang geben. Den wollte die Stadt Wernigerode eigentlich nachrüsten lassen, damit Dachlawinen keine Chance mehr haben. Es gab sogar schon konkrete Pläne für die zweireihige, beheizte Dachreling mit Wasserführungswinkel und Wasserleitblechen, die Niederschlagswasser auf die Dachfläche führen. Doch es ließ sich schlicht und einfach keine Firma finden, die den Schneefang für einen annehmbaren Preis baut.

Kein Angebot

„Die Stadtverwaltung hat seit 2019 mehrfach Angebote für eine Schneefanganlage abgefordert und zum Teil auch bekommen“, informiert Arena-Chef Tobias Kascha auf Volksstimme-Nachfrage. „Allerdings hätten diese Angebote „wegen Unwirtschaftlichkeit“ keinen Zuschlag erhalten. Also ging die Suche weiter. „Wir haben deutschlandweit und 2020 auch EU-weit eine Markterkundung zur Lösung des Problems ausgeschrieben“, so Kascha. Aber: Keine einzige Firma habe sich beteiligt.

Damit ist der Schneefang vom Tisch. Die Gefahr von Schneelawinen aber bleibt. Schierke ist der am höchsten gelegene Ortsteil Wernigerodes. Die Winter sind dort meist ein paar Grad kälter. Soll heißen: Wenn es schneit, dann oben in Schierke. Und das hat seit der Eröffnung der Arena im Dezember 2017 immer wieder mal zu brenzligen Situationen geführt. Denn das Dachoval ist fälschlicherweise so kon-struiert, dass der nasse Schnee, wenn er ins Rutschen gerät, an mehreren Stellen vom Dach fällt und nach unten klatscht. Gefährlich, denn eine dieser Schwachstellen befindet sich direkt über den Drehkreuzen neben der Eisfläche. Bisher gab es nur Sachschaden zu beklagen. Mal ein Auto, mal die Überdachung eines Imbissstandes. Zum Glück, muss man sagen, Menschen wurden bisher nicht verletzt.

Schnee schippen auf dem Dach

In der Vergangenheit ließ die Stadt die Gefahrenstellen absperren. Der Schnee in bis zu 15 Metern Höhe wurde per Handarbeit vom Dach geräumt. „In den letzten beiden Jahren mussten wir zwischen 15 und 20 Mal aufs Dach“, so Arena-Chef Kascha. Und so soll es auch künftig gehandhabt werden. Die Stadt werde wie in den Vorjahren eine Hubbühne für 1800 Euro im Monat anmieten.

Vor ein paar Wochen hatte man im Rathaus noch mit dem Kauf einer solchen Hebebühne geliebäugelt. „Aber ich erkenne nicht, wo wir die Bühne noch außerhalb der Arena nutzen könnten.“ Der Kauf lohne sich nicht, deshalb die Mietlösung. „Das ist im Moment die wirtschaftlichste Lösung.“ Die Arena-Mitarbeiter würden eine Einweisung in das Gerät sowie eine Arbeitssicherungsunterweisung erhalten.

Sorgenkind Arena-Dach

„Die Sicherheit der Gäste und der Mitarbeiter hat oberste Priorität“, versichert Kascha. Maßgeblich für die Schneeberäumung sei die genaue Beobachtung der Witterungslage. „Mein Kurs ist, lieber einmal mehr räumen, als einmal zu wenig.“

Die Schneelawinen sind nur das Eine. Das preisgekrönte Dach des Neun-Millionen-Euro-Bauwerks ist schon länger ein Sorgenkind. So musste im Mai die gesamte Dachhaut, immerhin 4,5 Tonnen schwer und 2400 Quadratmeter groß, ausgetauscht werden. Schon kurz nach der Eröffnung hatten sich in der beschichteten Glasfasermembran unansehnliche Beulen gebildet, in denen sich bei Regen und Tauwetter Schmutzwasser sammelte. Mit Spanngurten musste deshalb die Kunststoffschicht von unten stabilisiert werden. Wie sich später herausstellte, war die Membran fehlerhaft zugeschnitten. Sie war schlichtweg zu groß und ließ sich deshalb nicht ausreichend spannen. Deshalb musste eine neue Dachhaut her. Für die Stadt glücklicherweise ohne Kosten. Die Arbeiten fielen unter Gewährleistung.

Beschädigung

Allerdings gibt es auch auf der neuen Membran schon wieder Schönheitsfehler. So hatte Stadtrat Matthias Winkelmann (CDU) im mittleren Teil des Daches eine geflickte Stelle entdeckt. Auf seine Nachfrage hin räumte die Stadtverwaltung ein, dass während der Montage im Mai ein Werkzeug „unglücklich“ auf die Membran gefallen sei und die Oberfläche „leicht beschädigt“ habe. Diese Beschädigung habe keine Auswirkung auf das Tragverhalten der Membran, hieß es dazu weiter. Um die Membran in diesem Bereich zu schützen, sei ein kleines Stück PTFE-Membran aufgebracht worden. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme, um weitergehende Schäden an dieser Stelle zu vermeiden.“

Indes geht in der Feuerstein-Arena die Sommersaison zu Ende, die laut Tobias Kascha trotz des Corona-Lockdowns gut verlaufen sei. „Es zeigt sich, dass in Corona-Zeiten eine Outdoor-Spielwelt mit Rollschuhbahn durchaus den Nerv von Besuchern und Einheimischen trifft.“ Er würde sich freuen, wenn sich bis Ende Oktober noch viele Besucher zum Saisonabschluss in der Arena einfinden. „Die letzte Rollschuh-Disko des Jahres findet am 24. Oktober statt.“ Danach starten die Vorbereitungen für die Wintersaison. Läuft alles nach Plan, kann ab dem 28. November wieder Eis gelaufen werden.