Schierke l Extrem – das ist mit Blick auf den Brocken dieser Tage das Stichwort. Extrem waren am Donnerstag auch die Unterschiede zwischen unten und oben. Während in Schierke Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt angesagt waren und zuweilen sogar die Sonne schien, war und ist der Gipfel dieser Tage ein Tiefkühlschrank. Zwar auch nur mit minus drei Grad Celsius gestern, wie es aus der Wetterwarte hieß. Die Böen mit bis zu 65 Kilometer pro Stunde sorgten mit dem Windchill aber für gefühlte 25 Grad unter dem Gefrierpunkt.

Bei diesen Rahmenbedingungen haben sich Matthias Wagener, Chef der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) sowie Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) und der Nordhäuser Landrat Matthias Jendricke (SPD) als Vertreter an der HSB-Aufsichtsratsspitze auf dem Gipfel persönlich ein Bild von der Lage gemacht.

Ein Aspekt dabei für HSB-Chef Wagener: Seinen Leuten dafür zu danken, dass sie vorige Woche erst den in eine Schneewehe gefahrenen Zug und später eine entgleiste Lok geborgen haben und nun täglich die Bahnanlagen freiräumen, damit Brockenbahn-Züge überhaupt rauffahren können.

Unterwegs mit der Schneefräse zum Brocken

Wernigerode (mg) l Damit die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) im Winter den Brocken ansteuern können, muss morgens die Schneefräse den Weg freiräumen. So hart ist die Arbeit auf den Gleisen.

  • Die auf Schmalspurbetrieb umgebaute Diesellok der Baureihe 199 schiebt die Schneefräse am Begenungspunkt Goethebahnhof am Brocken voran – der Schnee wird weit ins Gelände hinein geschleudert. Foto: Dennis Lotzmann

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  • Trotz technischer Unterstützung ist auf der Strecke der Brockenbahn Handarbeit nötig: Hier an der Weiche am Goethebahnhof. Volksstimme-Reporter Dennis Lotzmann (vorn) packt mit an. Foto: Thomas Demuth

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  • Tino Fügner im Führerstand der Lok V 100 schiebt die Gleis-Schneefräse vor sich langsam hinauf in Richtung Brocken. Weil der Schnee nass und schwer ist, geht es zuweilen nur im Schritttempo voran. Foto: Dennis Lotzmann

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  • Blickperspektive aus dem Führerstand der Schiebelok bei der Fahrt auf den Brocken. Bei extrem großer Schneeauflage auf den Gleisen der Harzer Schmalspurbahnen müssen bestimmte Gleisabschnitte mehrfach befahren und schrittweise gefräst werden. Foto: Dennis Lotzmann

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  • In der weißen Hölle: Die Schiebelok der Harzer Schalspurbahnen kommt mit der Schneefräse auf dem Brocken an.  Foto: Dennis Lotzmann

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Rettung nach Panne der Brocken-Bahn

Schierke (mg) l Erst am Samstag hatten die Harzer Schmalspurbahnen den Fahrbetrieb zum Brocken wieder aufgenommen. Erneut blieb ein Zug im Schnee stecken, 250 Besucher mussten vom Gipfel des höchsten Berges im Harz evakuiert werden.

  • Schneetreiben und orkanartige Böen auf dem Brocken: Hier verlassen die letzten der 250 eingeschlossenen Touristen nach einer Panne der Harzer Schmalspurbahnen den Brockenbahnhof. Foto: Regina Urbat

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  • Der Winterdienst hat nochmals die Brockenstraße geräumt, der Rücktransport ins Tal der 250 Gestrandeten auf dem Harzgipfel gelingt so mit sechs Kleinbussen reibungslos. Foto: Regina Urbat

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  • Nach drei Stunden Wartezeit endlich auf dem Weg ins Tal, freuen sich die Brockentouristen samt Hündchen. Foto: Regina Urbat

    Nach drei Stunden Wartezeit endlich auf dem Weg ins Tal, freuen sich die Brockentouristen samt H&...

  • Erleichterung: Brockenwirt Daniel Steinhof kommt mit Touristen, die nach einer Panne der Harzer Schmalspurbahnen auf dem höchsten Harzgipfel feststeckten, in Schierke an. Foto: Regina Urbat

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  • Auf dem Bahnhof in Schierke wartet ein Zug der Harzer Schmalspurbahnen, um die vom Brocken geretteten Reisenden nach Wernigerode zu fahren. Foto: Regina Urbat

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  • Die auf dem Brocken zuerst im Schnee steckengebliebene und dann entgleiste Lok der Harzer Schmalspurbahnen wird mit Spezialtechnik noch Sonnabendnacht wieder auf die Schienen gesetzt. Foto: Matthias Bein

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Schnee, Wind und miserable Sicht

Die Lage auf dem 1141 Meter hohen Plateau und im 1125 Meter hohen Bahnhof war zumindest am Donnerstag nur was für hart gesottene Touristen. Schneetreiben, extremer Wind und miserable Sicht – im Januar durchaus übliche Bedingungen für den Brocken, für viele Touristen in dieser Schärfe aber unerwartet. Daher ging es den drei Verantwortungsträgern noch um etwas anderes: Darum, Antworten auf die auch von der Volksstimme aufgeworfenen Fragen zu finden, ob der Betriebsablauf der Brockenbahn mit Blick auf extremes Winterwetter verändert oder beispielsweise im Informationsfluss optimiert werden muss.

Der Winterbetrieb der Brockenbahn, betonte HSB-Aufsichtsratschef Peter Gaffert, stehe grundsätzlich nicht zur Debatte. Es sei wichtig und richtig, die Faszination Winter auf dem Brocken für Besucher erlebbar zu machen. Die Bahn sei dabei – trotz der beiden Havarien in der Vorwoche – ein sicheres Verkehrsmittel. Gaffert stärkte HSB-Chef Wagener zugleich aber auch den Rücken, um im Zweifel bei Schlechtwetter auf Nummer sicher zu gehen und wirtschaftliche Aspekte hinten anzustellen. Ein gewichtiger Aspekt – die Erlöse der Brockenbahn machen den Betrieb auf anderen, defizitären HSB-Strecken erst möglich.

„Wir dürfen den Schneefall nicht immer sofort mit Katastrophe gleichsetzen“, so Gaffert. Aber: Die Verantwortlichen bei der HSB sollten – und wollen augenscheinlich auch – darüber nachdenken, die aktuellen Fakten zum Brockenwetter und nötigenfalls konkrete Warnungen für Touristen schneller und kompakter zu verbreiten.

Schnellere Information für Passagiere?

Gaffert: „Es ist wichtig, dass die Leute wissen, dass die Brockenbahn fährt. Damit suggeriert man ihnen Sicherheit und das Gefühl, der Gipfelbesuch sei problemlos. Sie müssen daher auch wissen, dass sie dort oben ein gänzlich anderes Wetter erwarten kann als unten im Tal.“ Vor diesem Hintergrund sollten die Informationswege verbessert werden. „Fakten, Infos und Bilder rund ums Wetter auf dem Berg müssen schneller transportiert werden“, so Aufsichtsratsvize Jendricke.

Mit Blick auf die zuweilen extreme Wetterlage und der Abschätzung des Brockenbahn-Betriebs seien die Infos von den Profis aus der Wetterwarte wichtig. „Nicht zuletzt wegen der prognostizierten klimatischen Veränderungen halten wir die geplante Automatisierung der Wetterwarte für problematisch.“