Wernigerode l "Am beliebtesten sind die weißen, schlichten Modelle mit Betonfuß, gerne auch in Verbindung mit Kupfer", sagt Christoph Seltmann. Der 29-jährige Förderschullehrer zeigt auf seinem Smartphone diverse Lampen, die die Berufsschulstufe der Liv-Ullmann-Schule hergestellt hat. Gebaut haben die Schüler mit geistigem Handicap die Lampen nicht etwa im Werkunterricht, sondern innerhalb ihres eigenen kleinen Unternehmens, das der Lehrer gemeinsam mit ihnen in der Schule gegründet hat. Mit ihrer Schülerfirma "LeuchtWerk" sind Seltmann und die Jugendlichen seit einem Jahr am Markt - und dabei überaus erfolgreich.

"Der Renner sind unsere Fußballlampen", sagt der gebürtige Sachse, der aus Aue stammt. Der Fuß dieser Lampen ist mit Kunstrasen überzogen, der Schirm besteht aus handgeschöpftem Papier in den Vereinsfarben. Ob für die Fans von Schalke 04, für Wolfsburg-Enthusiasten oder Anhänger des FC Bayern München - die 16- bis 18-Jährigen haben mit ihren aufwändig gefertigten Leuchten offenbar ganz zufällig eine Marktnische besetzt.

Naturmaterialien

"Alle Lampen werden nach Kundenwunsch gefertigt, keine ist gleich", sagt der Mathe- und Deutschlehrer, der in seiner Freizeit leidenschaftlich an Oldtimern schraubt. "Wir können Scherenschnitte und Silhouetten einarbeiten, wie bei unserer Wernigerode-Lampe, aber auch komplette Fotos in den Schirm integrieren." Die Möglichkeiten seien grenzenlos. Nachttischlampen und Stehlampen sind im Angebot. "Aktuell planen wir die Produktion von Hängeleuchten mit mehreren Schirmen", verrät Christoph Seltmann. Baumscheiben und Wurzeln aus dem Waldlager in Drei Annen werden ebenso für die Unikate verarbeitet. Das Material erhalten sie umsonst. Die elektrischen Bestandteile stammen aus Fertigsätzen. "Wir löten nichts", sagt er.

Bilder

Arbeitsteilung

Christopher schöpft das Papier, Florian schleift die Baumscheiben und Stephanie zupft Servietten, die für die Herstellung des Papiers mit Wasser vermengt werden, während Chantalle die Schirme bemalt. Produziert wird ausschließlich auf Bestellung. "Wir haben eine Warteliste. Vor Weihnachten mussten wir auch Aufträge ablehnen", sagt er. Dabei seien die Lampen bisher nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda und über die Webseite vertrieben worden. Zwischen 30 und 50 Euro kostet ein Exemplar. "Etwa 50 Prozent sind Gewinn, natürlich nur, wenn man die Arbeitszeit nicht einrechnet", sagt er. "Wir investieren das Geld in Klassenfahrten und stecken einen Teil wieder in die Firma."

Zwei bis drei Lampen entstehen an zwei Arbeitstagen, schätzt Seltmann. Daran arbeiten teilweise zehn Schüler gleichzeitig. Christoph Seltmann arbeitet seit zweieinhalb Jahren an der Liv-Ullmann-Schule, hat hier auch sein Referendariat absolviert. Die Idee zur Schülerfirma hatte er 2016. Das Startkapital organisierte er ebenso kreativ: "Ich habe bei einem Schulfest 105 Aktien zu je fünf Euro verkauft. Alle Käufer nehmen automatisch jeden Monat an der Verlosung einer Lampe teil." Die Aktien waren im Nu verkauft, das notwendige Geld für Werkzeuge und Material vorhanden. "Und die Schüler lernen eine Gesellschaftsform kennen", sagt er.

Ein kompletter Tag in der Woche steht für die Schülerfirma zur Verfügung. Ohne die Unterstützung der Schulleitung und Kollegen sei das nicht möglich. "Wir simulieren einen kompletten Arbeitstag", erläutert er den Hintergrund des Projektes. "Die Schüler bauen nicht nur die Lampen, sie übernehmen auch die Buchhaltung, schreiben Rechnungen, organisieren sich den Tag in der Werkstatt." Das sei wichtig, um ihnen einen Einblick ins Arbeitsleben zu geben. "Am Ende haben einige eine Chance auf einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt", sagt Seltmann. "Denn ohne Vorbereitung können unsere Schüler eine richtige Ausbildung nicht absolvieren."