Wernigerode l „Manchmal ist es schön, wenn man in der Natur weder WLAN-Empfang noch Handynetz hat.“ Das sagt Lisa Bönemann, die fast jedes Wochenende auf Fotosafari durch die Wälder und Berge des Harzes wandert. Dabei ist die 36-Jährige ständig auf das Internet angewiesen – sowohl in ihrem eigentlichen Job, als auch bei ihrem Hobby.

Denn die Bloggerin steckt hinter einem der erfolgreichsten Instagram-Profile der Gegend. Im sozialen Netzwerk , über das Schnappschüsse geteilt werden können, nennt sich Lisa Bönemann „Harzregion“. Mehr als 3700 Abonnenten folgen ihrem Profil, auf dem es viel ursprüngliche Natur, Tiere, aber auch bekannte Wahrzeichen wie die Eckertalsperre oder den Wernigeröder Markt zu sehen gibt.

Aus dem Rheinland in den Harz

„Ich habe das Instagram-Profil vor zwei Jahren als Experiment einfach so gestartet“, sagt die Wahlharzerin, die seit 2015 am Waldrand bei Goslar wohnt. Jeden Tag entdecke sie neue Spuren von Tieren hinter ihrem Haus. „Mein Mann ist hier geboren, wir haben häufig Urlaub in der Gegend gemacht“, erklärt die gebürtige Rheinländerin, wie es sie an den Rand des Mittelgebirges verschlug.

Instagram-Schnappschüsse aus dem Harz

Wernigerode (rg) l Hobbyfotografin Lisa Bönemann aus Goslar postet auf der Foto-Plattform Instagram unter dem User-Namen "harzregion" Bilder von Wandertouren.

  • Hund Podi darf bei Lisa Bönemann auf keiner Foto-Safari im Harz fehlen. Foto: Lisa Bönemann/Harzegion

    Hund Podi darf bei Lisa Bönemann auf keiner Foto-Safari im Harz fehlen. Foto: Lisa Böne...

  • Diesem kleinen Tiger ist Lisa Bönemann im Wildkatzengehege an der Marienteichbaude bei Bad Harzburg begegnet. Foto: Lisa Bönemann/Harzregion

    Diesem kleinen Tiger ist Lisa Bönemann im Wildkatzengehege an der Marienteichbaude bei Bad H...

  • Der Eckerstausee bei Bad Harzburg gehört zu Lisa Bönemanns Lieblingsmotiven. Foto: Lisa Bönemann/Harzregion

    Der Eckerstausee bei Bad Harzburg gehört zu Lisa Bönemanns Lieblingsmotiven. Foto: Lisa...

  • "Von Lichtstrahlen im Harzer Wald bekomme ich nicht genug", sagt Lisa Bönemann über die...

  • Diesen tollen Blick hat Lisa Bönemann alias Harzregion in Blankenburg eingefangen. Foto: Lisa Bönemann/Harzregion

    Diesen tollen Blick hat Lisa Bönemann alias Harzregion in Blankenburg eingefangen. Foto: Lis...

„Anfangs waren viele Bekannte aus Köln und Bonn skeptisch, aber inzwischen habe ich sie – bei Wanderungen und Ausflügen – davon überzeugt, dass die Region absolut lebenswert ist.“ Man könne im Harz unglaublich viel Verschiedenes auf kleiner Fläche entdecken, schwärmt Lisa Bönemann über ihre neue Heimat. Diese Vielfalt wolle sie mit ihren Fotos abbilden.

Dafür habe die Goslarerin selbst in der Mittagspause die Kamera dabei und sei fast jedes Wochenende unterwegs. Immer mit dabei: Podenco-Mix-Rüde Podi, den sie vom Tierschutz aus dem Rheinland mitgebracht hat. „Er ist mein liebstes Motiv, darf bei keiner Wanderung fehlen“, sagt die Instagrammerin. Podi sei ein Bürohund und freue sich, ebenso wie seine Besitzerin, über den Ausgleich in der Natur.

Stille Lieblingsorte

Über ihre favorisierten Wanderziele möchte sie indes lieber schweigen. „Meine Lieblingsorte sind still und ruhig – das sollen sie auch bleiben.“ Deshalb würde sie auch nie Bilder von dort veröffentlichen.

Einen Tipp für eine spektakuläre wie bildgewaltige Route gibt sie aber doch: „Ganz klassisch der Harzer Hexenstieg – da kann man einfach wandern und ganz verschiedene tolle Motive entdecken, wenn man die Augen offen hält.“ Ebenso seien Ilse- und Bodefälle ein Muss für jeden Wanderer – egal, ob Hobbyfotograf oder nicht.

Die Touren seien oftmals von langer Hand geplant. „Die Vorfreude ist mit das Schönste.“ Oftmals entdecke sie aber auch am Wegesrand ungeahnte Schönheiten. „Wir hatten einen Ausflug nach Ilsenburg akribisch geplant, doch dann sahen wir die Stapelburg mit blühenden Obstbäumen und haben dort den ganzen Nachmittag verbracht“, berichtet Lisa Bönemann.

So sei auch nach drei Jahren die Liste für Ausflugs- und Fotoziele nicht kürzer geworden. „Ich finde immer wieder neue Motive – oder vergessene Orte abseits der großen Touristenströme, wie etwa Königshütte.“

Harzer Wandernadel als Ratgeber

Ein guter Ratgeber auf der Suche nach verborgenen Ecken sei das Heft der Harzer Wandernadel. „Faszinierend, dass dieses Konzept offline auch junge Leute fürs Wandern begeistert“, sagt die Wahlharzerin mit einem Schmunzeln.

Für Instagram sammele sie meist bei den Ausflügen am Wochenende Bilder, die sie dann verteilt über die Woche veröffentlicht. „Viele Leute, die aus dem Harz weggezogen sind, freuen sich einfach, wenn sie einen Einblick in ihre alte Heimat erhaschen können“, erklärt sie den Erfolg ihrer Bilder auf der Foto-Plattform.

Ebenso dienen ihre Bilder Tagestouristen als Inspiration für ihren Aufenthalt, vermutet Lisa Bönemann. „Urlauber finden bei mir vielleicht noch den einen oder anderen Ort, den sie noch nicht kennen und entscheiden sich mal für ein anderes Ausflugsziel. So geht es mir auch oft.“

Für diesen Online-Reiseführer opfere sie die ein oder andere Stunde Freizeit. „Bilder sortieren, archivieren und bearbeiten ist manchmal zeitaufwendig, aber immer etwas für arg schlechtes Wetter.“

Faible für Nebel

Ihr Tipp für Hobbyfotografen: „Ich setze lieber auf ein kleineres, dafür lichtstarkes Kameraobjektiv als auf einen großen Zoom.“ Und: „Sonnenaufgänge über den Bergen sind schöner als Sonnenuntergänge“, sagt die 36-Jährige: Sie habe ein besonderes Faible für Nebelschwaden, die durch die Täler wabern.

Ihr zweites Steckenpferd sind Tiere: „Der Wildpark Christianental in Wernigerode ist ein absolutes Muss“, findet Lisa Bönemann. Doch selbst hier habe sie schon stundenlang auf der Lauer gelegen für einen putzigen Schnappschuss von Waschbären, doch keiner zeigte sich. Dafür gab es dann Eulen- und Eichhörnchen-Bilder. „Das ist der Vorteil gegenüber der Natur - man hat immer eine Alternative“, schmunzelt die Goslarerin. Ebenso würde sie aber das Wildkatzengehege bei Bad Harzburg weiterempfehlen.

Daran, mit ihrem Blog und ihren Fotos Geld zu verdienen, denke Lisa Bönemann aber nicht. „Es ist nur ein Hobby, ich habe dadurch viele neue Orte entdeckt und somit die abwechslungsreiche Gegend, in der ich wohne - das reicht mir vollkommen.“