Wernigerode l Die Stadträte im Bauausschuss haben einen Warnsignal abgegeben. Sie lehnten das Planverfahren für den Seilbahnbau und die entsprechende Änderung des Flächennutzungsplanes für Schierke ab. Beide Vorlagen sind mit vier zu vier Stimmen durchgefallen. Nun ist am Donnerstag, 28. März 2019, der Wernigeröder Stadtrat am Zug, darüber zu entscheiden, ob das Seilbahn-Projekt mit all den Ganzjahresangeboten am Kleinen Winterberg weiter in Fahrt bleibt oder gestoppt wird. Oder, auch das ist möglich, ob die Entscheidung bis zur Wahl des neuen Stadtrats vertagt wird.

Die Ratfrauen und -herren tun sich schwer, obwohl es im Grunde nur um Formalien geht. Oder besser gesagt, um die Fortschreibung dessen, was sie am 10. Dezember 2015 beschlossen hatten. Sie bekannten sich zum Seilbahnbau, in den der Investor Gerhard Bürger rund 26 Millionen Euro investieren will. Wernigerode beteiligt sich mit zehn Millionen Euro, wobei eine 90-prozentige Förderung in Aussicht steht.

Ratsbekenntnis vor vier Jahren

Mit dem Ratsbekenntnis vor vier Jahren wurde das Bebauungsplanverfahren „Natürlich Schierke - Wander- und Skigebiet Winterberg“ eingeleitet. Zeitgleich auch die Änderung des Flächennutzungsplanes für Schierke, um Planungs- und Baurecht für Service- und Gastronomiegebäude an der Mittel- und Bergstation, Pistenflächen Parkplätze für Busse und Fahrzeuge höher als zwei Meter sowie für ein Touristengebäude am Parkhaus „Winterbergtor“ zu schaffen.

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Über den Bau der Seilbahn selbst muss der Stadtrat nicht entscheiden. Die knapp zwei Kilometer lange Trasse nebst den dazugehörigen Technikgebäuden wird durch ein Planfeststellungsverfahren zum Baurecht gebracht.

Für alle Planungsverfahren wurden Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit und zur FFH-Verträglichkeit (Flora-, Fauna-, Habitätschutzgebiet) durchgeführt. Die Ergebnisse flossen in die Unterlagen ein. Seitens der Stadtverwaltung verfügen ihre Pläne über eine formelle und inhaltliche Reife, um sie per Ratsbeschluss für jedermann zur Einsicht und Einspruchnahme öffentlich auszulegen. Bis zum Spatenstich für den Seilbahnbau bedarf es noch grünes Licht für eine Reihe von Genehmigungsververfahren.

Skepsis im Bauausschuss

Die Skepsis im Bauausschuss, die übrigens der Schierker Ortschaftsrat nicht teilte und einstimmig für beide Beschlussvorlagen stimmte, bezog sich vor allem auf den Umweltbericht, vorgetragen von Dr. Friedhelm Michael vom Umweltplanungsbüro in Wernigerode. Der Bericht unterschied sich nicht wesentlich vom dem, was bereits vor drei Jahren an Erkenntnissen vorlag: Es gibt Kompromisslösungen, doch nicht ohne Ausnahmeverfahren. Um in ein Gebiet, das unter EU-Naturschutzrecht (FFH) steht, einzugreifen, bedarf es Kraft und Geld für die Ausgleichsprojekte. Michael zeigte auf, wie an anderer Stelle der Schutzstatus der Natur erhöht werden könnte, um es letztendlich zu rechtfertigen, dass für den Seilbahnbau 22 Hektar Wald gerodet werden müssen. Das Geld für Ausforstungen und Waldverbesserungen, etwa 1,4 Millionen Euro, ist laut Stadtverwaltung bereits bei dem Zehn-Millionen-Euro-Anteil eingeplant.