Rübeland l Präventiv, aber auch repressiv: Unter diesen Stichworten stehen die Einsätze, die die Verantwortlichen im Harzer Polizeirevier mit Blick auf den Karfreitag vorbereiten. Aufgrund der Aktivitäten, die Vertreter der Tuning- und Fahrzeugszene in der Vergangenheit am sogenannten Car-Freitag gestartet haben, sei ein Einsatz mit umfangreichen Kontrollen im Harzkreis geplant, heißt es aus dem Polizeirevier. Die Einsatzkräfte würden an verschiedenen Kontrollstellen tätig.

Dass der Schwerpunkt der Aktion am und im Tunnel an der Rappbodetalsperre liegen wird, liegt nahe. Die Polizei verweist in ihrer offensiv formulierten Ankündigung auf ein zu erwartendes Tuningtreffen und benennt den Bereich der Landesstraße 96/Rappbodetalsperre und den dortigen Tunnel als Örtlichkeit.

Jener Tunnel – in Szenekreisen als Soundröhre tituliert – zieht immer wieder Fans dieser Szene an. Das jüngste Treffen hat am 6. April stattgefunden, schätzungsweise 1000 Menschen mit rund 500 Autos angelockt und rund um Tunnel und Talsperre für ein Verkehrschaos gesorgt, erinnert Polizeisprecherin Ulrike Dallmann-Wagner. Ein Grund seien die zahlreichen Autos gewesen, die über mehrere Kilometer hinweg beidseitig auf der L 96 geparkt wurden. Dadurch sei es „zu massiven Verkehrsbehinderungen und -störungen durch Fahrzeuge und Personen auf der Fahrbahn und einer damit verbundenen potenziellen Gefährdungslage anderer Verkehrsteilnehmer am und im Tunnel“ gekommen.

Bürgermeister fordert Tunnel-Umbau

Ungeachtet der nun angekündigten Car-Freitags-Kontrollen stellt sich die Frage, ob die Verantwortlichen nach Lösungsansätzen mit langfristiger Wirkung suchen. Schließlich ist zu erwarten, dass die Soundröhre nach zwei bekannt gewordenen Treffen im Frühjahr 2019 im Jahresverlauf und insbesondere im Sommerhalbjahr nichts von ihrer Magnetwirkung verlieren wird. Macht es da nicht Sinn, bauliche Korrekturen am und im Tunnel zu prüfen, um die Tuningszene grundsätzlich auszubremsen, statt bei den oft sehr spontan organisierten Treffen stets Polizeibeamte zu bemühen?

Aus Sicht des Oberharzer Bürgermeisters Ronald Fiebelkorn (CDU) stellt sich diese Frage und die nach baulichen Schritten grundsätzlich: „Man muss den Tunnel weiter entschärfen.“ Rüttelstreifen – oder sogar die größeren Berliner Kissen – könnten helfen, das Tempo im Tunnel so runterzuregeln, dass man nur noch sehr langsam durchfahren kann. Das gelte einerseits. Andererseits sei ihm – abgesehen von Unmut über Lärm – bislang noch keine Kritik von Bürgern bekannt geworden. „Bis auf Lärm ist nix passiert“, so Fiebelkorn.

Was so nicht stimmt. Im Oktober 2014 verlor ein Opel-Fahrer im Tunnel die Gewalt über sein Fahrzeug. Der Wagen – im Inneren mit einem Überrollbügel ausgestattet – schleuderte auf den Gehweg und drückte eine Passantin an die Tunnelwand. Die Frau erlitt schwerste Beinverletzungen.

Rüttelstreifen auch im Rappbode-Tunnel?

Zwar wurden beiderseits der Tunneleinfahrten Rüttelstreifen als Tempobremse nachgerüstet – im Tunnel selbst haben die Verantwortlichen wegen der Lichtverhältnisse davon bislang aber Abstand genommen. Soll es dabei bleiben?

Eine Frage, die Stefan Hörold, Chef der Regionalniederlassung der Landesstraßenbaubehörde (LSBB), allein nicht beantworten mag. „Hier treffen sich Leute, die die Straßenverkehrsordnung nicht einhalten.“ Da sei zunächst die Polizei gefragt. „Aus straßenbaulicher Sicht sehe ich keinen Handlungsbedarf. Wenn das andere Verantwortliche – beispielsweise bei der Polizei – anders sehen, müssen sie ein Signal geben und die Initiative übernehmen.“

Nach Angaben von Polizeisprecherin Dallmann-Wagner hat es jüngst Kontakte mit Kommune und Kreisverwaltung gegeben. Nun wolle man vor weiteren Gesprächen mit den Verantwortlichen die Entwicklung am Car-Freitag-Wochenende abwarten. Nötigenfalls, so der Oberharzer Bürgermeister Fiebelkorn, wolle er sich persönlich vor den Karren spannen, um das Problem anzugehen.