Wernigerode l Der Kompressor, der die Spritzpistole mit Strom versorgt, dröhnt ohrenbetäubend. Bernd Grimm trägt Ohrenschützer, während er den Lack aufsprüht. Gegen den intensiven Geruch trägt er eine Maske über Mund und Nase. Vor der Halle im Blankenburger MLK stehen Frank Häusler und Peter Romstedt und sehen zu, wie der Barkas, der einst voll Rost und Dellen war, wieder eine glänzende Oberfläche erhält. Die drei Männer gehören zum Förderverein des Feuerwehrmuseums in Wernigerode und widmen sich in ihrer Freizeit der Instandsetzung von historischen Löschfahrzeugen.

Der Barkas, Modell B 1000, Baujahr 1963, ist das vorletzte Großprojekt, das der Förderverein auf dem Zettel hat. „Es gibt nur noch ganz wenige davon, und er fehlt bisher in unserer Sammlung“, erläutert Frank Häusler. Der Barkas ist ein sogenanntes Kleinlöschfahrzeug. „Zu DDR-Zeiten war er das standardmäßige Löschfahrzeug in den kleineren Orten“, sagt der Vereinsvorsitzende – zum Beispiel in den heutigen Ortsteilen wie Reddeber.

Dort sind die Fahrzeuge schon lange ausrangiert. Das Exemplar, das der Förderverein in der seiner Halle im MLK auf Vordermann bringt, stammt aus Rieder. Nachdem es lange Jahre der örtlichen Feuerwehr diente, kaufte es ein Privatmann. Vor zwei Jahren ging der Barkas an die Wernigeröder. „Wir haben den Wagen buchstäblich vor dem Schrottplatz gerettet“, sagt Frank Häusler.

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Signalrot auf schwarz

Seit einem halben Jahr sind die Mitglieder des Fördervereins nun schon am Werk – haben den Löschwagen entrostet, Löcher zugespachtelt und für die Lackierung vorbereitet. Nun wurde bei dem Barkas, dessen originalroter Lack arg angekratzt ist, zuerst der Füller aufgetragen, der Unebenheiten der Oberfläche ausgleicht. Auf die schwarze Grundfarbe wird die Originalfarbe – signalrot – erneut aufgetragen – „damit der Lack besser haftet“, erklärt Peter Romstedt. Wenn das erledigt ist, müssen Scheiben, Scheinwerfer, Sitze und die Innenausstattung sowie Kleinteile wieder eingebaut werden. Ein halbes Jahr werden die Vereinsmitglieder dafür brauchen, schätzt Häusler. Der Aufwand ist groß, sagt Peter Romstedt. „Man muss viel Enthusiasmus mitbringen – und viel Freizeit.“ Die Harzsparkasse unterstützt das Vorhaben.

Wenn der Wagen wieder zusammengebaut und ausgestattet ist, kommt er ins Museum. Dort stehen jeweils zwei Fahrzeuge aus dem Fundus des Vereins. Acht weitere befinden sich in einer Halle, die die Mitglieder gemietet haben. Das Ziel ist, dass einmal im Jahr die Wagen ausgetauscht werden, damit die Besucher etwas Neues zu sehen bekommen.

Neue Gesichter willkommen

Die Mitglieder des Vereins, der sich 2014 gegründet hat, treffen sich zwei- bis dreimal im Monat. „Neue Gesichter sind jederzeit willkommen“, so Häusler. Zu ihren Aufgaben zählt, das Museum zu öffnen und Veranstaltungen zu organisieren. Zweimal im Jahr – zum Museumsfrühling und zum Denkmaltag – werden die Türen weit geöffnet. „Beim nächsten Museumsfrühling ist der Barkas fertig“, sagt Frank Häusler.

Als nächstes wollen sich die Feuerwehrenthusiasten einen Robur LF 8 und eine Tragkraftspritze (TSA) vornehmen – einen mit einer Pumpe und Schläuchen versehenen Anhänger. „Danach steht die Instandsetzung von kleineren Teilen und die Wartung im Vordergrund“, sagt Häusler.

Geöffnet ist Dienstag, Mittwoch und Freitag 10 bis 14 Uhr, Donnerstag 10 bis 16.30 Uhr, Sonnabend 14.30 bis 17 Uhr. Sonntag und Montag geschlossen. Im Internet: www.feuerwehrmuseum-wernigerode.de

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