Rübeland l Das Katz- und Maus-Spiel geht in die nächste Runde: Sowohl in der Nacht zum Pfingstsonntag, 31. Mai, als auch in der Folgenacht zum Pfingstmontag, 1. Juni, haben sich im Bereich des Tunnels an der Rappbodetalsperre nach Polizeiangaben spontan Fans der Tuningszene getroffen und die Beamte über mehrere Stunden beschäftigt. In der Nacht zum Sonntag seien etwa 150 Fahrzeuge vor Ort gewesen, eine Nacht später zwischen 150 und 200 Personen und etwa 80 Fahrzeuge. An beiden Tagen schritten die Beamten ein – am Samstag wurden nach Angaben eines Sprechers 69 Verfahren eingeleitet, in der Nacht zum Montag insgesamt 21.

Letztlich habe die Polizei auf Zeugenhinweise reagiert. Vor Ort seien die drei am Samstag gegen 20.30 Uhr zur Talsperre beorderten Streifenwagenbesatzungen auf schätzungsweise 250 Personen gestoßen. „Die Staumauer war frei, aber an den zur Verfügung stehenden Parkflächen und auf den Waldwegen parkten Verkehrsteilnehmer teils verbotswidrig“, so Einsatzleiter Heiko Schütz. Das Treffen sei der Tuningszene zuzuordnen gewesen. Die liefert sich gern Wettfahrten im Tunnel, im Szenejargon Soundröhre genannt, dazu durchdrehende Reifen aufgrund extrem starker Beschleunigung im Tunnel.

Den Beamten, die mit einer Unterbrechung bis etwa 1 Uhr vor Ort im Einsatz waren, seien mehr oder weniger deutlich artikulierte Aggressionen und Hass entgegengeschlagen, so der Leitende Einsatzbeamte vom Dienst. Gleichwohl hätten sie kontrolliert und allein 60 Parkverstöße geahndet. Hinzu seien ein Bußgeld wegen technischer Mängel, fünf wegen Überschreitens von Lärmpegeln und eines wegen Nutzung des Mobiltelefons bei laufendem Motor gekommen. Obendrein seien zwei Verwarngelder wegen technischer Mängel erhoben worden.

Mit Tempo 92 statt erlaubter 50

Ähnlich in der Folgenacht: Weil die Polizei am Sonntag bereits im Tagesverlauf im Bereich der Talsperre verstärkt Präsenz gezeigt habe, seien ab 21 Uhr nur etwa 80 Fahrzeuge gezählt worden. Das Resultat der Kontrollen: Ein Fahrer wurde mit Tempo 92 bei erlaubtem Tempo 50 gelasert und sieht nun einem Fahrverbot entgegen. Insgesamt seien 19 Ordnungswidrigkeiten registriert worden – zwölf im Bußgeld- und sieben im Verwarngeldbereich. Zudem gab es zwei Mängelanzeigen.

Letztlich setzt sich damit fort, was seit Jahren die Polizei beschäftigt und insbesondere in den Sommermonaten an den Wochenenden Personal bindet. Vertreter der Tuningszene verabreden sich via sozialer Netzwerke spontan kurzfristig und lassen dann in der Soundröhre die Reifen qualmen. Die Polizei, die entweder in den Netzwerken mitliest oder – wie in den aktuellen Fällen – von Zeugen alarmiert wird, ist oft nur zweiter Sieger.

So schnell sich die Szene verabredet, so schnell ist alles wieder vorbei, wenn die Polizei naht. Oder es kommt – wie jetzt am Pfingstwochenende – zum verbalen Kräftemessen mit Hass, Ablehnung und Aggression zwischen den zahlreichen Tuningfans und den personell in der Minderheit agierenden Polizeibeamten.

Nur Rütttelstreifen als Hindernis

Letztere fordern seit Jahren von der Politik konsequentere Schritte, um dem Treiben rund um Tunnel und Staumauer Einhalt zu gebieten. Allein: Bislang konnten sich Politik, Straßenbaulastträger und andere Behörden nicht zu konkreten Schritten mit tatsächlich ausbremsendem Charakter entschließen. Allein Rüttelstreifen wurden beiderseits der Tunneleinfahrten im Fahrbahnbereich eingebaut.

Das Zögern der Verantwortlichen hängt womöglich auch damit zusammen, dass die Zahl der registrierten Unfälle im Tunnel gering ist. Ein Drama bleibt indes in Erinnerung: Am 19. Oktober 2014 verlor der Fahrer eines getunten Autos im Tunnel die Kontrolle über seien Wagen und krachte gegen die Tunnelwand. Dabei wurde eine Frau zwischen Fahrzeug und Wandung eingeklemmt und erlitt schwerste Verletzungen.

Unter den gesundheitlichen Folgen, so die heute 39-Jährige Pfingstmontag gegenüber der Volksstimme, leide sie bis heute. Und wahrscheinlich werde sich an dieser Situation auch langfristig wenig ändern. Hinzu kämen psychische Folgen – „immer wenn ich das Aufheulen eines Motors höre, habe ich sofort wieder die Bilder vor Augen“. Sie könne nicht verstehen, was Menschen motiviere, sich dem Tuning hinzugeben, so die Frau.