Casting-Show

Wernigerode im „Deutschland sucht den Superstar“-Fieber

„Deutschland sucht den Superstar“ polarisiert. Das ist während der Dreharbeiten in Wernigerode zu spüren. Doch was hält Florian Silbereisen von der Stadt im Harz?

Von Sandra Reulecke 23.07.2021, 17:15
„Deutschland sucht den Superstar" wird aktuell in Wernigerode gedreht. Beobachtet von Schaulustigen nimmt die Jury -  Florian Silbereisen, Ilse DeLange und Toby Gad (von links) - Gesangstalente unter die Lupe.
„Deutschland sucht den Superstar" wird aktuell in Wernigerode gedreht. Beobachtet von Schaulustigen nimmt die Jury - Florian Silbereisen, Ilse DeLange und Toby Gad (von links) - Gesangstalente unter die Lupe. Foto: Sandra Reulecke

Wernigerode - Es ist 9 Uhr am Morgen. Auf Wernigerodes Marktplatz herrscht schon Trubel. Eifrig werden Mikrofone eingestellt, Strahler gerichtet, Kameras geprüft. Schnell putzt noch jemand die Scheiben des riesigen Glaskastens, der vor dem Rathaus steht – Schaulustige haben am Tag zuvor wohl Fingerabdrücke darauf hinterlassen. Und die ersten Neugierigen sind schon wieder da, um einen Blick auf die derzeit berühmtesten Besucher Wernigerodes zu erhaschen: Florian Silbereisen, Ilse DeLange und Toby Gad.

Die Juroren der neuen Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ schlendern sichtlich gut gelaunt den kurzen Weg von ihrem Hotel hin zu ihrem Arbeitsplatz, dem frisch geputzten Glaskasten, der einem überdimensionalen Aquarium gleicht. Bevor darin die ersten Kandidaten des Tages ihr Talent unter Beweis stellen, steht der Eintrag in das Gästebuch der Stadt an. Eine gute Gelegenheit für Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos), mit dem Dreiergespann ins Gespräch zu kommen. „Ich bin begeistert, was ihr für eine Begeisterung hervorruft“, sagt das Stadtoberhaupt. Großveranstaltungen seien für die Tourismusstadt nichts Neues, doch Dreharbeiten für ein solches Format seien noch einmal etwas ganz anderes.

Er kenne Wernigerode bereits, berichtet Florian Silbereisen dem Bürgermeister. Für Fernsehproduktionen und für Konzerte sei er schon hier gewesen. Für seine beiden Mitstreiter ist es der erste Besuch in der bunten Stadt am Harz – aber sicherlich nicht der letzte, sagen sie.

Erkundungstour zu Schloss und Riesenrad

Wie diverse Fotos in den sozialen Medien zeigen, haben die drei Musik-Stars ihren neuen Arbeitsort bereits erkundet. Das Schloss stand ebenso auf dem Plan wie das Riesenrad. „Wernigerode ist etwas ganz Besonderes“, lautet das Fazit von Toby Gad. Der gebürtige Münchener lebt seit vielen Jahren in den USA. Dort gebe es solch pittoreske alte Städtchen nicht, das habe ihm gefehlt.

Ilse DeLange lobt besonders die Gastfreundschaft der Harzer. „Wir fühlen uns hier sehr wohl. Alle sind sehr freundlich.“ Ein Kompliment, das Gaffert freut. Allerdings auch eines, das nur bedingt zutrifft, wie der Oberbürgermeister weiß. „Es gibt natürlich auch Gegenwind“, sagt er.

Das belegt ein Blick in die Wernigerode-Gruppe auf Facebook: Kritik an dem TV-Format, an den davon verursachten Menschenmengen, am Fehlen von Dieter Bohlen sowie am Ausmaß der Glas-Kuben auf dem Markt- und dem nahe gelegenen Nicolaiplatz. „Wie kann so eine schöne Stadt nur so verschandelt werden?“ Dieser und ähnliche Sätze sind häufig in den Kommentaren zu DSDS-Beiträgen zu lesen.

Kritik an Casting-Format und Dreharbeiten

Wie geht die Jury mit solchen Meinungen um? „Man kann es nicht allen recht machen“, sagt Florian Silbereisen und zuckt mit den Schultern. Das habe er im Laufe seiner Karriere lernen müssen und davon dürfe man sich nicht zu sehr beeinflussen lassen. Stattdessen freue er sich über den Zuspruch und auf die Kandidaten. Diese kämen aus dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus, verrät er.

Die Qualität der Teilnehmer sei ausgesprochen gut, berichtet Jan Westphal. Er gehört zur Führungsspitze der RTL-Sparte Unterhaltung und schaut den Dreharbeiten aus dem Eingang eines Hotels am Marktplatz zu. Wernigerode, so sagt er, kannte er bislang nur aus den Erzählungen seiner Großeltern, die gern im Harz wandern waren. Es freue ihn, die Stadt nun einmal selbst zu sehen. „So etwas wie hier bauen sie sie anderswo in Freizeitparks nach“, sagt er mit Blick auf das blumengeschmückte Rathaus im Fachwerkstil. Für die Umsetzung des neuen DSDS-Konzepts habe RTL die schönsten Marktplätze Deutschlands gesucht. „Wir sind fündig geworden“, so Westphal.

Auch Ute Biernat, Geschäftsführerin der Produktionsfirma Ufa, zeigt sich begeistert vom Drehort. 26 Städte seien in der engeren Auswahl gewesen, Drehorte für die 19. Staffel der Casting-Show zu werden. Welche, das wolle sie nicht verraten. Nur so viel: Nach der Casting-Runde in Wernigerode, die am 28. Juli beendet ist, folgt eine zweite in Burghausen in Bayern.

Werbeeffekt nach TV-Ausstrahlung

Für die beiden Städte sei DSDS eine gute Werbung – trotz aller Kritik an dem Format, betont Ute Biernat. Im Schnitt könne man mit vier Millionen Zuschauer pro Sendung rechnen. „Wir wissen von vorherigen Produktionen, dass nach der Ausstrahlung die Buchungszahlen in die Höhe schnellen“, berichtet sie.

Auf einen solchen Effekt setzt auch die Wernigeröder Stadtverwaltung, ergänzt Rathaus-Sprecherin Kristin Dormann. Wie sie auf Volksstimme-Nachfrage informiert, seien schon nach der Bekanntgabe der Dreharbeiten zahlreiche Reisenanfragen eingegangen. Nach der Ausstrahlung – die Sendung wird ab Januar 2022 zu sehen sein – werden noch deutlich mehr erwartet. „Gerade nach den harten Corona-Monaten tut das unseren Hoteliers, Gastronomen und Händlern gut“, betont sie.

Der Glaskasten auf dem Marktplatz ist der Ort, an dem das Casting für  „Deutschland sucht den Superstar" stattfindet.
Der Glaskasten auf dem Marktplatz ist der Ort, an dem das Casting für „Deutschland sucht den Superstar" stattfindet.
Foto: Sandra Reulecke