Wernigerode l Im Mai dürfte Wernigerode im Internet an Bekanntheit gewinnen – zumindest als Tourismus-Hochburg. Leser und Autoren des Onlineportals Wikivoyage haben die bunte Stadt am Harz zum Reiseziel des Monats gewählt. Damit erscheint der Artikel zu Wernigerode – ausgedruckt 30 Din-A4-Seiten lang – auf der Startseite der reiselustigen Schwester der Internet-Enzyklopädie Wikipedia.

„Der Eintrag ist einer der ausführlichsten, Wernigerode eines der am besten dokumentierten Ziele“, sagt Roland Unger. Der Vorsitzende des Vereins, der hinter der deutschsprachigen Wikivoyage-Plattform steht, betont, die Stadt habe es bei der Auswahl „recht einfach gehabt“. Ihr touristisches Potenzial sei weithin bekannt, so Unger, im bürgerlichen Leben wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Universität Halle.

Autor reist in den Harz

Doch noch gebe es beim Wernigerode-Artikel Nachholbedarf: „Zu den Hotels wünsche ich mir noch mehr Informationen – etwa zur Zimmerzahl und zu Konferenzräumen“, sagt Unger. Für das Schloss als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten könne er sich gar einen eigenen Artikel vorstellen. „Ich träume von einem digitalen Rundgang, der den Besuchern die interessantesten Attraktionen im Gemäuer vorstellt“, so der Deutschland-Chef von Wikivoyage.

Um die Seite aktuell zu halten, reise der Hallenser immer wieder in den Harz. Bei seinen Recherchen habe er einige Details erkundet, die in anderen Werken falsch angegeben seien. Kaum jemand wisse, dass „korrekterweise St. Theobald von Thann als Patron der St. Theobaldikapelle diente“, berichtet der Reise-Enthusiast.

Artikel zu 16.210 Reisezielen

Von diesem privaten Engagement lebe der kostenlose Reiseführer im Netz. „Wir sind ein relativ kleiner Verein, deutschlandweit kümmern sich elf Leute um die Webseite“, erläutert Roland Unger.

Die deutschsprachige Wikivoyage wurde im Jahr 2006 als Mitmach-Projekt gegründet und bietet mittlerweile 16.210 Artikel, zu „fast allem, was ein Reisender benötigt“, so Unger: Zu Wernigerode finden sich Fakten, Telefonnummern und E-Mail-Adressen von Sehenswürdigkeiten, Sportmöglichkeiten, Restaurants, Unterkünften, Ausflugszielen, Festen und Einkaufsmöglichkeiten.

Einer der größten Vorteile des Online-Portals: „Im Gegensatz zu gedruckten Reiseführern haben wir kein Limit an Seitenzahlen“, sagt der Wikivoyage-Vorstandsvorsitzende. Zudem könnten die Autoren der Internetseite tagesaktuell auf Veranstaltungen reagieren und „kleine, nette Details – wie die vielen Skulpturen in der Altstadt – einarbeiten“.