Wernigerode l 0,8 Prozent – eine Zahl, die die Chefin der Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft Wernigerode (GWW) gerne präsentiert. „So niedrig war der Mietzahlungsrückstand noch nie“, sagt Kirsten Fichtner. „Unsere Mieter haben ein gewachsenes Bewusstsein dafür, dass sie ihre Miete pünktlich zahlen müssen.“ Und das, obwohl sich ein gesellschaftliches Phänomen immer stärker in Wernigerode zeige: „Die Altersarmut ist spürbar“, sagt sie.

Gerne würde sie als Chefin des größten Wohnungsanbieters der Stadt in Aufzüge investieren. Die Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft hat kürzlich ihre Gebäude in der Albert-Schweitzer-Straße mit den Aufzügen versehen lassen. Gerade ältere Menschen müssen nun nicht mehr Treppen steigen. „Eine gute Sache“, sagt auch Kirsten Fichtner. „Aber das könnten sich unsere Mieter leider nicht leisten“, sagt sie. „Die zusätzlichen Kosten für die Aufzüge liegen zwischen 20 bis 30 Cent pro Quadratmeter. Das ist zu viel für die meisten.“

Denn die Kommunale Beschäftigungsagentur Harz (Koba), über die viele der GWW-Mieter Unterstützung beziehen, kommt nicht für solche speziellen Kosten auf. „Gerade Ältere, die wegen ihrer geringen Rente aufstocken müssen, können das nicht aus eigener Tasche bezahlen.“ Sie plädiert für ein Rentensystem, in das alle einzahlen müssen – „wie in der Schweiz“, so Fichtner.

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Sitzproblem im Kino gelöst

Zurück nach Wernigerode: Höhepunkt 2018 sei die Eröffnung der Volks-Lichtspiele gewesen. Lange hatte das Unternehmen darauf hingearbeitet, viel Geld in die Hand genommen. Wie viel Geld genau, das möchte Kirsten Fichtner nicht verraten. „Die ersten Besucherzahlen sehen sehr gut aus, unser Betreiber Andreas Adelsberger ist zufrieden.“ Viele Urlauber und Familien steuerten das Kino an. Aktionstage wie zum Schul- oder Senioren-Kino seien gut angekommen. Sie selbst sei noch nicht im Lichtspielhaus zu Gast gewesen. „Es war einfach noch nicht das richtige Genre dabei“, erklärt Kirsten Fichtner. „Der letzte Film, den ich im Kino gesehen habe, war ‚Es‘.“

Dass es ein Problem mit den Abständen zwischen den Sitzreihen gibt, sei bekannt. Stellenweise ist es für große Gäste zu eng. Darauf werden Besucher bereits an der Kasse hingewiesen. Ursache sei ein Fehler des beauftragten Ausstatters. „Es gibt eine Gewährleistung, das Verfahren läuft“, sagt sie. Sobald es abgeschlossen ist, würden die betroffenen Sitzreihen ausgetauscht.

Auch abseits der Volks-Lichtspiele hat die GWW reichlich investiert. Eine Million Euro ist in den Umbau der eigenen Wohnungen geflossen. „Man sieht es unseren Gebäuden nicht immer an, aber wir sind dauerhaft dabei, zu modernisieren“, erläutert sie. „In einer schönen Fassade kann man nicht wohnen. Aber immer, wenn eine Wohnung frei wird, gehen wir rein, ändern die Grundrisse und sanieren.“

Nestschaukel von Spielplatz gestohlen

„Zwei Millionen Euro wurden allein für Reparaturen ausgegeben“, sagt Fichtner. Ein Plattenweg wurde in der Ernst-Pörner-Straße erneuert. Ein Spielplatz in der Karl-Marx-Straße auf Höhe der Hausnummer 27 sei erneuert worden. Rund 30.000 Euro haben Untergrund, Kies und vandalismussichere Geräte gekostet. „Der Spielplatz ist besonders für Kleinkinder geeignet“, sagt die GWW-Chefin. Ärgerlich sei, dass nur einen Tag nach Eröffnung des Spieplatzes eine Nestschaukel gestohlen wurde. „Freitags haben wir aufgebaut, Samstag war die Schaukel verschwunden.“

Wenige Meter weiter entstehen in diesem Jahr sieben neue Wohnungen. Im ehemaligen Kindergarten und späteren Grundbuchamt in der Karl-Marx-Straße 27-28 werden ebenerdige, barrierearme Domizile gebaut. Sie sind aufgrund der Förderung mietpreisgebunden.

Ein Großprojekt werde die Sanierung der Francke-Grundschule in Hasserode. Mit dem Vertragsbau beschreiten sowohl die Gebäudewirtschaft als auch die Stadt neue Wege. Zuvor müssen Aufsichtsrat der GWW und Stadtrat ihre Zustimmung erteilen. Eine Kostenschätzung liegt nicht vor.

Die GWW bewirtschaftet mit 18 Mitarbeitern 3200 Wohnungen und hat rund 8000 Mieter. Derzeit gibt es vier Auszubildende im Unternehmen.