Wolmirstedt l Heinz Jasniak sagt, er könne nur bei geschlossenen Fenstern nächtigen. Sonst würde ihm das Brummen des Umspannwerkes den Schlaf rauben. Sein Haus steht am Farsleber Ortsrand und auch seine Nachbarn fühlen sich durch den gleichmäßigen Brummton erheblich gestört. Sie alle haben sich bereits an den Leiter des Umspannwerkes gewandt sowie an den Wolmirstedter Stadtrat. Das Ergebnis: Es brummt.

Verantwortlich für diesen Dauerton sind vermutlich vor allem alte Transformatoren. Andreas Mötzing, Betriebsleiter des Umspannwerkes, zeigt die massigen Kolosse, die noch ein paar Jahre vor sich hin brummen werden. Sie stammen aus dem Jahr 1976 und spannen den Strom, der mit 220 Kilovolt aus Richtung Stendal nach Wolmirstedt kommt, auf 380 Kilovolt um. Das ist der Strom, der in der östlichen Republik verteilt wird.

Unterschiedliche Wahrnehmungen

Die 220-Kilovoltleitung, die von Güstrow über Stendal führt, ist die letzte ihrer Art, die in Wolmirstedt ankommt und soll demnächst durch eine 380-Kilovoltleitung ersetzt werden. Gerade wurden öffentlich die Planungen ausgelegt. „Nun warten wir, dass das Baurecht erteilt wird“, sagt Andreas Mötzing. Dann soll es etwa anderthalb bis zwei Jahre dauern, bis die neue 380-KV-Leitung steht, die 220-KV-Leitung überflüssig ist und die alten Transformatoren abgeschaltet werden. Dann bleiben einzig die modernen Transformatoren, die wesentlich leiser arbeiten. Der Unterschied zwischen den alten und neuen Modellen ist bei einem Besuch im Umspannwerk deutlich zu hören.

Neben den Farsleber Ortsrandbewohnern hören auch Bürger in Mose und die Bewohner des nördlichen Stadtrands von Wolmirstedts das Brummen. Auf Volksstimme-Nachfrage ergibt sich ein übereinstimmendes Bild: Ob das Brummen deutlich zu hören ist, hängt vor allem von der Windrichtung ab. Bei Ostwind ist Mose betroffen, bei Süd-West-Wind eher Farsleben. Bürger hören das Brummen bei hoher Luftfeuchtigkeit stärker, vom Rauschen des Fahrzeugverkehrs wird es jedoch übertönt. In Neu-Mose berichten Bürger, dass die Windräder ein Dauerrauschen dazugeben. Im nördlichen Wolmirstedt hören die Bürger außerdem die laufenden Kühlakkus der abgestellten Lkw. Je nach Standort scheint es, als würde überall ein anderer Geräuschcocktail aus verschiedenen Quellen gemixt.

Andreas Mötzing breitet auf seinem Schreibtisch schalltechnische Gutachten und Prognosen aus. An vier Messpunkten wird der Lärmpegel gemessen: In der Backofenbreite und der Farsleber Straße in Mose, in der Farsleber Hohe-Stein-Straße sowie in der Wolmirstedter Schachtstraße. An allen Messpunkten bleiben die Immissionswerte unter den Richtwerten. Für Andreas Mötzing ist das kein Grund, zu triumphieren. Er räumt ein: „Gemessener Lärm und gefühlter Lärm sind manchmal zweierlei Dinge.“

Alte Transformatoren werden abgeschafft

Perspektivisch wird das Brummen des Umspannwerks jedoch weniger zu hören sein, nämlich dann, wenn die alten Transformatoren abgeschafft sind. Andreas Mötzing zeigt: Der Kreis um das Umspannwerk, in dem der Ton hörbar ist, wird erheblich kleiner sein, das Brummen nur noch im Nahbereich messbar.

Die alten Transformatoren stehen seit 1976 in Wolmirstedt. Ebenso alte Transformatoren, die aus Magdeburg nach Wolmirstedt umgesetzt wurden, sind bereits 2015 vom Netz gegangen und durch moderne ersetzt worden.

Das Wolmirstedter Umspannwerk gilt als Drehkreuz für Strom aus allen Himmelsrichtungen. Es ist in seiner jetzigen Form seit 2017 in Betrieb. Hier kommt der Windstrom des Nordens an, auch von den großen Offshore-Anlagen der Ostsee, außerdem Solarenergie sowie die Energie, die aus Biomasse gewonnen wird. Dieser Strom wird über das Drehkreuz Wolmirstedt überall dorthin verteilt, wo er gebraucht wird, an die Avacon, die Städtischen Werke Magdeburg oder in den Süden, wo ihn die Stahlwerke regelrecht fressen.