Jersleben l Die Beschwerden von Besuchern des Naherholungszentrums am Jersleber See häufen sich. Dabei stehen die Corona-Beschränkungen im Zentrum, aber auch der Umgang mit den potenziellen Gästen wird kritisiert. Erst kürzlich hatte der Wolmirstedter Karl-Heinz Gärtner von einem missglückten Badebesuch erzählt (Volksstimme berichtete). Er war, wie auch weitere Besucher, davongeschickt worden, da nach einem nachmittäglichen Gewitterguss kein Schwimmeister mehr gegen Abend vor Ort war.

Die Wolmirstedterin Sabine Große wartet jetzt mit einem Campingerlebnis auf. „Wir hatten eine nette Campingwoche am schönen Jersleber See geplant“, berichtet sie. Zwei Familien mit vielen Kindern, die sich keinen Urlaub leisten können, sollten in den Genuss kommen. Genau 13.05 Uhr kamen die Besucher an dem bewussten Tag bei 32 Grad Celsius am Einlass an. Die Vorfreude auf das tolle Naherholungserlebnis verflog jedoch ganz schnell. Am Einlass erfuhren die Gäste nämlich, dass jetzt erst einmal Mittagspause sei und sie sich doch gefälligst eine Stunde gedulden sollten – obwohl sich die nun ernüchterten Camper im Vorfeld angemeldet hatten. Sie schmorten daraufhin in der prallen Sonne.

„Als man uns dann tatsächlich erst nach einer Stunde vorließ, dauerten Anmeldung und die Registrierung auf einem ,Coronazettel‘ genau fünf Minuten. Wir waren übrigens die Einzigen, die hier warteten“, erzählt die Wolmirstedterin.

Besucher fühlen sich gegängelt

Sabine Große und ihre Schützlinge machten im weiteren Verlauf die Bekanntschaft von sechs Mitarbeitern auf dem Gelände. Das rief allerdings wenig Begeisterung bei dem Campern hervor. „Alle schienen mir etwas zu sagen zu haben“, erzählt sie. Die Besucher fühlten sich in der Folge gegängelt, permanent ermahnt und nicht eben freundlich behandelt. Der Platz war etwa zu 50 Prozent belegt und dennoch kam den Gästen alles schmutzig vor. „Die Ausstattung, wie die Dusche, ließen sehr zu wünschen übrig“, setzt die Wolmirstedterin ihren Bericht fort. „Die Vorhänge waren löcherig und am Abend herrschte in der Dusche Überflutung.“

Die Folge: Die Besucher verspürten wenig Erholung am See und reisten frühzeitig wieder ab. Der Ärger ist aber geblieben. „So etwas ist eine Zumutung für Besucher“, stellt Sabine Große klar. „Wir haben auch viele Gäste aus dem Ausland gesehen, die wohl von solchen Erlebnissen eher abgeschreckt werden.“

Die Unternehmerin aus Wolmirstedt habe den Eindruck, dass der Besucher eher als anzuweisender Störenfried betrachtet werde und nicht als derjenige, der die Existenz sichert. Zudem könne von Personalknappheit keine Rede sein, wenn die Rezeption trotz doppelter Besetzung eine „vorgeschriebene“ Mittagspause einhalten müsse und auf dem Gelände weitere Mitarbeiter anzutreffen seien. „Währenddessen sitzen zwei Security-Leute an Eingang und wissen ihre Zeit kaum sinnvoll zu gestalten“, sagt Sabine Große. „Die Saison ist ja bald vorbei und im nächsten Jahr kümmert sich hoffentlich jemand ums Marketing, dem das ,Kleinod‘ am Herzen liegt.“ Außerdem bemängelt sie die fehlende Aktualität der Internetseite, auf der die derzeitigen Öffnungszeiten nicht zu finden seien.

Auflagen des Landkreises?

Gemeinderatsmitglied Edgar Appenrodt (Freie Wähler) sind die Erlebnisse der Wolmirstedterin inzwischen auch bekannt. „Unsere Fraktion hat keinen Anlass ausgelassen das in meinen Augen völlig unsinnige Verfahren am Jersleber See zu kritisieren“, sagt er. So habe man auf eine Öffnung, so wie sie am Barleber See oder am Neustädter See vorgenommen wird, gedrungen. „Schon bei der durch uns einberufenen Sondergemeinderatssitzung sind die Räte jedoch durch angebliche Auflagen des Landkreises eingelullt worden“, sagt er.

In Sachen Öffnungszeiten hat sich aber auch der Campingrat des Jersleber Sees schon positioniert. In einem Schreiben, welches der Volksstimme vorliegt, wird die Öffnung des Erholungscenters bereits ab 10 Uhr für Badegäste vorgeschlagen.

Andere Seen – andere Möglichkeiten

Dem schließt sich Appenrodt an. „An anderen Seen in Magdeburg können die Anlagen auch außerhalb der Öffnungszeit betreten werden. Davor oder danach ist noch einmal schnell der Sprung ins Wasser möglich.“ Das werde jedoch von Seiten der Gemeinde für den Jersleber See vehement in Abrede gestellt. Jedes Mal würden andere Ausreden gefunden und auf angeblich existierende Weisungen des Landkreises verwiesen. „Bei der Frage nach schriftlichen Anweisungen des Landkreises lösen sich diese jedoch in Luft auf“, sagt Appenrodt. Diesbezüglich könne er den Unmut der nicht eingelassenen Besucher verstehen.

Der Campingrat hatte weiter auf die Situation vor Ort verwiesen und dabei auf die aufgeheizte Stimmung unter den potenziellen Besuchern. „Die Gäste stehen schon in Schlangen gegen 10 Uhr vor dem verschlossenen Tor und wollen eingelassen werden“, heißt es in dem Schreiben. „Ihren lautstarken Unmut lassen sie an den Mitarbeitern aus und rütteln am Tor.“ Es grenze an ein Wunder, dass es noch nicht zu Handgreiflichkeiten gegenüber den Mitarbeitern gekommen sei. Der Sicherheitsdienst beginne seinen Dienst erst um 11 Uhr und könne daher vorher nicht eingreifen.

„Die derzeitige Situation ist eine Katastrophe“, sagt Edgar Appenrodt. „Die demonstrierte Unfähigkeit wird in Beton gegossen, um als Grund für eine angestrebte Privatisierung zu dienen.“

Karolin Braunsberger-Reinhold von der Gemeinde-Verwaltung in Barleben kennt die Sachverhalte ebenfalls alle. „Wir haben sofort die Mitarbeiter zu dem Camping-Vorfall befragt“, sagt sie. Allerdings wolle niemand von ihnen eine Auskunft mit der von Sabine Große angesprochenen Mittagspause gegeben haben. „Wir haben durchgehend von 12 bis 20 Uhr geöffnet“, betont sie. „Eine gesonderte Pause ist da nicht vorgesehen.“ Allerdings seien zwischendurch Mitarbeiter auf dem Gelände unterwegs, wenn wieder einmal ein beschädigter Zaun gemeldet werde. Außerdem sei die Internetseite www.jerslebersee.de aktuell gehalten und auch die Öffnungszeiten werden dort gelistet – und zwar gleich auf der Startseite.

Nahezu an jedem Tag gebe es Anfragen zum Jersleber See bei der Verwaltung. „Diese erfolgen nicht immer im normalen Umgangston“, berichtet sie. Nicht nur die Mitarbeiter im Erholungszentrum bekämen Beleidigungen zu hören. Außerdem werden die von der Landesregierung vorgeschriebenen Beschränkungen rundweg abgelehnt oder einfach nicht akzeptiert. Das betreffe sämtliche Verordnungen und auch die beiden von der Gemeinde erarbeiteten Hygienekonzepte. Um die Durchsetzung zu gewährleisten sei überhaupt erst die vor Ort tätige Security-Firma ins Boot geholt worden.

Beleidigungen und persönliche Angriffe

„Am See direkt ist die Arbeit nicht einfach, da es zu offenen Anfeindungen kommen kann“, bestätigt Karolin Braunsberger-Reinhold. „Dabei können die Mitarbeiter nichts dafür, dass sie die Anordnungen durchsetzen müssen. Dennoch bekommen sie fast täglich den Unmut der Besucher ab.“

Die Gemeinde sei in der Tat kein gewinnorientiertes Unternehmen und habe eine ganz andere Kostenstruktur, zumal mit Eintrittspreisen wie einem Euro für den Badebesuch keine tragfähigen Finanzen erzielt werden können. Daher werde auch mit Teilzeitkräften gearbeitet. Gerade diesen Punkt hatte Gemeinde-Bürgermeister Frank Nase schon in der Vergangenheit betont.