Wolmirstedt l Der Sommer zeigt sich zurzeit gnädig, doch im Juni sorgten Rekordtemperaturen für heiße Luft. Wer konnte, zog sich in den Schatten zurück, Ventilatoren wurden knapp. In diesen Wochen litten auch die Kinder und Erzieherinnen der Kita „Pusteblume“, denn die Außenmarkisen waren im Januar entfernt worden, Ersatz wurde nicht beschafft. Das führte zu unerträglichen Temperaturen in den Räumen.

Außenmarkisen entfernt

Schon früh um sieben Uhr wurden 30 Grad gemessen, die Kinder konnten kaum essen und schlafen. Eltern waren entsetzt. Mütter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchten, monierten im Volksstimme-Gespräch zum einen, dass es keinen Ersatz für die defekte Beschattung gab, aber auch die fehlende Kommunikation. Selbst der Elternrat wurde nicht informiert. „Vermutlich hätten auch Eltern geholfen, Abhilfe zu schaffen“, sagen die Muttis, „wir hätten Firmen ansprechen oder anderweitig Spenden sammeln können.“

Das Gebäude gehört der Stadt, sie ist für die Außenbeschattung zuständig. Im Januar wurde bekannt, dass die in die Jahre gekommenen Außenmarkisen eine echte Gefahr darstellen, dass Halterungen gebrochen waren und akute Absturzgefahr bestand. Sie wurden im Zuge der Gefahrenabwehr umgehend entfernt. Da war der Stadthaushalt bereits fertiggestrickt, ein Ersatz der Außenbeschattung, der etwa 50.000 Euro kostet, war nicht eingeplant und konnte somit nicht angeschafft werden.

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Kein Geld für Ersatz eingeplant

So knapp scheinen die Kassen aber dann doch nicht zu sein. In diesem Zusammenhang verstehen die Eltern keineswegs, warum der Stadtrat in seiner letzten Sitzung plötzlich beschließen konnte, 22.500 Euro auszugeben, damit alle Stadträte zeitnah mit neuen Tablets ausgestattet werden. Das Geld stammte aus den Einsparungen für den Regenwasserkanal im Stollenweg. Die Eltern sind erbost: „Wir wundern uns, was so priorisiert wird.“

Die Eltern fühlen sich unverstanden, wollen sich wehren. Sie regen für die Zeit, in der es keine Beschattung gab, sogar eine Mietminderung an, die der Träger gegenüber der Stadt durchsetzen könne, entsprechend könnten die Elternbeiträge verringert werden.

Rollos sollen helfen

Die Stadtverwaltung hat inzwischen einen Topf gefunden, aus dem eine Zwischenlösung finanziert wurde, neue Rollos, die über eine hitzeabweisende Außenbeschichtung verfügen. Die Rollos für die größeren Fenster sind inzwischen angebracht, die Rollos für die kleineren Fenster müssen maßangefertigt und noch geliefert werden. Derzeit ist die Kita „Pusteblume“ zwei Wochen geschlossen. Wenn Kinder und Erzieherinnen dort wieder einkehren, soll zumindest eine ganz große Hitze draußen bleiben.

Träger der Kita ist die Soziale Bürgerinitiative Glindenberg (SBI), auch die hat regiert und Vorhänge angeschafft. „Der Zustand hat sich erheblich verbessert“, meint SBI-Geschäftsführerin Andrea Weimeister.

Erhebliche Verbesserung

Die Kitas „Pusteblume“ und „Ohrespatzen“ sind nebeneinander in einem alten DDR-Bau untergebracht, der ein paar Jahre nach der Wende saniert wurde. In der Kita „Ohrespatzen“ schien das Hitzeproblem nicht ganz so groß gewesen zu sein, dort schützen schon seit längerer Zeit zusätzliche Rollos.

2018 hat die Außenbeschattung noch überall gute Dienste geleistet. Die Muttis sagen: „Der Sommer 2018 war wirklich sehr heiß, aber da hat sich niemand so gequält gefühlt, wie in diesem Jahr.“