Wolmirstedt l Bürger aus Farsleben, Mose und Wolmirstedt möchten nicht, dass ihnen eine weitere Deponie vor die Haustür gesetzt wird. Sie wehren sich dagegen mit Unterschriften. Gut einhundert Männer und Frauen haben bereits ihren Namen auf die Listen gesetzt, zehn DinA4-Blätter werden demnächst im Rathaus abgegeben. Das Schreiben an die Stadtverwaltung ist mit „Bürger der Orte Farsleben und Mose“ unterschrieben. In der Zeitung möchte sich vorerst keiner namentlich als Deponiegegner zu erkennen geben, die Angst vor Repressalien scheint groß. Der Volksstimme sind jedoch Namen bekannt.

Kahlschlag, Lärm und Schmutz

Die Bürger wehren sich aus mehreren Gründen gegen die Deponie. Vor allem der massive Eingriff in die Natur geht ihnen gegen den Strich. Die reine Deponiefläche soll 13,9 Hektar, die gesamte Anlage 18,5 Hektar groß werden. Bisher besteht dieses Gelände vor allem aus Wald. Der müsste komplett abgeholzt werden und damit verschwinden auch die Waldwege, ein Erholungsgebiet geht verloren.

Außerdem befürchten die Anwohner eine weitere Lärm- und Schmutzbelastung durch den mit der Deponie verbundenen Fahrzeugverkehr. Die Firma Papenburg rechnet damit, dass 17 Lkw pro Tag, in Spitzenzeiten fünf Lkw pro Stunde, die Deponie anfahren.

Wertverlust befürchtet

Auch die erwartete Höhe des Abfallberges bereitet Sorgen. Es ist von 25 Metern die Rede. „Die Deponie wäre von allen Einfamilienhäusern aus sichtbar“, heißt es in dem Bürgerschreiben, „durch die Entfernung von nur 650 Metern zur Wohnbebauung tritt ein erheblicher Wertverlust der Häuser in Farsleben und Mose ein.“

Die Bürger sehen sich ohnehin schon gebeutelt. Die Firma Papenburg betreibt bereits Deponien und Kiesabbau. In der Nähe von Farsleben und Mose gibt es außerdem das Umspannwerk, Windräder, Hochspannungsleitungen und eine nahegelegene Autobahn A14.

Allerdings: Zur Entlastung der Anwohner hat die Firma Papenburg bereits eine Betriebsstraße gebaut. Damit ist der Lkw-Verkehr im wesentlichen aus den Ortschaften verbannt.

Die Unterzeichner des Einspruchs haben aber nicht nur die Lebensqualität der Menschen im Blick. Sie sorgen sich um die Greifvögel, deren Horste und Brutstätten vernichtet werden, außerdem müssen die Fledermauskästen weichen, die in dieses Waldstück umgesetzt wurden, als deren ursprüngliche Heimstatt ebenfalls Deponiefläche wurde.

Stadtrat tagt öffentlich dazu

Die Stadt hat zu den Deponieplänen bereits eine Stellungnahme verfasst. Die wurde bisher nichtöffentlich behandelt, am kommenden Donnerstag sollte der Stadtrat nun öffentlich darüber befinden. Das wird aber nicht geschehen, dieser Punkt fliegt von der Tagesordnung. „Es gibt noch zu viele offene Fragen“, sagt die gerade gewählte Bürgermeisterin Marlies Cassuhn. Unter anderem ist dieses Gebiet im Flächennutzungsplan der Stadt überhaupt nicht als Deponiefläche ausgewiesen. Weiterhin ist noch nicht bekannt, an welcher Stelle die Ersatzpflanzungen erfolgen sollen, sollte der Wald tatsächlich abgeholzt werden.

Geht es nach den Plänen der Firma Papenburg, wird die Deponie im dritten Quartal 2019 in Betrieb gehen und von der Farsleber Kiesgrube Richtung Neu-Mose anwachsen. In den nächsten 30 Jahren sollen abschnittsweise insgesamt zwei Millionen Kubikmeter Abfall der Klasse 0 eingelagert werden, das sind vor allem mineralische Abfälle wie Bauschutt und Bauaushub. Ist ein Deponieabschnitt voll, soll renaturiert werden.

Die Pläne für diese Deponie liegen noch bis zum 19. Dezember im Rathaus öffentlich aus. Betroffene können Einspruch erheben.