Wolmirstedt l Das Team von Christina Laqua schleppt Stühle aus dem Trauzimmer des Bürgerhauses. Im Mai werden sich dort zwei Paare das Ja-Wort geben. Das geht nur, wenn Trauzeugen und Gäste ausreichend Abstand halten. Mehr als zehn Personen dürfen sich in diesem Raum nicht aufhalten, inklusive der Standesbeamtin. Der Sektempfang danach ist gestrichen. Trotzdem freut sich die Schranke-Vereinsvorsitzende auf die Hochzeiten, denn alle anderen Veranstaltungen fallen aus. Die Corona-Pandemie lässt Menschenansammlungen nicht zu. Das Jazzfestival zum Herrentag, das Kinderfest und das Freilichtkino wurden abgesagt.

Damit verliert das Haus eine finanzielle Grundlage, zumal auch kein Familienfest im Schlosskeller gefeiert wird. Das stellt den Verein vor große Schwierigkeiten, denn die Forderungen gelten weiter. Der Schranke-Verein muss monatlich rund 3000 Euro für Strom, Gas, Raummiete, Lohn, Gehalt und Sozialabgaben aufbringen. Noch halten die Rücklagen dafür her.

Stadt ist das Problem bekannt

In der Stadtverwaltung ist das Problem bekannt, doch wie damit verfahren wird, muss noch diskutiert werden. Üblich ist, dass Kultur bezuschusst wird. Das ist beispielsweise nötig, weil Künstlerhonorare nicht allein aus Eintrittsgeldern gedeckt werden können, das gesamte Haus nicht mit eigener Finanzierung betrieben werden kann. Kultur(haus)kosten werden mit Einnahmen wie Spenden, Mitgliedsbeiträgen, Eintrittsgeldern, Fördermitteln oder Zuschüssen der Stadt gedeckt. Wenn nun keine Veranstaltungen stattfinden, gibt es keine Einnahmen, aber es müssen auch keine Honorare gezahlt werden. Die Räume sind trotzdem vorhanden, die Heizung muss laufen, das Haus gereinigt werden. Auch dadurch entstehen Kosten, denen aufgrund der Corona-Krise kein Nutzen gegenübersteht. Der übliche Kreislauf funktioniert nicht mehr, ein Defizit auf allen Ebenen ist unausweichlich.

Wie damit verfahren wird, ist ein Thema im Finanzausschuss, der am 4. Mai in der Halle der Freundschaft tagen wird.

Ein Lied über abgesagte Veranstaltungen können auch die Weberaner singen. Das große Herrentagstreffen, Irische Nacht, Blues in der Scheune - das wird es in diesem Sommer nicht geben. All diese Veranstaltungen haben in den vergangenen Jahren hunderte Menschen in den Farsleber Vierseitenhof gelockt, Freude bereitet und nebenher die Vereinskasse gefüllt. Auch die Kaminzimmerkonzerte erfreuten sich steigender Beliebtheit, immer mehr Menschen haben die Räume auf Webers Hof für private Feste angemietet. All das fällt nun weg. Werner Teige, der Vereinsvorsitzende, ist trotzdem zuversichtlich. „Unser Verein hat ein gutes Fundament, das Jahr können wir überstehen.“ Dabei hat der Verein neben dem Kulturbetrieb auch die besondere Aufgabe, das Gebäude instand zu halten. Webers Hof gehört dem gleichnamigen Kulturverein, während das Bürgerhaus der Stadt gehört und lediglich vom Schrankeverein bewirtschaftet wird.

Warten auf das Geld

Deshalb fließen ins Bürgerhaus laut Haushaltsplan in diesem Jahr 33 400 Euro, Webers Hof sollte sich auf 6000 Euro freuen, alles andere stemmt der Verein selbst. Trotzdem: Webers Hof wartet noch auf das Geld. Bürgermeisterin Marlies Cassuhn erklärt: „Diese Zuschüsse sind Bestandteil des Haushaltsplans und können aktuell nach der Genehmigung des Haushalts 2020 ausgezahlt werden.“

Die notwendigen Reparaturen auf Webers Hof werden derzeit vom Ersparten des Vereins abgearbeitet. Werner Teige hofft, dass zumindest irgendwann die ausgefallene Mitgliederversammlung nachgeholt werden kann. „Irgendwann müssen wir gemeinsam über die Zukunft diskutieren.“