Wolmirstedt l Charlotte Pauls ist 92 Jahre alt und nicht mehr gut zu Fuß. Die Dame geht ohnehin nur noch in Begleitung raus, zurzeit verzichtet sie jedoch auf die Spaziergänge. „Meine Kinder kaufen für mich ein“, sagt sie. Das sei schon vor der Corona-Krise so gewesen, manches habe sich aber doch geändert. „Meine Urenkel besuchen mich zurzeit nicht.“ Die Ansteckungsgefahr sei viel zu groß. Deshalb trägt auch Gabriele Zufelde einen Mundschutz, während sie den Staubsauger schwingt. Die Mitarbeiterin der Volkssolidarität hilft schon lange im Haushalt von Charlotte Pauls, sonst allerdings ohne Mundschutz.

Chefin der Wolmirstedter Volkssolidarität ist Marita Albrecht. Sie und ihre Mitarbeiterinnen stehen im regelmäßigen Kontakt zu Seniorinnen und Senioren. Brauchen sie mehr Hilfe als sonst? „Die meisten werden von der Familie und Nachbarn unterstützt“, weiß Marita Albrecht. Das soziale Netz sei in Wolmirstedt vorhanden.

Das bestätigt Inge Schmidt. Die 91-jährige Dame wird vor allem von ihrem Sohn unterstützt. „Er kommt jeden Abend“, sagt sie, „und kauft freitags für mich ein.“ Tochter Elke ist selbst nicht ganz gesund und kann nur ab und zu nach ihrer Mutter sehen. Doch dann kümmert sie sich vehement, sorgt dafür, dass ihre Mutter auch in Corona-Zeiten die lebensnotwendige Lymphdrainage bekommt. Das ist nicht immer einfach.

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Manchmal gibt es Blumen

Physiotherapeuten waren sich zunächst nicht sicher, ob sie Hausbesuche machen dürfen. Sie wollen das Virus selbst nicht übertragen. Ärztlich angeordnete Behandlungen sind jedoch mit den gegebenen Hygienemaßnahmen erlaubt.

Inge Schmidt weiß auch, dass sie sich auf ihre Nachbarschaft verlassen kann. „Früher habe ich im Haus die Pakete angenommen“, sagt die Dame, „heute bekomme ich manchmal Blumen oder Nachbarn bringen mir was mit.“

Doch womöglich gibt es auch Menschen, die gerade nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Dabei sieht Ursula Kaiser-Haug alle in der Verantwortung. „Jeder weiß, wenn jemand in der Nachbarschaft alleine ist und kann fragen, ob er helfen kann.“ Das macht die SPD-Stadträtin in ihrer Straße so. Doch es gibt auch den Weg übers Internet.

Facebook-Gruppe gegründet

Ricarda Heinze hat auf Facebook eine Gruppe gegründet, die heißt „Wolmirstedter helfen sich gegenseitig wegen Corona“. Dort können sich Menschen, die Hilfe benötigen, melden. Die Gruppenadministratoren vermitteln dann zu einer Person, die helfen kann. „Die Daten sind nicht öffentlich“, erklärt Ricarda Heinze.

Dort steht beispielsweise nur, dass Hilfe beim Gassigehen mit dem Hund erwünscht ist, dann wird vermittelt, Hilfesuchende und Helfer werden in Kontakt gebracht. Wer sich mit dem Internet nicht anfreunden kann, darf Ricarda Heinze auch unter der Telefonnummer 0162/ 483 76 59 anrufen.

Für eine Kontaktplattform im Internet werben auch Lena und Thomas Höding. Die Geschwister haben gestern Zettel in Wolmirstedter Briefkästen geworfen und weisen darauf auf die kostenlose Plattform www.nebenan.de/hood/wolmirstedt hin. Dort können sich Menschen einloggen, der Zugangscode für Wolmirstedt ist auf den Zetteln abgedruckt.

Lena Höding schwärmt: „Darüber ist so vieles möglich: eine Tasse Zucker borgen, Handwerkertipps oder Einkaufshilfen geben.“ Sie kennt diese Art Nachbarschaftshilfe bereits aus Braunschweig und meint: „Das muss doch auch in Wolmirstedt funktionieren.“ Beim Einloggen können gegebenfalls Nachbarn helfen.