Wolmirstedt l Susanne Hein schaut noch einmal durch die Windschutzscheibe ihres Autos, um sicherzugehen, dass sie die Parkuhr richtig gestellt hat. „Es ist schon ein Kampf, hier was zu finden. Manchmal fahre ich minutenlang umher, um einen Parkplatz ohne Zeitbeschränkung zu suchen. Heute war nichts mehr frei. Ich muss notgedrungen hier stehen und nachher umparken“, sagt die Pendlerin aus Magdeburg, die in der Wolmirstedter Innenstadt arbeitet. Mit „hier“ meint sie den öffentlichen Parkplatz an der Sparkasse, wo die Parkdauer wochentags auf zwei Stunden begrenzt ist. So wie der Magdeburgerin geht es täglich vielen Autofahrern.

Die Volksstimme hat bei der Stadt nachgefragt. Dort sieht man keine Defizite bezüglich der Parkplatzsituation. Etwa alle fünf Jahre werde die Lage neu bewertet, sagt Dirk Illgas, Fachdienstleiter für Ordnung und Sicherheit. Dies war zuletzt im Oktober 2017 der Fall. 8476 Parkflächen gibt es demnach in Wolmirstedt und den Ortsteilen, 1726 davon werden von der Stadt bewirtschaftet.

8931 Fahrzeuge gemeldet

In der Analyse wird der Parkplatzbestand der Anzahl zugelassener Fahrzeuge gegenübergestellt. Nach Angaben der Kfz-Zulassungsstelle des Landkreises Börde waren im Oktober 2017 in Wolmirstedt und den Ortsteilen 8931 Fahrzeuge gemeldet. Daraus ergibt sich laut Verwaltung, dass die Stadt „rein rechnerisch über ausreichende Parkflächen für den Individualverkehr“ verfügt. Zugleich wird angemerkt, dass der Kernstadtbereich zunehmend von Berufspendlern und Besuchern, vor allem der Ärztehäuser, frequentiert werde. Dadurch entstehe der Eindruck „vermeintlich überlasteter Parkmöglichkeiten“, obwohl außerhalb des Zentrums genügend Parkkapazitäten vorhanden seien.

„Wolmirstedt ist eine Kleinstadt. Auch wenn man in den Randbereichen parkt, ist man zu Fuß in fünf bis zehn Minuten in der Innenstadt“, sagt Dirk Illgas. Er verweist weiterhin auf den einzigen kostenpflichtigen Parkplatz Wolmirstedts an der Damaschkestraße. Für Menschen mit Gehbehinderung und anderen Beeinträchtigungen hält die Stadt zudem 33 Behindertenparkplätze, vorwiegend in Zentrumsnähe, bereit.

Probleme an Schulen und Kitas

Die 276 innenstadtnahen Zeitparkplätze sollen vor allem Arztbesuchern und Menschen, die in der Innenstadt einkaufen, genügend Stellplätze bieten und zugleich eine „ausreichende Fluktuation“ gewährleisten. Dirk Illgas sieht die Problemstellen auch weniger im Zentrum, als vielmehr in den Bereichen der Schulen und Kitas, in denen Eltern zu Schulbeginn und -schluss die Straßen blockieren.

Nichtsdestotrotz sind auch dem Ordnungsamtsleiter bereits Beschwerden zu Ohren gekommen: „Fast jeder Falschparker ist der Meinung, dass es zu wenig Parkplätze gibt.“ Und von denen gibt es einige. Pro Tag schreiben die Wolmirstedter Politessen 10 bis 30 Strafzettel aus, wie Dirk Illgas sagt. Dadurch sind im Geschäftsjahr 2017 circa 40.000 Euro an Verwarnungsgeldern in die Stadtkasse gespült worden.

Die Einnahmen würden vorrangig genutzt, um die Kosten des sogenannten ordnungsbehördlichen Außendienstes zu kompensieren. Der Betrag sei in den vergangenen Jahren ungefähr gleich geblieben und würde wohl auch für das laufende Jahr 2018 in etwa erreicht werden.