Wolmirstedt l Familie Wiesner lebt in Colbitz und fuhr nach den Feiertagen zum Einkaufen nach Wolmirstedt. Plötzlich drängte ein menschliches Bedürfnis, die Einkaufstätigkeit zu unterbrechen. Kein Problem, dachten sie, hinterm Rathaus gibt es schließlich öffentliche Toiletten. Die sind jeden Tag ab 7 Uhr geöffnet, in der Winterzeit bis 18.30 Uhr. Ein grünes Licht zeigt, dass gerade niemand anders auf dem Örtchen sitzt. Wer hinein will, muss also nur noch 50 Cent in den Schlitz stecken, auf das Summen warten und schon lässt sich die Tür öffnen. Bis dahin war das Familie Wiesner klar. Nur leider ging die Tür nicht auf. Herr Wiesner dachte natürlich, seine Frau habe nicht stark genug gegen die Tür gedrückt, zückte seine letzten 50 Cent, warf sie in den Schlitz, der Summer summte, er drückte an der Tür „wie wild“, doch nichts geschah. Also versuchten sie es an der Herrentoilette, steckten einen Euro in den Schlitz, weil die 50-Cent-Stücke ausgegangen waren, und auch da erlebten sie: Die Tür blieb zu. Der Einkaufsbummel war somit endgültig beendet, zwei Euro vergeblich ausgegeben.

Im Rathaus kann sich niemand erklären, warum sich die Türen nicht öffnen ließen. Die werden jeden Morgen um 7   Uhr aufgeschlossen, von Oktober bis März um 18.30 Uhr, von April bis September um 20 Uhr persönlich von einem Rathausmitarbeiter auf- beziehungsweise zugeschlossen. So soll das auch an besagtem Tag geschehen sein.

Nur gegen Obolus

Dennoch: Wohin können Bürger gehen, wenn es im Rathaus nicht möglich ist? Im Bäckerladen auf dem Zentralen Platz lässt sich das Örtchen benutzen, wenn ein Obolus gezahlt wird. Ebenso im Kleinen Café auf dem Zentralen Platz, während der Öffnungszeiten. Auch Imbissbuden in der Fußgängerzone zeigen sich mitunter kulant, die Auswahl ist jedoch nicht groß. Das ehemalige Café, das viele noch als „Süße Ecke“ in Erinnerung haben, steht schon wieder leer.

Wer auf der Schlossdomäne in Verlegenheit gerät, muss hoffen, dass Bürgerhaus, Muesum, Bibliothek oder Katharinensaal geöffnet haben. Außerhalb der Öffnungszeiten gibt es in diesem Areal kaum eine Chance, seine Notdurft zu verrichten.

Vor gut zwei Jahren gab es Pläne, an die Rückseite der Schlosskapelle eine öffentliche Toilette anzubauen. Die scheint deshalb notwendig zu sein, weil die Kapelle eine Außenstelle des Standesamtes ist. Für das Brautpaar und die Gäste wäre es oft hilfreich, wenn es ein stilles Örtchen gäbe. Derzeit müssen sie den Weg übers Kopfsteinpflaster zum Bürgerhaus oder Museum nehmen. Die Pläne, eine Toilette anzubauen, wurden seinerzeit trotzdem verworfen.