Wolmirstedt l In der Schwimmbadstraße 2b gehen in den kommenden Tagen die Lichter aus. Der Landkreis wird diese Gemeinschaftsunterkunft nicht weiter betreiben. Die Hilfe bei der Integration soll trotzdem gewährleistet sein.

Zwei Gründe führen zur Schließung der Gemeinschaftsunterkunft. Der Betreiber hat Insolvenz angemeldet und im Landkreis gibt es inzwischen genügend andere freie Kapazitäten, um geflüchtete Menschen unterzubringen.

Verträge sind gekündigt

Die Gemeinschaftsunterkunft war im Auftrag des Landkreises von der Berliner Pewobe betrieben worden. Pewobe steht für Professionelle Wohn- und Betreuungsgesellschaft. Die hat sich inzwischen in „Berlin Castle Betreuung und Begleitung GmbH“ umbenannt, „Berlin Castle“ steht inzwischen auch an der Eingangstür der Wolmirstedter Gemeinschaftsunterkunft. Nun hat dieser alte Betreiber unter neuem Namen Insolvenz angemeldet. Probleme hatte Pewobe oder „Berlin Castle“ offenbar auch in Berlin. Medienberichten zufolge hat der Senat dort die Verträge für neun Flüchtlingsunterkünfte mit der Gesellschaft gekündigt.

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Einige Bewohner der Wolmirstedter Gemeinschaftsunterkunft werden in Unterkünfte in Oschersleben oder Wanzleben umziehen. „Es gibt genug freie Kapazitäten“, sagt Iris Herzig, die zuständige Fachbereichskoordinatorin im Landkreis. Asylbewerber, die sich gerade in Integrationskursen oder anderen Maßnahmen befinden, sollen jedoch möglichst in Wolmirstedt bleiben und in Wohnungen untergebracht werden.

Der Landkreis hatte bereits mit Beginn der Flüchtlingswelle Wohnungen in Wolmirstedt angemietet. In denen leben derzeit etwa 80 geflüchtete Menschen, davon haben bereits 53 einen anerkannten Flüchtlingsstatus. Mit diesem sogenannten Aufenthaltstitel fallen sie in die Zuständigkeit des Jobcenters, sie müssen sich jetzt selbst um eigene Wohnungen und Arbeit bemühen.

Umzug in Wohnungen oder WG

In Wolmirstedt gibt es nicht genügend kleine Wohnungen, das ist auch im Landkreis bekannt. Da den anerkannten Flüchtlingen jeweils 50 Quadratmeter Wohnraum zusteht, können mehrere Neubürger eine Wohngemeinschaft bilden und somit gemeinsam größeren Wohnraum mieten. Außerdem steht ihnen der Umzug in andere Städte frei

Vor allem Syrer und Afghanen wurden als Flüchtlinge anerkannt. Zu ihnen zählt Basem Sido, der vor seiner Flucht im syrischen Aleppo lebte und eine Apotheke betrieb. Basem Sido zählt zu denjenigen, die sich von Beginn an bemüht haben, in der deutschen Gesellschaft Fuß zu fassen und das ist ihm bisher gut gelungen. Im Integrationsbündnis gehört er zum Vorstand, er hat die Fahrschule besucht, den Führerschein bekommen und bereits drei Monate in einer Apotheke mitgearbeitet. Er sagt: „Das Wichtigste ist, die deutsche Sprache zu lernen.“

Basem Sido hat sich von Anfang an um seine Sprach-Bildung gekümmert. Am meisten habe ihm neben dem Unterricht in der Volkshochschule der persönliche Kontakt zu Deutschen geholfen. Er hatte Glück, hat schnell einen Draht zu Gisela Krohn gefunden. Die ehemalige Lehrerin der evangelischen Fachschule spricht fließend Russisch, so wie Basem Sido auch, weil er sein Pharmaziestudium in der Ukraine absolviert hat. Er räumt ein: „Wer nur arabisch spricht, hat es schwerer.“

Integration ist langwierig

Inzwischen lernt Basem Sido in Magdeburg bereits spezielles Medizindeutsch und strebt dafür den B2-Abschluss an, der ein fortgeschrittenes Sprachniveau bescheinigt. Er hat eine eigene Wohnung gefunden, seit Dezember lebt seine Familie ebenfalls in Wolmirstedt. Seine Frau hatte lange in der Türkei festgesessen und immer wieder versucht, mit den drei Kindern nach Deutschland einzureisen. Die beiden älteren Töchter besuchen inzwischen die Diesterweg-Grundschule.

Wirklich glücklich ist Basem Sido jedoch erst, wenn er arbeiten kann. „Wir sind kräftig, wir müssen arbeiten“, spricht er für all seine Landsleute. Ohne Deutschkenntnisse sei das jedoch schwierig. Deshalb wünscht er sich noch mehr Plätze in Sprachkursen.

Dass Sprache, persönlicher Kontakt, Arbeit und Integration eng verknüpft sind, bestätigt auch Iris Herzig. „Integration ist ein langwieriger Prozess und es kommt immer auch auf die Menschen vor Ort an.“ Der Landkreis wird weiterhin unterstützen, zudem soll demnächst ein Gesamtintegrationskonzept erarbeitet werden. Darin werden auch die unbegleiteten Jugendlichen berücksichtigt, die im Wolmirstedter Heilpädagogischen Zentrum „Don Bosco“ untergebracht sind. „Es gibt sehr viele, die Geflüchteten ehrenamtlich helfen“, weiß Iris Herzig.

Quasselcafé bleibt geöffnet

In Wolmirstedt kümmert sich neben Integrationslotsen und Familienhelfern auch das Integrationsbündnis. „Das Quasselcafé im Bürgerhaus wird weiterhin jeden Donnerstag ab 18 Uhr angeboten“, sagt Vorsitzende Christine Bauer. Allerdings hat das Integrationsbündnis zwei der drei im Bürgerhaus gemieteten Räume wieder aufgegeben. Die wurden nicht benötigt. Lediglich das bunt eingerichtete Familienzimmer steht weiterhin als Treffpunkt zur Verfügung.

Dort können sich weiterhin persönliche Kontakte ergeben, es gibt bei Bedarf Hausaufgabenhilfe oder Handarbeitsnachmittage. Ohne persönliche Betreuung ist es für Menschen aus anderen Ländern oft schwer ist, sich in Deutschland zurechtzufinden, sei es bei Behörden- oder Arztbesuchen. Familie Sido kann sich weiterhin auf Gisela Krohn verlassen. Derzeit hilft sie dem Familienvater dabei, dass sein Pharmaziestudium in Deutschland anerkannt wird.