Wolmirstedt l Gemeinnützige Vereine können für besondere Projekte und Investitionen Geld aus dem Stadthaushalt bekommen, sei es für ein Fest, neue Bälle oder ein Trainingslager. Die Stadt ist bereit, höchstens die Hälfte der Gesamtsumme zu übernehmen. Aber: Diese besonderen Zuschüsse gibt es nicht zum Nulltarif. Die Stadt fordert im Gegenzug einen Mindestmitgliedsbeitrag und öffentliches Engagement, beispielsweise beim Stadtfest.

Diese Forderungen waren den Ortschaftsratsmitgliedern von Mose und Elbeu zu hart. Besonders gegen die strikte Forderung nach öffentlichem Engagement wehrte sich die Moser Ortsrätin Sylva Heiland. „Ich finde es besser, wenn wir auf Freiwilligkeit setzen.“ Sie merkte an: „Vereine kümmern sich ohnehin um das Gemeinwohl, die Mitglieder arbeiten oft ehrenamtlich für andere. Nun werden sie sogar noch darüber hinaus gefordert, wenn sie Zuschüsse bekommen wollen.“

Ortsräte verweigern Zustimmung

Sowohl der Ortschaftsrat Mose als auch der Ortschaftsrat Elbeu verweigerten der Beschlussvorlage die Zustimmung. Alle Mitglieder haben sich der Stimme enthalten.

In der Tat stellt die Stadt im Entwurf ihrer Richtlinie klare Forderungen. Wer öffentliches Geld haben möchte, solle das gesellschaftliche Leben der Stadt bereichern. Das bedeutet konkret, bezuschusste Vereine sollen mindestens einmal im Jahr eine öffentliche Veranstaltung durchführen oder daran beteiligt sein. Weiterhin wird gefordert, dass die finanziell geförderten Vereine bei städtischen Veranstaltungen mitwirken. Außerdem sollen bei Wahlen oder Volksabstimmungen Wahlhelfer zur Verfügung gestellt werden.

Lutz Neumann, der im Rathaus für Jugend, Kultur und Sport verantwortlich ist und diese Richtlinie miterarbeitet hat, versuchte, die Wogen zu glätten. Wunder werden nicht erwartet, betonte er, es genüge, wenn sich Vereine beispielsweise beim Stadtfest mit einem Stand präsentieren.

Vereine beteiligen sich bereits

Für viele ist das ohnehin längst selbstverständlich. Beispielsweise stehen die Basketballer regelmäßig mit Bällen und einem Korb auf den Festen, die Kanuten sorgen oft für die Getränkeversorgung, andere Vereine verkaufen Kekse oder lassen Kinder auf eine Torwand schießen. „Ziel ist es“, erklärte Lutz Neumann, „dass noch mehr Vereine stärker in die Öffentlichkeit gehen, zum Wohle der Bürger das gesellschaftliche Leben der Stadt bereichern.“

Es gibt noch einen zweiten Knackpunkt für Vereine, die Zuschüsse bekommen wollen – und das sind die eigenen Einnahmen. Sie müssen von erwachsenen Mitgliedern mindestens fünf Euro Mitgliedsbeitrag im Monat fordern, von Kindern mindestens drei Euro. Damit möchte die Stadt gewährleisten, dass erst dann Steuergelder an die Vereine fließen, wenn diese vor allem selbst bemüht sind, sich Einnahmen zu verschaffen.

Eine besondere Förderung soll es für die Kinder- und Jugendarbeit geben. Vereine, die sich dem Nachwuchs widmen, können auf Antrag für jedes Kind oder jeden Jugendlichen des Vereins einen jährlichen Zuschuss von zwei Euro bekommen. Allerdings müssen auch dafür die Förderrichtlinien erfüllt sein.

Die Stadt betont in ihrer Beschlussvorlage, dass Vereine auch ohne diese Zuschüsse längst unterstützt werden. Das geschehe zum einen, weil stadteigene Gebäude und Anlagen wie Sporthallen und -plätze oder Räume, wie im Bürgerhaus, zu Entgelten zur Verfügung gestellt werden, die längst nicht die Kosten decken. Außerdem helfen die Bauhofmitarbeiter bei Bedarf mit, sofern sie über freie Kapazitäten verfügen.

Weiterhin gibt es vertraglich vereinbarte und im Stadthaushalt verankerte Vereinsförderung, wie sie beispielsweise das OK-Live-Ensemble oder der Schranke-Verein in Anspruch nehmen. Die Vorlage wird demnächst in den anderen Ortschaften, in den Ausschüssen und im Stadtrat diskutiert. Erst im Laufe der Sitzungen kristallisiert sich heraus, in welcher Form sie beschlossen wird.