Letzlingen l Bis 15 Uhr war am Nationalfeiertag die künftige Übungsstadt der Bundeswehr durch 17 Musiker des Netzwerkes „Lebenslaute“ sowie Friedensaktivisten der Bürgerinitiative Offene Heide besetzt. Von 11 bis 15 Uhr führten die Lebenslaute-Musiker vor dem „Regierungsgebäude“ von Schnöggersburg Chor- und Instrumentalmusik auf - von Johann Sebastian Bach bis Kurt Weill. Es erklangen Lieder gegen den Krieg aus verschiedenen Epochen und Ländern.

„Hiermit wollen die Gruppen am Tag der Deutschen Einheit auf die direkte Kriegsvorbereitung aufmerksam machen, die hier eine ganz neue Dimension erreicht und sich zunehmend einer demokratischen Kontrolle entzieht“, so Malte Fröhlich von der Initiative Offene Heide. Vor dem neuen „Regierungsgebäude“ der Übungsstadt Schnöggersburg wurden die Fahnenmasten mit einer Friedensfahne eingeweiht und somit die Hoffnung auf mehr Frieden in der Welt zum Ausdruck gebracht.

Anzeige gegen Aktivisten

Die Gruppe wurde später von der Polizei von der Baustelle begleitet. Das Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt, das die Übungsstadt auf einer etwa 6,5 Quadratkilometer großen Fläche im Auftrag des Bundes errichtet, erstattete Anzeige. Die Bundeswehr stellte einen Antrag auf ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen die Besetzer wegen Hausfriedensbruch, informierte ein Sprecher des Gefechtsübungszentrums in Letzlingen.

Seit 1986 kommen Musiker und Unterstützer aus ganz Deutschland einmal im Jahr zusammen und führen klassische Musik als Aktion zivilen Ungehorsams auf. Konzertaktionen führten das Netzwerk „Lebenslaute“ unter anderem zur US-Kommandozentrale in Stuttgart, in den Braunkohletagebau Hambach oder auf die Baustelle des Atommüll-Endlagers bei Gorleben.