Wolmirstedt l Es war sicher gut gemeint, einen Zebrastreifen in der Geschwister-Scholl-Straße anzulegen. Er soll vor allem Kinder auf dem Weg zur Schule schützen. Doch es gibt Richtlinien, nach denen so ein Fußgängerüberweg anzulegen ist und eine dieser Richtlinien wurde missachtet. Nun muss nachgebessert werden. Bis es soweit ist, dienen Baken als Zwischenlösung. Ist das ein Zustand, der zufrieden stellt?

Offensichtlich nicht. FUWG-Stadtrat Rudolf Giersch hat beobachtet: „Kinder, die auf der Wartefläche stehen, können von den Warnbaken verdeckt sein.“

Das darf nicht passieren, das fordert auch die Richtlinie: Auf Straßen, auf denen die Geschwindigkeit von 50 km/h erlaubt ist, müssen Fußgänger, die einen Zebrastreifen überqueren wollen, aus 50 Meter Entfernung erkennbar sein. Das wird an der gesperrten Linksabbiegerspur der Geschwister-Scholl-Straße bezweifelt.

Baken auf der Fahrspur

Jürgen Till, Leiter des Straßenverkehrsamtes im Landkreis Börde, sieht das anders. „Wir haben die Baken bewusst in die Fahrbahn hineingezogen, damit die Sicht auf Fußgänger gegeben ist.“ Tatsächlich stehen die rot-weißen Sperrkörper nicht direkt an der Fahrspurgrenze, sondern in Richtung Mitte der gesperrten Linksabbiegerspur.

„Es wäre besser, halbhohe Baken oder die kleineren Verkehrskegel aufzustellen“, sagt Rainer Schmidt, „dann wären auch Kinder besser zu erkennen.“ Rainer Schmidt war einst Fachgruppenleiter Verkehrstechnik in Sachsen-Anhalts Landesstraßenbaubehörde. Nun ist er im Ruhestand, doch seinen Kopf kann er nicht ausschalten. Die Mängel des neuen Zebrastreifens treiben den Verkehrsexperten um.

Schon als er in der Zeitung sah, dass dieser Zebrastreifen angelegt wird, schlug er die Hände überm Kopf zusammen. Ihm war sofort klar: „Das ist nicht gestattet.“ Ein Zebrastreifen, der über zwei Fahrspuren einer Fahrtrichtung führt, kann für Fußgänger kreuzgefährlich werden.

Das Verbot ist sogar festgeschrieben, in den Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen. Das klingt sperrig, gilt aber nicht ohne Grund. Ein Zebrastreifen, der über zwei Spuren einer Richtung geht, kann böse Folgen haben. Das Horrorszenario im Fall Geschwister-Scholl-Straße ginge so: Wartet ein Auto auf der Linksabbiegerspur am Zebrastreifen, weil ein Fußgänger die Straße queren will, kann es passieren, dass der Autofahrer, der daneben auf der Geradeausspur unterwegs ist, diesen Fußgänger nicht sieht, weiterfährt und den Fußgänger erfasst.

Warum nicht sofort ein breiter Grünstreifen?

Die Straße gehört dem Landkreis und die Mitarbeiter des Straßenverkehrsamtes wollen die Situation noch bis Ende Oktober beobachten. Das Ergebnis steht jedoch eigentlich schon fest. Die Linksabbiegerspur soll endgültig weichen, Teil des Grünstreifens werden. Warum geschieht das nicht sofort, wenn doch bereits alles klar ist?

Die Antwort auf diese Frage steht zwischen Daumen und Zeigefinger, es geht schlichtweg ums Geld. Der Landkreis hat eine Haushaltssperre verhängt. Ungeplante Ausgaben haben es sehr schwer. So wird es wohl frommer Wunsch bleiben, noch in diesem Jahr den Grünstreifen zu verbreitern. Das heißt, die Warnbaken bleiben noch monatelang stehen.

Ursprünglich war es das Ansinnen der KWG-WWP-FDP-FUWG-Fraktion des Wolmirstedter Stadtrats, den Schulweg an dieser Stelle sicherer zu machen. Die Fraktion forderte, Möglichkeiten zu prüfen. „Diese Stelle ist besonders vor dem Schulbeginn ein Nadelör“, begründet Fraktionsvorsitzender Mike Steffens.

In der Tat kommt morgens viel zusammen: Berufsverkehr, Schulbusse, Eltern, die ihre Kinder im Auto zur Schule bringen sowie Kinder, die zu Fuß unterwegs sind. Deshalb haben an dieser Stelle jahrelang Verkehrshelfer gestanden, unter der Leitung von Dieter Frinken. Nach dessen Tod haben die Verkehrshelfer ihre Arbeit eingestellt.

Ampel und Kreisverkehr in der Diskussion

Nun gibt es also den Zebrastreifen, die Linksabbiegerspur muss weichen und keiner ist zufrieden. „Vielleicht kommt es ohne Linksabbiegerspur zum Stau“, sagt Rainer Schmidt, „das wird sich zeigen.“ Eine Fußgängerampel hält er für die beste Lösung, die allerdings teuer ist. Die Ampeln müssten sowohl an den Straßenrändern als auch auf der Wartefläche zwischen den Fahrbahnen installiert werden.

Trotzdem: Damit könnte die Linksabbiegerspur bestehen bleiben, der Verkehrsfluss würde nur bei Bedarf gestoppt. „Außerdem würden sich Fußgänger bis zur Grünphase sammeln“, merkt Rainer Schmidt an. So gehen sie nicht einzeln, wie beim Zebrastreifen über die Straße.

Mike Steffens möchte mit seiner Fraktion noch eine weitere Variante besprechen und in die politische Debatte einbringen. „Wir sollten von Fachleuten überprüfen lassen, ob an dieser Stelle ein Kreisverkehr eingerichtet werden kann.“ Das wurde zwar Anfang der Neunziger Jahre schon einmal in Betracht gezogen und verworfen, Mike Steffens will das nicht gelten lassen. „Inzwischen ist der Fünfgeschosser abgerissen, vielleicht gibt es der Platz unter diesen Umständen her.“ Dieser Vorschlag wird demnächst auf der politischen Agenda landen.