Wolmirstedt l Der Kleingartenverein „Wolmirstedt 1947“ entstand vor 70 Jahren aus der Not heraus. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Versorgungssituation, vor allem die der Flüchtlinge und Vertriebenen, katastrophal. In Kleingärten konnten sie viele Lebensmittel selbst anbauen. Heute ist es eher der Erholungseffekt, der viele Wolmirstedter in die Kleingartenanlage zieht. „Wir haben 114 Gärten, sie sind alle belegt“, sagt Detlef Jungnickel als Vorsitzender des Kleingartenvereins stolz.

Oase zur Erholung

Die Kleingärten erfahren wieder Auftrieb, viele junge Familien möchten sich wieder eine kleine Oase schaffen, in der sie Erholung vom Alltag haben. „Die Kleingartenanlagen machen einen nicht unerheblichen Teil der Stadt aus“, sagt auch Wolmirstedts Bürgermeister Martin Stichnoth. „Sie tun viel dafür, dass die Stadt grün ist“, bestätigt er den Kleingärtnern bei einer Feier am Sonnabend. Im Gemeinschaftsgarten des Vereins - dort, wo auch das Vereinsgebäude steht - wird der 70. Geburtstag der Kleingartenanlage begangen. An diesem Tag überbringt nicht nur der Bürgermeister Glückwünsche, sondern erläutert auch der Vorsitzende, dass es nicht nur um die Gärten, den Anbau und die Erholung geht.

Engagierte Mitglieder

Großen Anteil an der Situation des Kleingartenvereins „Wolmirstedt 1947“ haben vor allem die Mitglieder. Viele von ihnen seien unermüdlich, erläutert Detlef Jungnickel. So zeichnet er unter anderem Karl Gauerke mit dem Ehrenabzeichen in Bronze des Kleingartenverbandes Wolmirstedt aus. „Ich nenne ihn unseren ‚Holzwurm‘ „, sagt der Vorsitzende über den Gärtner, der erheblichen Anteil an der Sanierung des Vereinsgebäudes hat. Auch nicht anwesende Mitglieder werden geehrt. Darunter sind Werner Dittfeld, der Schlosser des Vereins, Dieter Lange und Dieter Stahl sowie Rainer Pforr, der sich im Verein als Elektriker verdient gemacht hat. Innerhalb von nur vier Tagen hat er in der Kleingartensparte 50 Zähler gewechselt. Geholfen haben ihm dabei Sigbert Ginzel und Diaa Aldin Alhmmami. Letzterer kommt aus Syrien und hat seinen Garten in der Sparte erst seit diesem Jahr. „Ich habe ihn gleich eingespannt und er hat uns sehr geholfen“, sagt Detlef Jungnickel und überreicht dem jungen Mann beim Vereinsgeburtstag einen Umschlag. Nicht so schüchtern solle er sein und sich etwas zu trinken holen, sagt er ihm. „Das ist für mich gelebte Integration“, verrät er und sagt, dass auch ein Albaner und ein weiterer Syrer mit im Kleingartenverein sind und sich mit den anderen Mitgliedern wunderbar verstehen.

Bilder

Kein Leerstand im Gartenverein

Dem großen Engagement vieler Mitglieder des Kleingartenvereins „Wolmirstedt 1947“ ist es auch zu verdanken, dass es keinen Leerstand in der Gartensparte gibt. Elf Leute musste der Vorsitzende in letzter Zeit enttäuschen, die dort einen Garten pachten wollten. „Aber wir haben sie zu anderen Vereinen geschickt“, sagt Detlef Jungnickel. Allein in Wolmirstedt selbst gibt es 18 Kleingartenvereine. Die meisten von ihnen sind gut ausgelastet, anders sieht es nur in den Ortsteilen, beispielsweise Farsleben und Elbeu, aus.

Wer sich bereits 70 Jahre lang in der Stadt hält, bekommt auch eine Ehrung vom Wolmirstedter Kreisgartenverband. „Ich hoffe, ihr bleibt uns noch lange erhalten“, sagt Kreisverbandsvorsitzender Armin Bartz und überreicht eine Fahne sowie eine gerahmte Urkunde an Detlef Jungnickel. Die soll nun einen Ehrenplatz im Vereinsheim bekommen, wo bei dem Vereinsgeburtstag fleißige Männer und Frauen für Gegrilltes, Kuchen, Getränke und Kinderspaß sorgen.