Wolmirstedt l UWG-Stadtrat Klaus Mewes moniert, dass es für Kinder und Jugendliche in Wolmirstedt keine Möglichkeiten gibt, sich politisch zu beteiligen. Deshalb fordert er die Bildung eines Kinder- und Jugendbeirates. Das hatte er bereits im Frühjahr thematisiert, damals hatte der Stadtrat hatte das Ansinnen jedoch abgelehnt. Der Grund: Weit und breit waren keine Jugendlichen sichtbar, die sich fürs Mitmachen interessierten. Das ist nun ein ganz klein wenig anders.

Marten Ole Spelsberg (19) und Thomas Höding (16) waren im Hauptausschuss dabei, als über den Antrag von Klaus Mewes beraten wurde. Sie mögen die Idee, dass Jugendliche mitbestimmen können. Marten Ole Spelsberg arbeitet bereits im Jugendkreistag. Dort, auf Landkreisebene, gibt es zwar eine lokale Arbeitsgruppe, die auch Wolmirstedt im Blick hat, aber der junge Mann wünscht sich ein Gremium vor Ort.

„Es gibt viele Themen, die Jugendliche interessieren“, sagt der Abiturient. Beispielsweise stören sie sich am Bild, das der Bahnhof und die Innenstadt abgeben. Ein großer Aufreger ist schon länger her: Als vor ein paar Jahren aufgrund eines großen Haushaltslochs der Fortbestand der Bibliothek fast auf der Kippe stand, sei das vielen Jugendlichen sauer aufgestoßen. Ein öffentliches Aufbegehren gab es jedoch nicht. Kann ein Jugendbeirat künftig Stimmen bündeln. Marten Ole Spelsberg hofft darauf, sieht aber die Grundlagen noch nicht gelegt. „Viele wissen gar nicht, was ein Jugendbeirat leisten soll, noch gibt es keinen festen Ansatz.“

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Jugendliche zeigen kaum Interesse

Die Vergangenheit hat außerdem gezeigt, dass Jugendliche kaum Interesse zeigen. Bürgermeisterin Marlies Cassuhn und andere Verwaltungsmitarbeiter haben das Ansinnen im Oktober im Jugendclub vorgetragen. „Die Bildung eines Jugendbeirats fand keine Unterstützung, weder personell noch inhaltlich.“

Das bestätigt Keven Kirschner, der Chef des Jugendclubs. „Einige Jugendliche würden so einen Jugendbeirat sicherlich begrüßen“, sagt er, „Voraussetzung ist, dass Entscheidungen auch umgesetzt werden.“ Doch in der politischen Realität ist der Weg von der Idee zur Umsetzung oft lang. Für Jugendliche offenbar zu lang, weil es bedeuten würde, dass sie Ideen einbringen, die Umsetzung aber nicht verfolgen können, weil sie zwischendrin in die nächste Lebensphase wachsen, eine Ausbildung oder ein Studium beginnen, dafür auch den Wohnort wechseln.

Marten Ole Spelsberg sieht die Rekrutierungsmöglichkeiten noch nicht ausgereizt. Er meint, es genüge nicht, allein im Jugendclub zu fragen. „Auch in Vereinen, Schulen und im Internet kann man Jugendliche zusammentrommeln. Es geht nur, wenn man die Jugendlichen dort erreicht, wo sie leben.“

Angenommen, es finden sich Mädchen und Jungen, die in der Kommunalpolitik mitmischen wollen, was dann? Der junge Mann kann sich vorstellen, dass erst einmal in einer Art Planspiel vermittelt wird, wofür Land, Kreis und Stadt eigentlich zuständig sind, damit die Grundlagen für die kommunalpolitische Arbeit gelegt sind.

Als Grundlage hat UWG-Stadtrat Klaus Mewes bereits eine Satzung vorgeschlagen. Das ging SPD-Stadträtin Waltraud Wolff zu weit. „Wir sollten nicht gleich mit einer Satzung kommen, sondern einen Grundsatzbeschluss fassen.“ Sie bevorzugt statt Jugendbeirat den Begriff Jugendparlament. Uwe Claus (CDU) meint, die Jugendlichen müssen so einen Beirat selber wollen. Sollte der Stadtrat heute zustimmen, wird im nächsten Jahr intensiv beraten.