Barleben l Es war ein wenig verzaubert. Als sich die Tür zur „Vorwerkschen Loge“ in diesem Jahr erstmals öffnete, erfüllt die Sonne den kleinen Platz mit Licht. Einst war dieser besondere Ort in der Kirche für den Adel freigehalten. In den warmen Sommermonaten wartet die Loge nun auf Besucher – egal welchen Standes.

Die Patronatsloge, oder auch Vorwerksche Loge, gewährt einen Blick in den Bauch der Barleber Kirche „Sankt Peter und Paul“, ohne auch nur einen Fuß in das Gotteshaus zu setzen. Im Jahr 2015 wurde die Loge komplettiert und seitdem durch eine Treppe aus dem Außenbereich zugänglich. Die alte Treppe wurde wegen Einsturzgefahr samt umgebendem Fachwerk 1976 abgerissen.

Spendensammlung für neue Glocke

Zehn Sandsteinstufen geht es hinauf, dann wartet die hölzerne Tür. Dahinter befindet sich die Vorwerksche Loge – mit einem kleinen bestuhlten Sekretär, auf dem ein Gästebuch liegt, einer Spendendose und einem weiteren Klappstuhl hinter der Tür spartanisch eingerichtet.

Bilder

Wer auf die „Vorwerksche Loge“ zugeht, dem fällt auch die Ilseglocke auf, die vor der Kirche steht. Sie wurde Anfang 2018 aus dem Turm der Kirche verabschiedet. Die Ilse-Glocke läutete über 95 Jahre lang, von Ostern 1922 bis zum 14. Januar 2018. Hinter dem Namen steckt eine traurige Geschichte. Die Glocke wurde einst von der Familie Spoer gespendet. Deren Tochter Ilse war am 31. Oktober 1919 an Diphtherie gestorben – mit gerade einmal 13 Jahren. Seitdem läutete die nach ihr benannte Glocke jährlich an ihrem Sterbetag. Seit die Glocke in den Ruhestand versetzt werden musste, bemühen sich die Gemeindemitgleider um Spenden für eine Nachfolgerin der Ilse-Glocke.

Bis zum Reformationsfest ist die Vorwerksche Loge täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.