Leukämie

Krebs: Rene braucht wieder eine Stammzellenspende

Kurz nach seinem 16. Geburtstag hat Rene Splettstößer eine Stammzellenspende bekommen, die Fahrkarte für ein neues Leben. Für Rene begann eine neue Zeit, fast ein Jahr lang schmiedete er Pläne für die Zukunft. Nun ist der Krebs zurück.

Von Gudrun Billowie Aktualisiert: 30.09.2022, 13:47
Dieses Foto zeigt Rene einige Wochen nach der ersten Stammzellenspende im Oktober 2021. Fast ein Jahr ging es ihm gut, nun ist der Krebs zurückgekehrt.
Dieses Foto zeigt Rene einige Wochen nach der ersten Stammzellenspende im Oktober 2021. Fast ein Jahr ging es ihm gut, nun ist der Krebs zurückgekehrt. Foto: Gudrun Billowie

Wolmirstedt - Renes 17. Geburtstag ist in Sichtweite und wieder ist Rene im Krankenhaus. Vor beinahe zwei Wochen ist der Krebs zurückgekehrt. Wieder ist der Verein „Blaue Nase hilft“ unterwegs, um Stammzellenspender zu finden. Renes einzige Chance.

Roger Altenburg zeigt ein aktuelles Foto von Rene im Krankenbett. Er sitzt vor großem Kissen, vor ihm liegen Smartphone und Tablet, er trägt eine Mütze und reckt den Daumen zuversichtlich in die Höhe. Die Zuversicht kann er brauchen, denn die Leukämie ist zurück. Wieder bekommt er eine Chemotherapie, wieder sitzt seine Mutter Alexandra Witzorke permanent an seiner Seite.

Sie ist für die Volksstimme nicht zu sprechen, hält aber regen Kontakt zu Roger Altenburg, dem Vorsitzenden des Vereins „Blaue Nase hilft“. Er übernimmt die Kommunikation im Namen Rene Splettstößers und seiner Mutter.

Zwei Monate bleiben, um einen Spender zu finden

Zwei Chemoblockphasen sollen den Krebs in die Schranken weisen, erzählt Roger Altenburg, eine Phase dauert etwa vier Wochen. Nach diesen beiden Phasen muss ein Stammzellenspender gefunden sein, sonst ist Renes Leben akut in Gefahr. Der erste Spender kommt aus medizinischen Gründen nicht noch einmal in Frage.

Diesen Zeitdruck erlebte der junge Mann bereits vor einem Jahr. Auch da war die Zeit knapp geworden, Renes Organe drohten bereits zu versagen. Quasi in letzter Minute wurde ein passender Spender gefunden. Einen Tag nach seinem 16. Geburtstag, am 22. Oktober, bekam er neue Stammzellen.

Rene hat immer Hoffnung

Rene hatte damals stets an seine Rettung geglaubt. Das hatte er in einem Gespräch mit der Volksstimme versichert. Sein Mantra, auch in der ganz schweren Zeit, hieß: „Es muss ja wieder werden.“

Es wurde wieder, Rene konnte mit neuen Stammzellen wieder ins Leben zu starten. Er zeigte sich fröhlich, die größte Freude bereitete ihm, Zukunftspläne zu schmieden und seine Mutter zu necken.

Daran habe sich nichts geändert, weiß Roger Altenburg. Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn sei unerschütterlich. Er zeigt ein weiteres aktuelles Foto: Mutter und Sohn im Krankenzimmer, Rene schaut über ihre Schulter und grinst.

Das Immunsystem ist Schimmel nicht gewachsen

Dabei hat die Familie auch nach Renes Entlassung aus dem Krankenhaus Schweres bewältigen müssen. In der Meitzendorfer Wohnung hatte sich Schimmel breitgemacht, Rene konnte in diese Umgebung auf gar keinen Fall zurück. Solchen Bedingungen war sein Immunsystem nicht gewachsen.

Also zog die Familie in ein Haus nach Wanzleben. Rene kam derweil im Elternhaus krebskranker Kinder unter. Allein hätte die Familie den Umzug kaum stemmen können, deshalb halfen Freunde, auch Mitglieder des Vereins „Blaue Nase hilft“.

„Es genügt nicht, Stammzellenspender zu suchen“, sagt Blaue-Nase-Vorsitzender Roger Altenburg, „die betroffenen Familien brauchen Hilfe weit darüber hinaus.“ So wie in Renes Fall sind bei Familien mit krebskranken Kindern wegen der Sterilität oft neue Möbel oder wegen der Barrierefreiheit ein Badumbau nötig. Solche Investitionen können die Familien kaum alleine leisten.

Finanzhilfen für Familien mit krebskranken Kindern

Zusätzlich zu den plötzlich notwendigen Anschaffungen kommt der Umstand, dass in der Regel mindestens ein Elternteil seine Arbeit aufgibt, um dem schwerkranken Kind beizustehen. Das fehlende Einkommen reißt ein Loch in die Familienkasse, ebenso, wie die Spritkosten, die anfallen, weil Eltern tagtäglich zwischen Wohnsitz und Krankenhaus pendeln. „Blaue Nase hilft“ sammelt deshalb auch Geldspenden, die den Familien zugute kommen.

Eine Spendenbüchse steht auch bei den kommenden Typisierungs-Aktionen, des Vereins „Blaue Nase hilft“. Typisierung heißt, dass Menschen mit einem Wattestäbchen an der Wangeninnenhaut entlangfahren und Speichel entnehmen. Das Wattestäbchen wird später im Labor untersucht, die Daten gespeichert. Sollte sich anhand dieser Daten herausstellen, dass die Stammzellen für einen Kranken passen könnten, folgen weitere Untersuchungen. Dafür muss der potenzielle Spender jedoch bereit sein. Wenn es gut läuft, kann er als genetischer Zwilling für jemanden identifiziert werden, der dringend neue Stammzellen braucht, und spenden.

Genetischer Zwilling dringend gesucht

Solch ein genetischer Zwilling wird derzeit wieder für Rene gesucht. Die Uniklinik Magdeburg sucht in der weltweiten Spenderdatei, der Verein „Blaue Nase hilft“ möchte weitere Menschen typisieren, deren Daten anschließend in die Spenderdatei einfließen.

Die Kosten für die Typisierung werden von Krankenkassen nicht übernommen. Der Verein „Blaue Nase hilft“ arbeitet mit der Stammzellenspenderdatei Cottbus zusammen. Dort werden die Kosten für die Typisierung mit 40 Euro veranschlagt. Das wird in der Regel über Spenden finanziert.

Auch dafür hat „Blaue Nase hilft“ in der Vergangenheit gesammelt. In Renes Fall übernimmt die Stammzellenspenderdatei Cottbus die Kosten. Deshalb gehen alle aktuell eingeworbenen Spenden an Rene Splettstößer und seine Familie.

Noch dringender aber braucht Rene einen Spender. Er wird am 21. Oktober 17. Jahre alt. Diesen Geburtstag möchte er gerne feiern.

Hier typisiert „Blaue Nase hilft“

Der Verein „Blaue Nase hilft“ ist präsent am Sonntag, 2. Oktober, beim Feuerwehrfest in Gommern, am Sonnabend und Sonntag, 8. und 9. Oktober, beim Drachenfest in Hohenwarsleben, am Sonnabend, 15. Oktober, bei der Boxgala in Stendal, am Freitag und Sonnabend, 28. und 29. Oktober, am Mediamarkt am Pfahlberg.